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Sitzen: Angeprangert und wieder freigesprochen

Spiraldynamik®: Eröffnung des sitzlabor.com

medizinHeute wird der Vielsitzerei der Prozess gemacht. Aus dem Gerichtssaal berichtet Dr. med. Christian Larsen, seit Jahrzehnten Beobachter und Berichterstatter von Gesundheitsprozessen.

Im Gerichtssaal herrscht Ruhe – keine andächtige Stille, vielmehr ein beklemmendes Schweigen: Zu lange hat es gedauert, bis die Übeltäterin identifiziert, überführt und dingfest gemacht wurde. Die Vielsitzerei sitzt, für sie typisch, regungslos, gebeugt und mit gesenktem Haupt auf der Anklagebank.

Die Anklagepunkte

§1 Fahrlässige Gefährdung der kollektiven Gesundheit durch Verursachung von Dauerstress für die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur.
§2 Gesundheitsschädigende Beeinträchtigung von Wohlbefinden, Konzentrationsfähigkeit und Leistungsfähigkeit.
§3 Das bewegungslose Dauersitzen arbeitender Menschen auf harten Stühlen in engen und schlecht belüfteten Büroräumen kommt der längst verbotenen Käfighaltung von Tieren gleich und erfüllt somit den qualifizierten Tatbestand der nicht artgerechten Haltung.
§4 Das ungeahnte Ausmaß der Opferzahlen – Abermillionen von Menschen sind betroffen – führt zwingend zur Frage, ob hier ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorliege.
§5 Erschwerend hinzu kommen die volkswirtschaftlichen Auswirkungen: Die Folgeschäden der Dauer- und Vielsitzerei, insbesondere die Kurzabwesenheiten vom Arbeitsplatz, führen der Gesellschaft wirtschaftlichen Schaden im Milliardenhöhe zu.

Antrag der Staatsanwaltschaft auf Höchststrafe: Lebenslängliches Stehen, Gehen, Tanzen, Klettern, Hüpfen, Schwimmen und Liegen; alles, nur nie wieder sitzen. Eine Begnadigung oder eine vorzeitige Entlassung wegen guter Führung bleiben wegen hoher Rückfallgefahr kategorisch ausgeschlossen.

Das Plädoyer der Verteidigung

§1 Tausende rückeninvalider Bauarbeiter werden jedes Jahr zu Taxifahrern oder Kurierdienst-Chauffeuren umgeschult. Und dies nachweislich mit Erfolg. Kontrollierte Studien und tägliche Erfahrung zeigen: Alle Betroffenen ziehen bezüglich „Rückenbelastung“ den Sitzberuf im Taxi der Schwerarbeit auf dem Bau vor! Fazit: So schädlich kann Sitzen nicht sein, wenn es Kranken erfolgreich verordnet wird.

§2 Die Sitzmöbel-Industrie hat in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte erzielt. Ein moderner Bürostuhl ist höhenverstellbar, Sitzfläche und Rückenlehne können variabel gekippt und arretiert werden, verstellbare Armlehnen, aufblasbares Lendenpolster, Parkett- oder Teppichrollen, nach Körpergewicht einstellbare Teleskop-Federung usw. Hinzu kommen ergonomische Arbeitsplätze mit höhenverstellbaren Tischen, ergonomischer Tastatur, blendfreien Bildschirmen usw. Fazit: Schuldig sind weder das Sitzen noch der Stuhl, sondern der Inhaber des Sitzfleisches selbst: Denn jeder Stuhl ist so gut, wie der Mensch darauf sitzt.

§3 Die sitzenden Arbeitskräfte werden von der betrieblichen Gesundheitsförderung durch Vorspiegelung falscher Tatsachen und Prioritäten systematisch getäuscht. Der typische Check-up im Betrieb sieht so aus: Blutdruckmessung, Minilabor und ein paar flotte Tipps zu Bewegung, gesundem Essen und Körpergewicht. Sie erkennen: Hier werden die Herzkreislauf- und Krebsrisiken aufs Korn genommen. Wunderbar, aber: Der Nutzen dieser Art von Gesundheitsförderung zeigt sich erst nach der Pensionierung. Mit den tatsächlichen gesundheitlichen Problemen des Erwerbslebens hat diese Art von Gesundheitsförderung rein gar nichts zu tun.

Im Berufsleben nehmen Schmerz und Stress die unangefochtenen Spitzenplätze ein [1]. Herzleiden schaffen es nicht mal unter die ersten zehn. Mit anderen Worten: Wer tatsächlich die Gesundheit im Betrieb fördern will, hat zwei Pflichten. Erstens: Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens durch verbesserte Sitz-Leistungsfähigkeit. Und zweitens: Verbesserung des seelischen Wohlbefindens durch verbesserte Stressresistenz dank mehr individueller Handlungsautonomie [2].

Viele Menschen haben das Problem erkannt und suchen nach Lösungen. Diese suchenden Menschen werden mit falschen Idealen bedient und systematisch in die Irre geführt. Das aufrechte Sitzen wurde zum Mythos erhoben. „Wer graziös und aufrecht sitzt wie eine Balletttänzerin, sitzt perfekt“. Mag sein, aber die wenigsten Menschen haben die Beweglichkeit oder das Körperbewusstsein einer Tänzerin. Der reale Durchschnitt [3] sieht so aus: Das RückGrat verdient seinen Namen gar nicht mehr, RückKrumm wäre korrekter. Die WirbelSäule kann nicht mehr wirbeln, SteifSäule wäre korrekter als Begriff. Fazit: Wer bestrebt ist, mit einer krummen und steifen Wirbelsäule aufrecht sitzen zu wollen, hat verloren. Diesen Kampf gewinnt immer die Schwerkraft. Selbst Leistungssportler werden beim Versuch, kerzengerade zu sitzen, nach wenigen Minuten mit massiven Muskelverspannungen und Schmerzen abgestraft und zur Aufgabe gezwungen.

Neuerdings wird das aktive Sitzen als Allheilmittel gegen Sitzschäden propagiert. Eine weitere Halb- und Scheinlösung, die zur Verschleierung der wahren Ursachen führt. Angesagt sei jetzt häufiger Positionswechsel – mal sitzend auf dem Stuhl, mal stehend vor dem Pult, mal ein paar Schritte gehend zum Kaffeeautomaten usw. Nur: Wer sich mit stocksteifem Rundrücken vom Sitzleder hoch hievt, wer krumm und gebückt vor dem Stehpult steht und wer als wandelndes Fragezeichen zum Kaffeeautomaten schlurft, dem ist mit der Losung „aktives Sitzen“ nicht geholfen. Jeder nimmt seine Rückenprobleme mit, wohin er auch geht.

Das Urteil:

Aufgrund der komplexen und widersprüchlichen Datenlage wurde das Sitzen mangels Beweisen und geringer Schuld vollumfänglich freigesprochen. „Gehen ist die beste Medizin,“ führte der Richter aus. Das wusste zwar schon Hippokrates, der Stararzt der Antike vor zweieinhalb tausend Jahren. Flottes Spazieren nach Großväter Sitte geriet ausgangs des zweiten Jahrtausends vorübergehend aus der Mode, kam aber eingangs des dritten schon wieder auf - als Flanieren und Sinnieren wie Commissario Brunetti in den Gassen Venedigs oder als amerikanische Trendwelle via Power-Walking. Absehbar, dass der neue Trend Power-Sitting heißen wird: Der Bürostuhl als ideales Fitnessgerät für den Alltag? Besuchen Sie uns im sitzlabor.com am Spiraldynamik® Hauptsitz in der Südstrasse 113 in Zürich: Mit dem nötigen Gewusst-wie sind die Auswirkungen dynamischen Sitzens auf Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Stressresistenz erbaulich.

Save the Date:

Eröffnung des sitzlabor.com am 26. Mai 2011 ab 17:30 in Zürich und

Start der Trainingsgruppe ab DO 9. Juni 2011, 10 mal 18-19:30 Uhr

Herzlich willkommen!

Christian Larsen
30. März 2011

[1] Kocher G, Oggier W: Gesundheitswesen Schweiz 2010-2012; S.32-33. Huber, 2010
[2] Netta F: Nationale Tagung für betriebliche Gesundheitsförderung, Fribourg, 02.09.2010
[3] Spiraldynamik® Med Center Zürich: 7000 eigene Medimouse Messungen 2001-2011