Spiraldynamik® Therapie: Geierhals & Co

Spiraldynamik® Therapie: Geierhals & Co

MEDIZIN | Dieser wenig schmeichelhafte aber bildhafte Ausdruck beschreibt eine funktionelle Fehlhaltung von Kopf, Hals- und Brustwirbelsäule, die zu Überlastung, Beschwerden und Abnützung führt.

Fehlhaltung Geierhals
Was für den Geier eine Funktionsnotwendigkeit  darstellt- die Form folgt bekanntlich der Funktion -, ist beim Menschen eine Haltungsanomalie. Mit anderen Worten: Kopf und Körper befinden sich nicht in einer idealen Lage, sind aus dem Lot geratenen. Und einmal der Schwerkraft überlassen, kommt es zu einer Negativspirale: Der menschliche Kopf wiegt zirka fünf Kilogramm, die Halswirbelsäule muss ein beträchtliches Gewicht balancieren. Die Halswirbelsäule wird von zahlreichen Muskeln stabilisiert und in der Schwerkraft ausgerichtet.

Sind diese Muskeln schlaff, fehlt diese dynamische Haltearbeit der Muskeln, unsere ganze Gestalt "hängt" gewissermassen an den Knochen. Der Mensch sackt in sich zusammen: Rundrücken, Hohlnacken, Vorverlagerung des Kopfes und eben der berühmte "Geierhals" sind die typischen Folgen. Mit erheblichen negativen Konsequenzen: Wache Augen beispielsweise suchen unwillkürlich immer wieder den Blick zum Horizont, wodurch die Halswirbelsäule noch mehr  in eine übertriebene "Lordose" (Hohlnacken) gezwungen wird, sich die Muskeln im Nacken verspannen und die Durchblutung des Rückenmarks beeinträchtigt wird.

Lordose_Kyphose

So entstehen Beschwerden
Der menschliche Körper besteht aus einem Bewegungssystem mit Knochen, Gelenken, Bändern und Muskeln einerseits und aus den inneren Organen andererseits. Für beide Dimensionen - Bewegungsablauf und Organfunktionen gibt es ideale und weniger günstige Stellungen und Haltungen. Die Kopfgelenke zum Beispiel ermöglichen eine sehr feine Abstufung der Bewegungen des Kopfes. Durch Kombinationen der Nickbewegungen im oberen Kopfgelenk und Drehbewegungen im unteren Kopfgelenk sind schnelle und präzise Kopfbewegungen in fast alle Richtungen des Raums möglich.

Kopfgelenke

Das Rückenmark, Nerven, Blut- und Lymphbahnen laufen durch vorgeformten Öffnungen und durch enge  Kanäle durch den Knochen hindurch. Solche Öffnungen finden sich zahlreich an der Schädelbasis und seitlich an der Halswirbelsäule, um hier den Wirbel-Schlagadern einen geschützten Zugang zum Gehirn zu gewährleisten . Der Durchfluss von Blut und Energie ist in bestimmten Stellungen optimal und wird in Extremstellungen stark beengt oder gar unterbunden. Ausserdem beeinträchtigt eine geknickte Nackenhaltung die Leitfähigkeit des Rückenmarks und den Zustrom von Sauerstoff in die Lunge.

Kopfhaltung

Das "Stoamandl"-Prinzip
"Steinmännchen" funktionieren nur, wenn sich die Steine übereinander im Lot befinden. Der balancierte Zustand ist harmonisch , die aufgewendete Energie minimal, die Statik wird "effizient". Ein Körper im Ungleichgewicht muss ein hohes Mass an Energie aufwenden, um nicht völlig aus dem Lot zu geraten.

Jene Muskelgruppen, die den Kopf bewegen und an den Bewegungen der Schultern beteiligt sind, werden zu permanenter und ineffizienter Haltearbeit gezwungen und so hoffnungslos überstrapaziert.

Soviel zu den "mechanischen Vorgängen" im Nacken. Jetzt wird's erst richtig spannend! Der Anblick eines in sich zusammengesunkenen Körpers signalisiert Unterwürfigkeit, niedriges Selbstvertrauen, Passivität, Pessimismus und Zurückhaltung. Körpersprache ist immer am Werk - ob positiv oder negativ - und sendet fortwährend "Nachrichten" an Umwelt und Mitmenschen, die bewusst oder unbewusst wahrgenommen und interpretiert werden.

Aber es geht noch weiter: Ihre Körperhaltung beeinflusst Ihre eigene Psyche! Das liegt ganz einfach daran, dass Ihr Gehirn über die verschiedenen Spannungszustände von Muskeln und Gelenken jederzeit aufs Genauste  informiert ist. Ein gesenkter Blick sendet andere Signale an das Gehirn als ein aufrechter Blick und eine aufrechte Haltung. Eine offen-expansive Körperhaltung lässt den Testosteronspiegel im Blut ansteigen. Dadurch spüren wir mehr Mut und Willenskraft und strahlen dies auch aus.

Achtsamkeit, Bewusstheit, Charisma
Im Erkennen eines Problems liegt der erste Schritt zur Lösung. Je nachdem, wie lange eine Fehlhaltung bestanden hat, haben sich durch die Zwangshaltung bereits Muskeln und Bindegewebe so verkürzt beziehungsweise überdehnt, dass sich sogar die Form der Knochen der Fehlhaltung angepasst hat und das Einnehmen einer aufrechten Haltung aus dem Stegreif heraus gar nicht mehr möglich ist. Deshalb sind therapeutische Ansätze zur gezielten Kräftigung, Dehnung und Entspannung nötig, zudem bedarf es einer bestimmen inneren Achtsamkeit, um sich die Fehlhaltung im Alltag bewusst zu machen. Achtsamkeit und Bewusstheit können chronischen Fehlhaltungen entgegenwirken. Und an dieser Stelle schliesst sich der Kreis: Unsere äusserliche Körperhaltung spiegelt unsere innere Geisteshaltung mit der wir der ganzen Welt - und viel wichtiger - uns selbst sagen: "Ich vertraue mir. Ich verdiene es hier und jetzt aufrecht zu sein. Was kostet die Welt, ich will es wissen!"

Dr. med Nina Kübler
1. November 2013