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Hohlkreuz oder nicht - das ist hier die Frage!

MedizinSpezialstühle mit Kniestützen betonen das Hohlkreuz und wollen so eine gesunde Sitzhaltung fördern. In der Meditation wird die Wirbelsäule streng ins Lot gerückt. Die klassische Rückenschule warnt vor allen Seit- und Drehbewegungen der Wirbelsäule - und genau dies tun Tänzer und Yogis. Was gilt nun?

Entscheidend ist die Funktion, nicht die Tration oder Überzeugung. Hier ein paar wichtige Fakten und Tipps zum Umgang mit dem eigenen Rücken:

Fakt: Die Wirbelsäule hat eine S-Form, das steht in jedem Lehrbuch. Die S-Form ist aber nicht da, um zu „federn“. Eine afrikanische Wasserträgerin würde sich bedanken, müsste sie das schwere Gewicht auf dem Kopf Schritt für Schritt durch S-Deformierung der Halswirbelsäule abfedern! Im Gegenteil: Sie wird den Nacken strecken.
Tipp: S-Form ja, aber nicht zum Federn, nicht unter Belastung. Die S-Form ist perfekt für jede entspannte und ökonomische Haltung.

Fakt: Eine Kräftigung der Rückenmuskulatur führt nicht automatisch zur Aufrichtung der Wirbelsäule. Im Gegenteil: Wer mit Rundrücken und Hohlkreuz trainiert, wird diese Fehlhaltungen durch den Muskelaufbau zementieren.
Tipp: Bei jeder Kraftübung die Wirbelsäule vorher, während und nachher aktiv verlängern. Langer Nacken nach hinten-oben – offenes Kreuz nach hinten-unten.

Fakt: Die ideologische Streiterei um die „ideale Wirbelsäulenstatik“ ist endlos. Entscheidend aus meiner Sicht ist die 3D-Beweglichkeit der Wirbelsäule, nicht eine bestimmte Position. Ist die Beweglichkeit vorhanden, sucht sich die Wirbelsäule je nach Aufgabe von selbst die beste Haltung.
Tipp: Trainieren Sie die Beweglichkeit der Wirbelsäule dort, wo sie fehlt. Und am besten gleich in die am wenigsten bewegliche Richtung.

Fakt: Wer Hohlkreuz oder Flachrücken zum Dogma erhebt und mit religiösem Eifer im Alltag umsetzt, den bestraft die Biomechanik. Die Wirbelsäule muss sich immer der Schwerkraft und der Bewegungsaufgabe anpassen.
Tipp: Im Stehen lieber ein bisschen mehr Bauchmuskeln und weniger Hohlkreuz. Beim Heben schwerer Lasten dafür lieber ein bisschen mehr Hohlkreuz – Lasten heben mit Rundrücken ist streng verboten.

Fakt: Bestimmte Probleme der Wirbelsäule erfordern eine spezifische Anpassung der Wirbelsäule. Beim Bandscheibenvorfall beispielsweise wird die Bandscheibe nach hinten rausgedrückt. Rundrücken-Haltung im Kreuzbereich ist deshalb streng verboten. Eine leichte Hohlkreuzhaltung hingegen schützt die verletzte Bandscheibe. Beim engen Spinalkanal ist es genau umgekehrt: Das Hohlkreuz beengt das Rückenmark und seine hier austretenden Nerven, der Flachrücken bringt Entlastung.
Tipp: Lassen Sie nicht locker, bis Sie die Zusammenhänge selber verstanden haben und situationsgerecht anwenden können.

Fakt: Neuste Studien enthüllen, dass die Bandscheiben-Belastung beim aufrechten Sitzen größer sei als wenn Sie sich auf den Stuhl „hinflegeln“. Lassen Sie sich dadurch nicht beeindrucken und schon gar nicht stören. Die Bandscheiben sind für Belastung gebaut – genau wie das Segel für den Wind. Übrigens: Jede Wassersäule im Glasrohr demonstriert den Zusammenhang: Bei vertikaler Sitzposition entstehen höhere Druckwerte als in schräger Position.
Tipp: Beim Sitzen zählt die Abwechslung – mal gerade, mal schräg und zwischen durch immer wieder aufstehen.

Merkformeln für den Alltag:

  • S-Form ja gerne, aber bitte beweglich
  • Kräftigung ja gerne, aber mit Aufrichtung
  • Beweglichkeit dort wo sie fehlt gezielt fördern
  • Rückenprobleme erst verstehen, dann lösen
  • Die persönliche Sitzkultur ist wichtiger als der Stuhl

Christian Larsen
29. April 2007