Aktuelle Informationen zur Spiraldynamik® in Zeiten von Covid-19 »

 
 
Hüftarthrose: Naturgelenke leben länger


Medizin Das Hüftgelenk ist Dreh- und Angelpunkt der Aufrichtung des Menschen. Das ist heute noch so: Sitzen und Stehen, Traben und Treppensteigen – das Hüftgelenk ist enorm gefordert. Im Idealfall hält es ein Leben lang. Aber nicht immer.

Genetik und Unfälle, Bewegungsarmut und Übergewicht, Alter und Abnutzung setzten dem Kugelgelenk zu und können zu frühzeitigem und übermäßigem Verschleiß führen: Der Knorpel wird dünn, die Knochenkugel verliert ihre harmonische Rundung, Schmerzen und Bewegungseinschränkung sind die Folge – bis hin zum Gelenkersatz durch ein Kunstgelenk. Jährlich werden weltweit rund 2 Millionen künstliche Hüftgelenke eingesetzt! Kleine Narbe und schnelle Genesung sind heute dank moderner Operationstechnik Standard. Weniger bekannt sind die genauen Ursachen der Hüftarthrose. Jedes Lebensalter hat seine spezifischen Risiken. Davon lassen sich ebenso spezifische Möglichkeiten der aktiven Prävention ableiten.

Risiken

  • Beim Neugeborenen ist es die Unreife der Hüftgelenkpfanne: Ultraschalluntersuchung und breites Wickeln haben sich etabliert.
  • Im Kindesalter drohen in seltenen Fällen Durchblutungsstörungen (Perthes) mit Absterben von Knochengewebe im Hüftkopf.
  • Im Jugendalter kommt es ab und zu zu einer Lösung der Wachstumsfuge (Epiphysiolyse). Die Knochenkugel rutscht aus ihrer Idealposition und deformiert sich.
  • Extreme Belastung durch Sport (Fußball) oder Beruf (Bauarbeit) leisten der Entwicklung einer Hüftarthrose Vorschub
  • genau wie Bewegungsmangel und Übergewicht bei Otto Normalverbraucher.

Prävention

  • Hüftproblem und Knieschmerzen bei Kindern und Jugendlichen immer ernst nehmen und beim Kinderarzt abklären! Die Therapieformel heißt oft Entlastung an Gehstöcken während Wochen bis Monaten. Keine einfache Sache - Geduld und enge Zusammenarbeit von Eltern, Kind und Ärzten sind angesagt.
  • Verletzungsprävention in Sport und Beruf sind zentral: Ein gebrochenes Hüftgelenk erholt sich, trotz orthopädischer Chirurgie, selten vollständig. Gesunde Ernährung, kein Übergewicht und ausreichend Auslauf fordern und fördern die Beweglichkeit und die Belastbarkeit im Hüftgelenk.
  • Im hohen Alter heißt die Zauberformel Sturzprävention! Ein Stolpern über den Teppich oder ein Ausrutschen auf winterlichem Glatteis kosten den Oberschenkelknochen meist Kopf und Kragen. Stolperfallen beseitigen, Beleuchtung sicherstellen, Brille kontrollieren und gezielte Muskelkräftigung können hier „Leben“ retten.

Allgemeingültig und unterschätzt

Chronische Fehl- und Überlastung sind potente Risikofaktoren. Auf den zweiten Blick schon fast logisch: Beckenschiefstand, Hohlkreuz & Co führen zu einer chronisch einseitigen Fehlbelastung. Bewegungsintelligenz kann dem vorzeitigen Verschleiß ein Schnippchen schlagen. Das breite Wickeln beim Säugling hat einen klaren Grund: Durch das Abspreizen im Hüftgelenk wird der Gelenkkopf gerade statt schräg in die Pfanne gepresst, der Pfannendachrand kann so in seiner Idealposition „nachreifen“. Beim Erwachsenen mit beginnender Hüftarthrose lassen sich so funktionelle Effekte erzielen. Hier das Horrorszenario für das angeschlagene Hüftgelenk: Starke Hohlkreuzhaltung mit Absinken des Beckens Schritt-für-Schritt auf der Spielbeinseite provoziert geradezu ein „Raushebeln“ des Kopfes aus seiner Pfanne. Die Belastung trifft voll auf den Pfannenrand statt auf die Pfannenmitte. Gezielte Veränderung der Beckenstellung in der Dynamik, beispielsweise beim Gehen, sind möglich. Identifikation der chronischen Fehlbelastung und Umlernen heisst die Devise. So läßt sich die Überdachung des Kugelkopfes signifikant optimieren. Ein „eingerostetes“ Hüftgelenk bedeutet zu viel Belastung auf dem immer selben Knorpelareal. Zehn Grad mehr Beweglichkeit in jede Richtung ermöglichen dem Becken mehr Bewegungsvielfalt, andere Knorpelbereiche können wieder belastet werden, dreidimensional wandernde Belastungszonen charakterisieren den gesunden Gebrauch des Hüftgelenks.

Kurzum: Es gibt viele Möglichkeit, gezielt und selber Einfluß auf Entwicklung und Verlauf einer Hüftarthrose zu nehmen. Dabei lautet die etablierte Faustregel: Je früher desto präventiver, je später desto therapeutischer und je noch später desto chirurgischer.

Angebote am Med Center Zürich rund ums Hüftgelenk:

Christian Larsen
1. September 2006