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Spirotiger: Pack den Tiger in die Lunge

 



Medizin
Was das Benzin fürs Auto, ist Luft für den Menschen. Es gibt nur zwei leistungslimitierende Faktoren: Die Muskeln versagen ihren Dienst oder die Luft bleibt weg. Beinmuskeln werden seit Jahrmillionen trainiert, die Atemmuskulatur erst seit kurzem.

In Ruhe atmet der Mensch rund 12 Mal pro Minute, über 15'000 mal pro Tag. Unter körperlicher Belastung werden Frequenz und Atemzugsvolumen erheblich gesteigert. Verantwortlich für das bedarfsgerechte und konstante Ein- und Ausströmen der Luft ist die Atemmuskulatur: Zwerchfell und Atemhilfsmuskulatur arbeiten scheinbar unermüdlich, doch der Schein trügt. Die Atemmuskelschwäche ist eine der häufigen Ursache für das beklemmende Gefühl, „zu wenig Luft“ zu bekommen.

Der Muskel wächst am Widerstand: Wird ein Muskel belastet, nehmen dessen Kraft, Ausdauer und Koordination entsprechend den Trainingsreizen spezifisch zu – so lautet das Einmaleins der Muskeltrainingsphysiologie. Jedes Kraft- und Sporttraining beruht genau auf diesem Prinzip. Früher wurde angenommen, dieses Prinzip gelte auch für die Atemmuskulatur: Einfach mehr trainieren, und die Atemmuskulatur wird automatisch mittrainiert. Irrtum! Der Grund liegt in einem speziellen Schutzmechanismus. Bei Ermüdung der Atemmuskulatur wird die Blutzufuhr zur arbeitenden Beinmuskulatur reflektorisch gedrosselt. Der Sauerstoff in den Beinmuskeln wird verknappt, die Laktatwerte steigen an, die Beine machen schlapp. So schützt der Körper sein Atemmuskelsystem vor Überforderung und Leistungskollaps. Spannende Frage: Wie ist das nun bei Asthma? Die verengten Bronchien erhöhen den Atemwiderstand beim Ausatmen. Gibt das zumindest für die expiratorische Atemmuskulatur einen Trainingseffekt? Irrtum zum Zweiten! Beim Asthmatiker ist die körperliche Aktivität meist stark reduziert und damit auch der Trainingszustand der Atemmuskulatur. Eine überforderte Muskulatur ist keine starke Muskulatur.

Seit dreißig Jahren versuchen Forscher, die Atemmuskulatur isoliert zu trainieren. Die meisten Geräte arbeiten mit Widerständen beim Ein- oder Ausatmen. Damit nimmt die Kraft aber nicht die Ausdauerleistung zu. Bildlich gesprochen: Ein Marathontraining kann nicht im Kraftraum absolviert werden. Um die Ausdauerleistung der Atemmuskulatur spezifisch trainieren zu können, waren bisher komplexe Versuchsanlagen und Gerätschaften erforderlich, weil beschleunigte und vertiefte Atmung unweigerlich Hyperventilation zur Folge hatte. Die Lunge nimmt dabei viel Sauerstoff auf und atmet gleichzeitig viel CO2 ab, was fortgesetzt zwingend zu Schwindel, Kribbeln an Lippen und Händen und zu tetanischen Muskelkrämpfen führt. Yogis im Himalaja versuchten das Problem zu lösen, indem sie zwei Minuten lang mit Volldampf atmen und dann eine längere Atempause einschalten. Klug gedacht und richtig gehandelt - aber zwei Minuten sind für Muskeln eher ein Sprint denn ein Marathon und somit – Sie haben es richtig erraten - kein Ausdauertraining.

Heute lässt sich die Atemmuskulatur gezielt, spezifisch und komfortabel trainieren. Der Zürcher ETH Professor Urs Boutellier hat ein Handgerät konstruiert, in das die gesamte Ein- und Ausatemluft geblasen werden kann. Durch einen Rückatmungsbeutel und ein Frischluftventil werden Sauerstoff- und CO2-Konzentration automatisch richtig reguliert. Ich war gespannt auf den Selbsttest:

Ich gab Körperlänge, Gewicht und Alter ein, wählte die richtige Beutelgröße und los ging’s. Über eine visuelle Anzeige und einen Piepston wird der Atemrhythmus vorgegeben. Mir erging es wie vielen anderen: Nach ein paar Minuten war ich fertig, fix und fertig, die Luft war draußen, die Atemmuskulatur erschöpft. Der Trainingserfolg nach zwei Monaten hat mich beeindruckt: Viel mehr Luft – beim Joggen, Schwimmen oder beim Sprechmarathon! Da der findige Erfinder gleich „um die Ecke wohnt“, haben wir Professor Boutellier für zwei Fortbildungen ins Med Center für Spiraldynamik eingeladen. Mit Erfolg: Der Spirotiger ist seither – zusammen mit Laufband, Theraband, Posturomed und Gigermed – fester Bestandteil unserer unverzichtbaren Geräte im Trainingsbereich.

Wir kombinieren Spirotiger® und Spiraldynamik. Die Evolutionsgeschichte macht es vor. Während Jahr Millionen war der Mensch zu Fuß unterwegs – Atmung und Bewegung sind gesetzmäßig miteinander gekoppelt. Laufen, Lunge, Luft und Links-Rechtsverschraubung des Thorax gehören zusammen wie das Huhn und das Ei. Deshalb kombinieren wirdas Spirotiger Atemtraining mit der Links-Rechts-Verschraubung des Brustkorbes. Vielerorts trainieren Spirotiger-Anwender mit symmetrischen Thoraxexkursionen – eigentlich schade: Durch alternierende 3D-Links-Rechtsverschraubung wird die Fortbewegung simuliert und das Atemtraining um einiges funktioneller und effektiver.

Die Liste der dokumentierten Erfolge mit dem cleveren Trainingsgerät ist lang. Für Gesunde steht die Leistungssteigerung im Vordergrund. Radsportlerin Karin Thürig – zweifache Weltmeisterin im Zeitfahren – und viele andere machen es vor. Bei Sportverletzungen erlaubt der Spirotiger eine Fortsetzung des Trainings, auch wenn die Beine vorübergehend aus dem Verkehr gezogen sind.

Im medizinisch-therapeutischen Bereich reichen die Indikationen von Asthma, Schnarchen und Schlaf-Apnoe, Schleudertrauma, Bechterew und Skoliose bis hin zu Herzinsuffizienz und profaner Atemnot durch Trainingsmangel – der Spirotiger trainiert die Leistungsfähigkeit der Atemmuskulatur und hilft so der Lunge auf die Sprünge. Das Lungenvolumen selbst wird nicht vergrößert.

Dr.med.Christian Larsen
29. September 2007