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Kieferprobleme: Belastend, aber gut behandelbar
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Medizin Störungen des Kausystems sind vielfältig, haben grundsätzlich eine gute Prognose und die Mehrheit der Betroffenen kann mit einfachen Behandlungsmethoden therapiert werden. Zahlreiche Zusatzfaktoren müssen bei anhaltenden Symptomen beachtet werden.

Beschwerden im und um das Kiefergelenk werden meist unter dem Überbegriff  "Myoarthropathie des Kausystems", kurz MAP zusammengefasst. MAP des Kausystems werden definiert als „Störungen des Kausystems, verursacht durch entzündliche und/ oder degenerative Veränderungen der Kaumuskulatur und /oder der Kiefergelenke". Oft spielen mehrere Faktoren beim Krankheitsgeschehen zusammen. Entsprechend kennt man so genannte Leitsymptome und Begleitsymptome, die zur Diagnose führen.

Leitsymptome

Die wichtigsten drei Leitsymptome für eine Myoarthropathie des Kausystems sind Bewegungseinschränkungen des Unterkiefers, Gelenksgeräusche und lokale Schmerzen in der Kaumuskulatur sowie im Kiefergelenksbereich.

Begleitsymptome

Zusätzlich zu diesen MAP-Leitsymptomen empfinden viele Personen weitere Begleitsymptome mit unterschiedlicher Ausprägung wie Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Ohrschmerzen, Ohrgeräusche, Nackenschmerzen, Schwindel, Tränen- und Nasenfluss, Taubheitsgefühl, Ameisenlaufen, Schlafstörungen und andere mehr. Das Vorhandensein eines oder mehrer dieser Symptome weisen auf eine MAP als mögliche Ursache der Beschwerden hin. Gerade dauerhafte Kopfschmerzen im Schläfenbereich oder anhaltende Ohren- oder Nackenschmerzen sind häufig mit einer Störung des Kausystems assoziiert.

Ursachen

Die Ursachen von MAP im Kausystem sind vielfältig und teilweise auch noch nicht bekannt. Aufgrund klinischer Beobachtungen wird aber der unbewussten Verspannung der Kaumuskulatur im Sinne von Zahnpressen oder Zahnknirschen seit jeher eine gewichtige Rolle beigemessen. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Zahnpressen und -knirschen durch das zentrale Nervensystem gesteuert werden und nicht, wie ursprünglich angenommen, durch fehlerhafte Zahnkontakte. Bemerkenswert ist, dass die Intensität der Kiefergelenksbeschwerden im Zeitverlauf häufig schwankt, ähnlich wie bei chronischen Rückenschmerzen.

Zusatzfaktoren: Veranlagung und Stress

Die individuelle Anfälligkeit und die Schwankungen der Beschwerden werden nach heutigem Kenntnisstand hauptsächlich auf so genannte MAP Zusatzfaktoren zurückgeführt. Dazu gehören genetische Veranlagung und Gewebeüberlastungen, aber auch psychosoziale Stressfaktoren im Privatleben.

Bemerkenswert: Der Fehlstellung von Zähnen wird ursächlich kaum mehr Bedeutung beigemessen. Wissenschaftliche Studien konnten keinen klaren Zusammenhang mit Kiefergelenksbeschwerden nachweisen!

Anamnese

Zunächst ist es hilfreich, die Beschwerden in einem Tagebuch festzuhalten. Es ist empfehlenswert, möglichst täglich die Schmerzlokalisation und –ausstrahlung zu dokumentieren. Dabei soll auch der Schmerzcharakter beschrieben werden: spitz, stumpf, drückend, pulsierend, brennend etc. Oft zeigt sich, dass sich die Intensität im Tages- oder Wochenverlauf ändert. Oft können so schmerzauslösende oder -lindernde Faktoren erkannt werden.

Allgemeine Therapiekonzepte

Von medizinischer resp. zahnmedizinischer Seite steht die Schonung des Kausystems im Zentrum. Dazu gehören das Erlernen einer korrekten, entspannten Unterkieferhaltung und die Durchführung einfacher Dehnungsübungen. (siehe „Gesunder Kiefer, schmerzfrei und beweglich“, Spiraldynamik Buch und DVD, Trias Verlag Stuttgart 2006) Wichtig ist zudem die Selbstbeobachtung zur Förderung des Körperbewusstseins. Es ist darauf zu achten, dass bei Entspannung die Kaumuskeln locker und daher die oberen und unteren Zähne nicht in Kontakt sind.

Kiefergeräusche

Schmerzfreies Knacken oder Reibegeräusche im Kiefergelenk sind nicht krankhaft. Es besteht kein Behandlungsbedarf. Die Anpassungsfähigkeit des Kiefergelenks ist beachtlich: Personen in höherem Alter benötigen zwar gelegentlich einen Knie- oder Hüftgelenksersatz, wohl aber kaum je eine Kiefergelenksprothese!

Akute Schmerzen

Akute Schmerzen, wie sie bei einer Kieferklemme (Mund kann nicht geöffnet werden) oder Kiefersperre (Mund kann nicht geschlossen werden) auftreten, bedürfen einer sofortigen und kompetenten Behandlung. Konventionelle Schmerzmittel sind in solchen Fällen als Sofortmassnahme empfehlenswert. Danach ist eine Bewegungstherapie angezeigt, um die Kieferbewegung zu optimieren.

Anhaltende Schmerzen

Bei anhaltenden und chronischen Schmerzen sind konventionelle Schmerzmittel selten wirksam. Da oft psychosomatische Symptome mitspielen, wie seelische Belastungen, Beziehungsstress und ähnliches, muss eine erfolgreiche Behandlung im multidisziplinären Team im Zentrum stehen. Dazu gehören gezielte Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Biofeedback, Spiraldynamik etc.)

Weitere Therapieformen

Führen Verspannungen der Kaumuskulatur während des Schlafes zu Beschwerden im Kausystem, kann die Eingliederung einer Aufbiss-Schiene zu einer Schmerzlinderung oder Besserung der Symptome führen.


Dr. med. et med. dent. Dominik Ettlin*
24.September 2008

* Dr. med. et med. dent. Dominik Ettlin ist klinischer Dozent und Co-Leiter der Schmerzsprechstunde an der Universität Zürich. Er ist Co-Autor und Experte der Spiraldynamik DVD&Buch-Produktion „Gesunder Kiefer“.