Skoliose: Best Practice für den Schulalltag

 Spiraldynamik® Portrait - Regula Franz, Primarlehrerin und Dozentin für Pädagogik

PATIENTENPORTRAIT |
Die Skoliose ist eine einseitig fixierte spiralige Verschraubung der Wirbelsäule und kann mit der «Gegenspirale» behandelt werden. Dabei ist eine eigenverantwortliche Umsetzung im Alltag das A und O. Warum Spiraldynamik® für Regula Franz die ideale Therapieform ist, erzählt die Pädagogin im Interview. 

Im Alter von 16 Jahren wurde Ihre Skoliose zufällig diagnostiziert. Hatten Sie zuvor keine Beschwerden?

Als Kind hatte ich nie Schmerzen. Erst als ich wegen etwas anderem beim Arzt war, wurde die Seitwärtsverdrehung meiner Wirbelsäule entdeckt. Anschliessend wurde ich im Krankenhaus genau abgeklärt. Die Ärzte empfahlen mir eine Operation, wenn ich nicht mein Leben lang regelmässig Physiotherapie machen wolle. Mit 16 war ich für diesen Eingriff alt genug und so bereitete ich mich darauf vor.

Zwei Wochen bevor es soweit war, haben Sie sich umentschieden und die Operation abgesagt. Aus welchem Grund?

Zum einen, weil ich als passionierte Skifahrerin nach einer Operation diesen Sport nicht mehr ausüben dürfte. Und zum andern, weil mir beim Gedanken daran, meinen Rücken aufschneiden und Platten einsetzen zu lassen, immer unwohler wurde. Meinen Eltern ging es ähnlich und sie haben mich in meiner Entscheidung total unterstützt.

Welche Therapieformen haben Sie in den folgenden Jahren ausprobiert?

Angefangen habe ich mit der Schroth-Therapie, einer weltweit anerkannten, dreidimensionalen Skoliosetherapie. Mit Hilfe von gezielt gelenkter Atmung werden die Krümmungen beeinflusst und stabilisiert. Meine Schmerzen waren damals nicht so schlimm und sind nur selten aufgetaucht. Wenn es dann doch nötig war, habe ich zusätzlich Physiotherapie gemacht. Im Laufe der Jahre habe ich vieles ausprobiert, am meisten überzeugt hat mich die «Spiraldynamik».

Wie sind Sie damit in Kontakt gekommen?

Durch meine Kinder. Ich wollte früh genug abklären, ob bei ihnen ähnliche Probleme auftauchen könnten. Dabei bin ich auf die «Spiraldynamik» gestossen. Anders als im Spital, wo meistens alles auf eine spätere Operation hinausläuft, lernt man hier von Anfang an, auf sein Bewegungsmuster zu achten. Das hat mir gefallen.
Ich selbst bin dann aber erst viele Jahre später wieder auf die «Spiraldynamik» zurückgekommen, weil ich nie grosse Beschwerden hatte. Die sind erst aufgetaucht, als ich nach 20 Jahren Unterrichten – meistens in Bewegung – nochmals studierte, eine neue Arbeit an der pädagogischen Hochschule annahm und dort vermehrt im Sitzen arbeiten musste.

Sie besuchen alle zwei bis vier Wochen das Med Center Zürich. Wie sieht eine Therapiestunde aus?

Zunächst geht es darum, meine Spannungen zu lockern. Die sind immer da, weil meine Muskeln durch die Skoliose einseitig belastet werden. In einem zweiten Schritt überprüft meine Physiotherapeutin, ob ich meine Bewegungen anatomisch richtig ausführe. Daniela Zehnder ist für mich die beste Physiotherapeutin, die es gibt. Sie hat ein sehr gutes Auge, gute Hände, und merkt sofort, was getan werden muss. Sie bringt viel Wissen und gleichzeitig viel Einfühlungsvermögen mit - eine tolle Kombination, die ich so noch nie angetroffen habe.

Wie wenden Sie die «Spiraldynamik» im Alltag an?

Ich versuche die Bewegungen, die wir in der Therapiestunde eingeübt haben, in mein alltägliches Bewegungsmuster einzubauen. Zum Beispiel laufe ich oft bewusst langsam, damit ich mich korrigieren kann. Beim wöchentlichen Vitaparcours baue ich an jedem Posten Übungen der «Spiraldynamik» mit ein. Oder ich gleiche mit der «Gegenspirale» aus, wenn ich aufs Tram warte. Das ist notwendig, weil man mit der Skoliose immer genau das Falsche macht. Ich habe wenig Zeit jeden Tag Übungen zu machen, deshalb ist diese Therapieform für mich ideal.

Neben Ihren regelmässigen Therapiestunden möchten Sie die «Spiraldynamik» auch in Ihrem Beruf einsetzen. Welche Idee verfolgen Sie?

Ich habe eine neue berufliche Herausforderung angenommen: Auf den Schulstart am 20. August 2018 eröffne ich zusammen mit einem kompetenten Team eine neue Schule. Dort fungiere ich als pädagogische Schulleiterin und werde auch selber wieder unterrichten. Uns ist es wichtig, an der Schule alle Disziplinen, die sich mit der nachwachsenden Generation beschäftigen, einzubeziehen: Pädagogik, Psychologie sowie die Kinder- und Jugendmedizin.

Für mich als Selbstbetroffene ist naheliegend, Bewegung schon in frühen Jahren zu fördern. Deshalb beginne ich im März bei der Spiraldynamik® den Grundkurs «Basic Move» für Pädagoginnen. So kann ich das Gelernte später auch im Unterricht mit den Kindern anwenden. Ich freue mich darauf, auch in meinem Berufsalltag wieder vermehrt „in Bewegung“ zu kommen.

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Zum Projekt:
Die Tagesschule entstand auf Initiative von Monica Giedion-Risch, Gründerin der «Stiftung für das Kind». Zusätzlich gibt es eine Akademie und ein Beratungszentrum. Ziel dieser drei Projekte ist es, in der Gesellschaft ein tiefes Verständnis für die kindliche Entwicklung zu schaffen.

 

  1. Das Interview führte Marinella Jenal
  2. 1. Januar 2018