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Hüftgelenkarthrose – Kugelgelenk im Dauereinsatz

Spiraldynamik® Therapie: Hueftarthrose

medizin | Spiraldynamik® Therapie: Stoßdämpfung im Fuß, wandernde Belastungszonen im Hüftgelenk

Die Hüftgelenkarthrose ­ist seit Jahrzehnten die unbestrittene Nummer eins aller Arthrosen. Neben genetischen Faktoren spielt der Gebrauch eine entscheidende Rolle: Bewegungsmangel und flache harte Böden machen aus dem stolzen Kugelgelenk ein eindimensional fehlbelastetes Scharniergelenk – zum Leidwesen des empfindlichen Knorpels. „Spiraldynamik“ bietet konkrete Möglichkeiten, bei manifester Hüftarthrose Zeit zu gewinnen: Wer 57-jährig die Operation und das Kunstgelenk um fünf oder zehn Jahre hinausschiebt, erspart sich mit 75 Jahren den Prothesenwechsel.

Koxarthrose: Kunstgelenk als neue Norm?
Das Hüftgelenk nimmt seit Jahren den Spitzenplatz unter den Arthrose Erkrankungen ein. In der kleinen Schweiz werden über Zehntausend künstliche Hüftgelenke pro Jahr eingesetzt. Tendenz steigend. Alter, Übergewicht plus Fehlbelastung sind Gift für den empfindlichen Gelenkknorpel, dieser schmilzt wie Schnee an der Sonne: Zunächst wird der Knorpel weich, dann plötzlich ist er weg. Knochen reibt auf Knochen, Schmerz und Unbeweglichkeit zwingen den Menschen zum künstlichen Gelenkersatz. „Spiraldynamik“ zeigt neue Therapie- und Selbsthilfemöglichkeiten bei manifester Hüftgelenkarthrose auf. Konkret geht es darum, die ursprüngliche 3-D Belastung bestmöglich wieder herzustellen: 

  • Wandernde Belastungszonen im Hüftgelenk verteilen die Belastung
  • Vermeidung mechanischer Konflikte zwischen Kugelkopf und Hüftpfanne
  • Anatomisch richtige Beinachsen optimieren die Kräfteübertragung
  • Verbesserte Stossdämpfung in den Füssen verringert die Schockwellen.

Risikofaktoren: Genetik, Gewicht und Gebrauch
Die Risikofaktoren Genetik, Übergewicht und Fehlgebrauch sind die wichtigsten. Genetische Faktoren gelten heute (noch) als unveränderbar während Körpergewicht, Bewegungsmangel und Fehlbelastung veränderbar sind. Neben den Risikofaktoren sind heute bestimmte Vorstufen der Hüftarthrose bekannt: Beim so genannten Hüftimpingement handelt es sich um einen mechanischen Engpass zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne. Das Fachwort lautet: Femuro-azetabuläres Impingement oder kurz FAI. Mehr zu den Vorstufen der Hüftarthrose unter

Beschwerden: „Gehzeit“ und „Giving Way“
Diese Merkmale sind typisch für die Hüftarthrose: Anlaufschmerz am Morgen oder nach längerem Sitzen, Verlust an Beweglichkeit beispielsweise beim Schuhbinden oder im Schneidersitz, Verkürzung der maximal möglichen Gehzeit –   die Spaziergänge werden kürzer und kürzer –  sowie das plötzliche von einschießenden Schmerzen begleitete Einsacken im Hüftgelenk, was auf Neudeutsch als „Giving Way“ bezeichnet wird.

Das Ausmaß der Arthrose entspricht oft nicht dem Ausmaß der Beschwerden! Radiologisch geringfügige Arthrosen können erheblich Beschwerden bereiten, fortgeschrittene Arthrosen ohne Schmerzen sind keine Seltenheit. Entscheidend für die Beschwerden ist meist das Ausmaß der Entzündung im Gelenk. Und dieses wiederum hängt ab von der mechanisch richtigen Belastung, von der Ernährung, vom Stoffwechseltyp und von der individuellen Entzündungsneigung der betroffenen Person.

Diagnose: Klinik und Röntgenbild
Die Diagnose der Hüftgelenkarthrose kann aufgrund der typischen Beschwerden und der klinischen Befunde gestellt werden. Das Röntgenbild sichert die Diagnose: Der Gelenkspalt ist verschmälert, der Knochen unter dem Knorpel ist verdickt und versucht den überlasteten Knorpel zu unterfüttern. Am Gelenkrand versucht  der Knochen das Gelenk zu stabilisieren und bildet Randzacken – so genannte Osteophyten. Obschon die Diagnose der Hüftarthrose einfach ist, bereitet die Differenzierung der Schmerzen oft Schwierigkeiten. Bestehen parallel zur Hüftarthrose Abnützungen in der unteren Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in Gesäß und Leiste ist die Verortung der Schmerzen schwierig. "Kommen die Schmerzen vom Hüftgelenk oder vom unteren Rücken?" – lautet die entscheidende Frage. In diesen Fällen empfiehlt es sich, vor einer Operation eine „diagnostische Infiltration“ des Hüftgelenks und/oder der Lendenwirbelsäule durchzuführen. Sonst kann es vorkommen, dass nach dem Einsetzten eines künstlichen Hüftgelenks die (ausstrahlenden Rücken-) Schmerzen unverändert fortbestehen.

Operation: Indikation und Langzeit-Perspektive
Der künstliche Gelenkersatz im Hüftgelenk ist heute ein Routineeingriff. Im Gegensatz zu anderen, selteneren Eingriffen gibt es in der Hüft-Endoprothetik viele chirurgisch tätige Orthopäden, die diesen Eingriff perfekt beherrschen. Das erleichtert die Entscheidung, welchem Chirurgen sich der Patient bei Bedarf anvertrauen möchte. Wichtig ist der Zeitpunkt. Der künstliche Gelenkersatz ist an drei Bedingungen geknüpft:

  • Es müssen entsprechende und erhebliche Beschwerden vorhanden sein
  • Die Diagnose muss gesichert sein
  • Der Rücken wurde als Schmerzursache ausgeschlossen
  • Fehlbelastungen wurden erkannt und korrigiert
  • Die Entzündungsneigung wurde mit Medikamenten, Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion im Rahmen des Möglichen reduziert

Bestehen trotz dieser Maßnahmen während 3-6 Monaten erhebliche Hüftschmerzen und Einschränkungen, ist der Kunstgelenkersatz die Therapie der Wahl. Bezüglich der Frage „Welche Prothese und welche Technik sind am besten?“ gilt die Erfahrungsregel: Jeder Chirurg wird die Technik vorschlagen, die er beherrscht und die am sinnvollsten erscheint. Und das ist gut so.

Spiraldynamik® Therapie: Hüftarthrose
Vor der Therapie steht die funktionelle Diagnostik: Besteht ein Beckenschiefstand? Ist dieser durch eine Verdrehung der Lendenwirbelsäule oder durch eine echte Beinlängendifferenz bedingt? Kommt eine 3-D Torsion des Beckens hinzu? Ist das Becken funktionell stabil oder fällt es auf der Spielbeinseite ab? Wie funktionieren Hüft- und Beckenbodenmuskulatur? Wie sieht es mit den Beinachsen aus? Was machen Becken, Beinachsen und Füße beim Gehen? Alles relevante Fragen, die richtig kombiniert ein schlüssiges Gesamtbild ergeben und vorhandenes Therapiepotenzial gezielt erschließen.

1. Wandernde Knorpel-Belastungszonen
Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk und will als solches zum täglichen Einsatz kommen. Früher, während Jahrmillionen, ging es jeden Tag zwanzig und mehr Kilometer über Stock und Stein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es noch zehn Kilometer auf unebenen Böden. Heute sind es noch 500 Meter und – egal ob Asphalt, Parkett, Wollteppich oder englischer Rasen – alles irgendwo zwischen ultraflach und topfeben. Für ein Kugelgelenk todlangweilig: Statt dreidimensionaler Bewegungsvielfalt und wandernden Belastungszonen steht repetitiver Stress immer der gleichen Knorpelareale im Vordergrund. Die rollende Knorpelkugel im Hüftgelenk hat ihr tänzerische Eleganz endgültig verloren und ist zu einer verbeulten Knochenkugel verkommen, auf die 500 Mal pro Tag an exakt der gleichen Stelle drauf gehauen wird. Kein Wunder gibt der Knorpel verzweifelt und vorzeitig auf.

Im Hinblick auf Prävention und Therapie der Hüftarthrose gilt: Asphalt, Beton und Parkett lassen sich heute nicht mehr durch Naturböden ersetzen, also drehen wir den Spieß um und bewegen das Becken so, als gäbe es unebene Böden. Mit anderen Worten: Die Knochenkugel hat das „Tanzen“ zwangsverlernt, aber das Becken kann heute wie damals uneingeschränkt um den Kugelkopf herum tanzen und so die Bewegungsvielfalt im Hüftgelenk erhalten. Das anatomisch richtige Gehen ist die perfekte Übung für den modernen Alltag: Das Becken tanzt beim Gehen auf zwei Beinen abwechslungsweise seitlich rauf und runter, dreht sich im Schrittrhythmus nach links und nach rechts und wippt dabei leicht vor und zurück. Linke und rechte Beckenschaufel bewegen sich im Wechselrhythmus spiralförmig um den Hüftgelenkkopf herum. So entstehen beim Gehen rollende Achterbewegungen des Beckens mit wandernden Hauptbelastungszonen im Hüftgelenk. Genau darauf kommt es bei der manifesten Hüftarthrose an: Noch intakte Knorpelbereich gilt es durch natürliche Bewegungen mehr zu belasten um die überstrapazierten Areale gezielt zu entlasten.

2. Konfliktvermeidung zwischen Kopf und Pfanne
Hüftkopf und Pfanne weisen mitunter ungünstige Formen und Verhältnisse auf, die zum wiederholten Anschlagen des Oberschenkelhalsknochens am Hüftpfannenrand führen. Dabei kann der Kugelkopf asphärisch verformt sein bis er nicht mehr richtig in die Pfanne passt. Ist die Pfanne zu tief oder der Schenkelhals durch Knochenauflagerungen verdickt, kommt vor allem bei starken Beugebewegungen zum mechanischen Konflikt. Diesen gilt es bei Frühformen präventiv und bei manifester Hüftarthrose therapeutisch konsequent zu vermeiden.

3. Anatomisch richtige Beinachsen
Wer mit nach innen rotierten X-Beinen durch die City bummelt oder mit nach aussen rotierten O-Beinen durch die Wälder joggt, darf sich nicht wundern, wenn Knie- und Hüftgelenke unter den Folgen chronischer Fehlbelastung leiden. Egal ob Teleskop-Feder, Stützpfeiler oder einfache Zeltstange: Gerade muss sie sein, die Achse. Jeder Achsenknick wird früher oder später zum Problem – wenn nicht gar gefährlich. Das „Gesetz der geraden Achsen“ gilt für Technik wie Biologie. Nur bietet die Biologie mehr Möglichkeiten, über Bewusstsein und Bewegung gezielten Einfluss auf die Achsenfehlstellung zu nehmen: Bei X-Beinen kommt den Hüftaussenrotatoren entscheidende Bedeutung bei der funktionellen Achsenkorrektur zu, bei den O-Beinen ist es das Abrollen über die Großzehe dank aktiver Verschraubung im Mittelfuss.

4. Hi-Tech Stossdämpfer Fuss
Die Vorfüße sind exzellente Stossdämpfer für die Hüftgelenke. Der Zusammenhang mag auf den ersten Blick überraschen, ist auf den zweiten Blick aber schon fast logisch. Beim Gehen entstehen nachweislich Schockwellen, die mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Knie- und Hüftgelenk wandern. Ohne Stossdämpfung prallt die Schockwellenenergie  ungebremst auf den empfindlichen Knorpel der Knie- und Hüftgelenke. Den Rest können Sie sich bildlich vorstellen. Genau aus diesem Grund – so könnte man annehmen – hat die Schuhindustrie stossdämpfende Schuhe erfunden. Irrtum! Das Gegenteil ist wahr: Gut dämpfende Schuhe bewirken einen härteren Aufprall des Fußes am Boden. Das Gehirn will ohne Kompromisse wissen, wo der Boden ist. Dafür braucht  es einen konstant-verlässlichen sensorischen Input. Das Gehirn übersteuert so jede vorhandene oder nicht vorhandene Stossdämpfung und erzwingt die „gewohnte Aufprallenergie am Boden“. Wer barfuss über Beton joggt, wird dies mit Samtpfoten tun. Wer barfuss über einen weichen Moosteppich läuft, wird auf den Samtpfoten-Gang verzichten und die Füße ungebremst ins grüne Vergnügen rammen. Kurzum: Schuhe können die Stossdämpfung nur bedingt beeinflussen, entscheidend sind die Füße. Hier kommt das Spiraldynamik® Fuß Übungsprogramm für Hüftarthrose Patienten zum Einsatz: Die Vorfußmuskulatur wird systematisch auftrainiert, mit anschließendem Transfer ins alltägliche Gehen und Laufen.

Prognose: Zeitgewinn und Langzeitprognose
Durch Optimierung der Belastung lassen sich die Schmerzen reduzieren, die Beweglichkeit erhalten und so die Lebensqualität signifikant verbessern. Rückgängig gemacht werden kann die Arthrose nicht. Stabilisieren und das Verhindern eines raschen Fortschreitens sind realistische Ziele, wertvolle Zeit zu gewinnen. Fünf oder zehn oder gar zwanzig Jahre nach Diagnosestellung sind keine Seltenheit. Mit dieser Strategie erübrigt sich in vielen Fällen der spätere Prothesenwechsel im fortgeschrittenen Seniorenalter – unter dem Strich eine lohnenswerte Perspektive für den Aufwand, der betrieben werden muss, die anatomisch richtigen Bewegungsabläufe zu lernen und zu verinnerlichen.

Christian Larsen
1. Mai 2013