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Epigenetik: Die Macht der Gene ist gebrochen

Spiraldynamik: Klaviertastatur

Medizin
Herzlichen Glückwunsch: Sie wurden offiziell zum Co-Autor Ihres genetischen Skripts ernannt. Durch Ihr Verhalten und Ihr Erleben können Sie nachhaltig Einfluss auf Ihre Gene nehmen – im positiven wie im negativen Sinn.

Die Macht der Vererbung liegt in den Genen. 1990 wurde das Human Genome Project lanciert: tausend Wissenschaftler aus fünfzig Ländern auf der Suche nach der Sprache des Lebens. 2005 war es soweit: Die gesamte genetische Information des Menschen war ausbuchstabiert, Gentests und Gentherapie für Herzinfarkt, Krebs und AIDS schienen in Reichweite. Der Euphorie folgte die Ernüchterung: Die Übersetzung des Codes in Eiweiß Moleküle erwies sich als viel komplexer als ursprünglich angenommen.

Der Piano-Effekt

Die Gene können mit den Tasten eines Klaviers verglichen werden: Der DNA Strang ist das Klavier, die Gene die Tasten und Sie der Pianist. Jede Taste steht genau für einen Ton. Wann aber welche Tastenkombination wie oft gespielt wird, bestimmt der Pianist – nicht das Klavier! Jeder ist sein eigener Pianist und bespielt non-stopp die DNA-Klaviatur seiner Gene. Mit anderen Worten: Verhalten, Erleben und Umwelt verändern auf Dauer die menschliche DNA. Diese erworbenen Eigenschaften werden an die Nachkommen weitervererbt. Die genetischen Veränderungen durch Alkoholmissbrauch beispielsweise lassen sich über mehrere Generationen hinweg nachweisen.

Die Macht der Gene hat Grenzen

Einem Forscherteam der Universität Zürich und der ETH Zürich unter Leitung der Neurowissenschaftlerin Isabelle Mansuy gelang nach acht Jahren tierexperimenteller Studien der Nachweis: Traumatisierender Stress in jungen Jahren – etwa durch Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch – wird an die folgenden Generationen weitervererbt, das Methylierungsprofil der Gene (der chemische Austausch des Gens auf ein anderes) wird dauerhaft verändert. Die Resultate seien auf den Menschen übertragbar. Auf den zweiten Blick schon fast logisch: Warum sollte menschliches Verhalten und Erleben keinen Einfluss auf die Erbsubstanz haben? Der wissenschaftliche Beweis jedenfalls lässt an Deutlichkeit und Tragweite nichts zu wünschen übrig: Die Macht der Gene ist gebrochen! Der Mensch wird zum Co-Autor seines eigenen genetischen Codes befördert – im positiven wie im negativen Sinne.

Prävention auf dem Weg zur Maßkonfektion

Davon lässt sich potenzieller gesundheitlicher Nutzen ableiten:

  • Durch Ihr Verhalten und Ihr Erleben können Sie signifikant dazu beitragen, ob ein genetisches Krankheitsrisiko zum Problem wird oder sich zeitlebens stillhält
  • In jungen Jahren lohnt sich der Einsatz doppelt: Sie selbst profitieren und Ihre Nachkommen gleich mit.

Die Erstellung (epi-) genetischer Risikoprofile zeichnet sich am Horizont ab, was den Weg zur gezielten individuellen Prävention ebnet, gerade auch im orthopädischen Bereich. Als Fachleiter für Innovation und Forschung möchte ich dieses Thema zu einem Forschungsschwerpunkt der Spiraldynamik ausbauen. Bis dahin gilt die Faustregel: Familienanamnese plus Verhaltensprävention! Kommen beispielsweise Hüft- und Kniearthrose gehäuft in der Familie vor, sind Körpergewichtsmanagement, gesunde Ernährung und anatomisch richtige Belastung entscheidend. Das Spiraldynamik-Konzept gewährleistet diese umfassende Beratung und wird an den Med Centern in Bern, Basel und Zürich konsequent umgesetzt.

Dr. med. Christian Larsen
28.August 2010