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Rundrücken: Wolf im Schafspelz

Spiraldynamik® Therapie: Früherkennung des Rundrückens

MEDIZIN| Spiraldynamik® Therapie: Früherkennung des Rundrückens, Übungen für den Alltag. Spiraldynamik® Therapie Rundrücken in drei Schritten.

Der Rundrücken ist die häufigste Deformierung der Wirbelsäule, so häufig dass er schon fast als normal gilt. Was beim Jugendlichen noch cool aussehen mag entpuppt sich beim Erwachsenen als echter Problemfall für Nacken, Rücken und Kreuz: Der Kopf rutscht nach vorne und kippt in den Nacken, was zu Muskelverspannungen und Verschleiß im Nacken führt. Damit nicht genug: Hörsinn, Gleichgewichtsorgan und Blickachse kippen gleich mit und stehen nicht mehr im Lot - Augenprobleme und Tinnitus können die Folgen sein. Der Rundrücken selbst ist fast immer steif, was zu Muskelverspannungen führt. Mit fortschreitendem Alter kommt es gehäuft zu Osteoporose Frakturen der Wirbelkörper. Hier gilt: Je runder der Rundrücken desto leichter brechen die Wirbelkörper ein und werden so zu Keilwirbeln verformt. Und die vielleicht häufigste negative Auswirkung des steifen Rundrückens: Kreuzschmerzen! Alle Drehbewegungen - egal ob Laufsport, Tennis oder Golf - werden nach unten ins Kreuz verlagert und führen dort zu Verschleiß und Schmerz.

Das Problem: rund, steif und angeblich "banal"
Im Profil betrachtet ist die Wirbelsäule des Menschen doppelt S-förmig gebogen. Im Bereich der Hals- und der Lendenwirbelsäule bestehen Einwärtskrümmungen (Lordose), im Bereich der Brustwirbelsäule und angedeutet im Bereich des Kreuzbeins ist es genau umgekehrt, die Wirbelsäule ist nach hinten geschwungen (Kyphose). Ist die Rückwärtskrümmung der Brustwirbelsäule zu stark ausgeprägt, spricht man von einer Hyperkyphose - dem typischen Rundrücken. Es gibt häufige und seltene Ursachen: Am häufigsten ist der Rundrücken "haltungsbedingt" - kein medizinisches Problem, vielmehr ein Ungleichgewicht zwischen Bauch- und Rückenmuskulatur - schlechte Haltung eben. Seltener sind vererbliche Krankheiten wie beispielsweise der Morbus Scheuermann bei Jugendlichen oder rheumatisch-entzündliche Erkrankungen wie zum Beispiel der Morbus Bechterew. Hinzu kommen durch Osteoporose oder durch Unfälle bedingte Wirbelkörperbrüche die zu einem Rundrücken führen. In allen Fällen ist das Problem die „ungünstige“ Belastung von Bandscheiben und Wirbelkörpern. Im schlimmsten Fall kommt es zur Abnutzung der Bandscheiben oder zu weiteren Wirbelkörper Vorderkanteneinbrüchen. Durch die zunehmende Verkrümmung entsteht eine wachsende Dysbalance der Haltemuskulatur, das Aufrichten gegen die Schwerkraft kostet mehr Kraft, Muskel und Mensch ermüden schneller, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden sinken in den Keller.

Beschwerden: Verspannung , Verschleiß und Verluste
Die Fehlhaltung verursacht Schmerzen. Diese werden durch die massiv überdehnte und überlastete Rückenmuskulatur ausgelöst. Ein verspannter Muskel wird schlecht durchblutet. Hinzu kommen situativ Verspannungen der Nackenmuskulatur, Kopfschmerzen oder ein vorderer Schulterschmerz - um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und so funktioniert der Zusammenhang zwischen Rundrücken und Schulterschmerz: Durch die stark gekrümmte und unbewegliche Brustwirbelsäule geht die Gelenkszentrierung des Schultergelenks verloren, es kommt zur Platznot unter dem Schulterdach und schließlich zu schmerzhaften Schleimbeutelentzündungen im Schultergelenk, dem so genannten Schulterimpingement, das Schultergelenk verliert seine Beweglichkeit. Nimmt die Kyphose im Verlaufe des Lebens zu, so kommt es zu vorzeitigen Abnutzungen der Bandscheiben, bei Osteoporose zu Einbrüchen der Wirbelkörper, zum „Witwenbuckel“ wie er in der Schulmedizin uncharmant genannt wird. In Extremfällen kann es gar zum „Abknicken“ des Rückenmarks innerhalb des Wirbelkanals kommen, mit Taubheitsgefühl oder Kribbeln in beiden Beinen, es können gar Funktionsstörungen der Blase und des Enddarms auftreten.

Fachärztliche Abklärungen: Struktur und Funktion
Wegweisend für die Diagnostik sind Vorgeschichte, Vorerkrankungen, Unfallereignisse, erbliche Komponenten und - ganz entscheidend - die orthopädische Untersuchung durch den Arzt. Um häufige von seltenen Ursachen sicher unterscheiden zu können, sind situativ zwei Zusatzuntersuchungen sinnvoll. Erstens: Röntgenbild oder MRI ermöglichen die Diagnose struktureller Veränderungen wie Frakturen, Tumoren oder Missbildungen. Zweitens: Die funktionelle Vermessung der Wirbelsäulenform und ihrer Beweglichkeit zeigt, wie beweglich die Wirbelsäule und die einzelnen Bandscheiben sind. Die Ärzte der Med Center Basel, Bern und Zürich verfügen mit über 10'000  "Medimouse" Rückenmessungen über ein schweizweit einzigartiges Erfahrungswissen. Erst die Kenntnis von Struktur und Funktion ermöglichen eine echte Diagnostik und eine darauf basierende Therapie des Rundrückens. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Brandstifter ist nicht immer dort wo es brennt! Oft liegen die Ursachen von Rückenschmerzen nicht dort wo es weh tut. Die vielleicht häufigste Situation sieht so aus: Ein Patient leidet an Kreuzschmerzen, das Röntgenbild zeigt dort vermehrte Abnutzungen; Die Ursache aber liegt weiter oben, im unbeweglichen Rundrücken, und dort ist das Röntgenbild normal.
Kurzum: Im Zweifelsfalle früh zum Facharzt. Wer vermehrt unter Beschwerden leidet oder eine Zunahme des bestehenden Rundrückens bemerkt, ist gut beraten, frühzeitig eine fachärztliche Abklärung durchführen zu lassen.

Operation: Kyphoplastie und  Aufrichtung
Bei einer zunehmenden Rundrückenbildung aufgrund von Wirbelkörperbrüchen - speziell bei Osteoporose - kann es sinnvoll sein, den keilförmig zusammengebrochenen Wirbelkörper mittels eines durch ein Röhrchen geführten Ballon wieder aufzurichten und die entstandene „Knochenhöhle“ mit Zement aufzufüllen. In der Fachsprache heißen diese Eingriffe "Ballonkyphoplastie" beziehungsweise "Vertebroplastie". Es handelt sich hierbei um Verfahren, die – wie bei zahnärztlichen Eingriffen –  in lokaler Betäubung oder in einer Kurznarkose erfolgen können. Die Risiken der Narkose sind gering, das chirurgische Verfahren schonend, in der Regel kann der Patient bereits am Operationstag aufstehen, die Hospitalisation dauert 1-3 Tage.

Bei starkem, langstreckigem und zunehmendem Rundrücken mit Einschränkung der Lungenfunktion und dem Verlust der Aufrichtung stehen größere chirurgische Eingriffe  zur Diskussion. Hierbei kann die so genannte Spondylodese, die Aufrichtung und Versteifung des betroffenen Wirbelsäulenabschnittes, zum Einsatz kommen. Ziel ist hierbei, eine dauerhafte Aufrichtung der Wirbelsäule und so das einwandfreie Funktionieren der inneren Organe zu gewährleisten. Dabei ist der Verlust von Beuge-, Streck- und Drehfähigkeit der Brustwirbelsäule unumgänglich. Wesentlich eleganter aber noch weniger erprobt sind künstliche Bandscheiben und dynamische Stabilisationen, welche die natürliche Beweglichkeit der Wirbelsäule erhalten.

Nach dorsaler Spondylodese der LWS

Spiraldynamik® Therapie Rundrücken in drei Schritten

Erstens: Die Aufrichtung beginnt im Kopf
Erster Schritt: Ein neues Körperbewußtsein, entdecken und neu lernen! Egal ob der Rundrücken angewöhnt oder angeboren ist, das Ziel ist und bleibt die Aufrichtung der Wirbelsäule im Alltag. Und der erste Schritt beginnt im Kopf. Die Wirbelsäule ist eine Säule, welche für die Stabilität sorgt, gleichzeitig aber auch "wirbeln" muss. Dies gilt vor allem für die Brustwirbelsäule: Ihre Drehfreudigkeit ist so bemerkenswert wie oft verkannt. Im Durchschnitt rotiert die Brustwirbelsäule noch knapp 20 Grad, wären doch 60 Grad  und mehr möglich.

Zweitens: Die Drehung ist der Schlüssel
Wechselseitiges Öffnen und Schließen der linken und rechten Brustkorbseite entspricht den natürlichen Bewegungen des Brustkorbes beim Gehen und Laufen. Die Rumpfmuskulatur ist doppelt schräg angelegt - gebaut für Links-rechts Drehbewegungen während der Fortbewegung auf zwei Beinen. Und so funktioniert es im Detail. Die 3D-Öffnung findet auf der Standbeinseite statt, die oberen Rippen bewegen sich nach vorne-oben, und die unteren Rippen folgen dem Becken nach hinten-unten; So streckt sich die ganze Körperhälfte, Kraft kann optimal übertragen werden. Das 3D-Schließen findet auf der Spielbeinseite statt, die Rippen schließen sich lamellenförmig. Zugegeben, das Erspüren der spiraligen Verschraubung im Brustkorb ist nicht ganz einfach, aber: Einmal gelernt ist sie immer anwendbar. Ziel ist die Automatisierung der spiraligen Links-Rechts-Verschraubung von Wirbelsäule und Brustkorb beim Gehen.

Von einem beweglichen Brustkorb profitiert auch die Atmung. Es ist ein dynamisches Zusammenspiel von Brustkorb und Atmung: Bewegung führt - Atmung folgt! Die Atembewegungen sind perfekt in die Dynamik des Laufens integriert. Sich "richtig bewegen" bedeutet automatisch "richtig atmen". Im Detail: Rechter und linker Lungenflügel wechseln sich ab: Mal Standbein, die Rippen öffnen sich und schaffen Platz für maximale Atemtiefe... mal Spielbein, die Rippen schließen sich lamellenartig.

Drittens: Aufrecht!
Jetzt kommt die Krönung: Es gilt die Schwerkraft zu nutzen, statt sie zu fürchten und sich von ihr nach unten ziehen zu lassen. Die Aufrichtung des Rundrückens kann nur im Zusammenhang mir der Aufrichtung der gesamten Wirbelsäule erfolgen. Das "globale Langstrecken" der Wirbelsäule funktioniert über die beiden Pole Kopf und Becken. Weg vom Hohlkreuz und weg vom Hohlnacken, das gibt dynamischen Längszug auf den Rundrücken - Schritt für Schritt. Ja nicht in der aufgerichteten Position erstarren! Entscheidend ist: Das eigene Lot finden, der Kopf schwebt nach hinten-oben, die Sitzbeinhöcker nach unten, Kreuz und Nacken langgestreckt, schwingende Brustwirbelsäule, fließender Atem... Ein neues Lebensgefühl: Aufrecht!

Theres Binggeli | Dr. med. Christian Gauss
1. Juli 2013