Benita Cantieni: Arbeiten am Zukunftskörper der Menschheit

Spiraldynamik News Archiv Portrait | Sie war Chefredakteurin bei Annabelle, Dozentin an der Ringier Journalistenschule und entwickelte in Deutschland das Magazin Shape, das sie als Chefredakteurin zum Erfolg führte. Soeben kommt ihr 13. Buch New Faceforming auf den Markt. Mit CANTIENICA® etabliert sie sich höchst innovativ im Gesundheitssektor.

PortrÄtsSie war Chefredakteurin bei Annabelle, Dozentin an der Ringier Journalistenschule und entwickelte in Deutschland das Magazin Shape, das sie als Chefredakteurin zum Erfolg führte. Soeben kommt ihr 13. Buch New Faceforming auf den Markt. Mit CANTIENICA® etabliert sie sich höchst innovativ im Gesundheitssektor.

Durch ihren Forschergeist entwickelte Benita Cantieni das Wellness-betonte Körperstraffungsprogramm Callanetics zum erprobten und erfolgreichen Gesundheitsprogramm, zur CANTIENICA®  - Methode für Körperform & Haltung. Dabei kennt sie nur einen Maßstab – die Wirkung an sich selbst und anderen: „Was nicht funktioniert, wird verworfen“. Ohne diesen praktischen Beweis glaubt sie rein gar nichts. Das irritiert Verfasser und Anwender von anatomischen Lehrbüchern oft ganz gewaltig. Sie kopiert nichts, geht allem auf den Grund.

Vom Journalismus in die Wellness: Wie kam es zu diesem Spagat?

Den Spagat kann ich mit 57 Jahren im Gegensatz zu früher tatsächlich. Mit Wellness hat meine Arbeit aber nichts zu tun, oder nichts mehr: Vor 15 Jahren stellte mich der Arzt vor die Wahl, bis auf weiteres Schmerzmittel zu schlucken oder zu operieren – Arthrose, Knochenfrakturen, Senk-Spreizfuss, Skoliose – ich war ein Wrack. Aber ich wollte nicht operieren und schon gar nicht schlucken. Also probierte ich alles aus, auch Callanetics.

Und es wirkte?

Ich fand den Grundgedanken der Selbstoptimierung bestechend. Wenn ich etwas tue, dann ziehe ich es durch – so ließ ich mich in Amerika ausbilden und war dann ziemlich schnell einzige International Senior Master Teacher für Callanetics. Ich verstand mich mit Callan Pinckney hervorragend. Ich wollte ihre Callanetics anatomisch sicher machen, denn einiges war physiologischer Mumpitz.

Heute lässt Cantienica in Sachen fachlicher Fundiertheit Callanetics blass aussehen. Warum machten Sie eine eigene Marke daraus?

Ich hätte gerne auf Callanetics aufgebaut. Ich wollte die Methode auch nicht blass aussehen lassen. Es passierte einfach: Das Aufbröseln der Bewegungsanatomie, die Freilegung der Knochen und Gelenke, die Vernetzung der gesamten Tiefenmuskulatur, das ist mein Ding. Ich bin durch und durch Forscherin, neugierig, frei von Glaubenssätzen, ungeduldig und unbequem für andere. Pionier sein ist immer eine einsame Angelegenheit.

Sie bilden Fachleute in der Cantienica-Methode aus. Aus welchen Sparten kommen die?

Ich habe seit der Gründung meiner Marke 1997 über 800 Leute ausgebildet: Physiotherapeuten, Hebammen, Osteopathen, Ärzte aller Couleurs. keine 5 Prozent kommen aus Well- oder Fitness. Dafür ist das ausgeklügelte und in dieser Sparte weltbeste Coaching ganz einfach zu anspruchsvoll.

Also eindeutig eine anatomisch-medizinische Ausrichtung?

Eindeutig.

Selbstoptimierung, Eigeninitiative – Themen der Zukunft. Ist die Cantienica-Methode etwas für die Krankenkassen?

Gegenfrage: Ist Gesundheitsvorsorge Aufgabe der Krankenkassen? Wenn Physios oder Hebammen meine Methode anbieten, zahlen die Kassen schon jetzt. Ich selbst bin bis jetzt nicht akzeptiert von den Kassen. Das ist eine seltsame Situation. Es ärgert mich natürlich, wenn Kurse, die objektiv gesehen nichts bringen, Zuschüsse erhalten während meine Methode leer ausgeht. Andererseits finde ich Prävention Privatsache: Wenn ich jetzt entscheide, meine Gesundheit in die eigenen Hände zu nehmen, habe ich im Alter auch den Nutzen. Außerdem hat es Nachteile, wenn eine Präventionsmethode als „medizinisches Heilmittel“, wie es in Deutschland genannt wird, akzeptiert wird.

Das ist edel, aber wenig lukrativ – mit Ihrem Perfektionismus schwimmen Sie ja nicht gerade im Geld…

Sobald Krankenkassen und Staat mitmischen und reinreden, verwässert das die Methode zwangsläufig. Das tue ich meinem „Juwel“ nicht an. Solange ich die Firma leite, möchte ich auch bestimmen, wie die Ausbildungen ablaufen. Ich konzentriere mich lieber auf die Zertifizierung als Managementsystem in der Erwachsenenbildung durch die Schweizer Prüfstelle EduQua.

Also kein Publicity-Schub über die Krankasse? Der Bekanntheitsgrad von Cantienica ist noch nicht derart hoch.

Das ist meist so mit den Propheten im eigenen Land. In Deutschland ist die Methode gut eingeführt. Die Bücher haben eine Gesamtauflage von rund einer Million. Von meinem ersten Beckenbodenbuch „Tiger Feeling“ gibt’s ungefähr 60 Imitationen!

Stört Sie das?

Nein, es ist normal: Gutes wird oft schlecht imitiert. Die Leute kriechen aber nicht so schnell auf den Leim: Wer wirklich will, findet zu meiner Methode. Wer die Kurse aus der eigenen Tasche bezahlt, hat zudem mehr Engagement und somit mehr Erfolg. Ganz im Sinn des Werbetextes „Weil ich es mir wert bin.“ Das ist auch für Cantienica perfekt, da erfolgreich.

Zurück zum Stichwort Bekanntheit: In Berlin ist ein ganzes Cantienica-Nest – in Zürich eher nicht.

In meinem Studio im Seefeld bieten wir 27 Lektionen pro Woche mit den 7 weltbesten Lehrerinnen an. Das reicht offenbar für little Zurich …

Sind die Berliner besonders helle oder stylish?

Die Berliner sind ausgesprochen aufgeschlossen, da werde ich auch an die tollsten Kongresse eingeladen. Stylish ist etwas ganz anderes: Wenn ich den Faktor „stylish“ ausnutzen würde, müsste ich möglichst schnell viele Ausbildungen für wenig Geld anbieten.

Das wäre wiederum lukrativ…

Genau: Und ein Zeitzünder für den Boom mit Ablaufdatum. Genau so verwässert die Methode. Mir ist das, was ich da aufgebaut habe, zu wertvoll, als dass ich es verheizen würde. Eine Ärztin, die in Teneriffa ein ganzes Zentrum um die Cantienica-Bausteine errichtet, sagte vor kurzem: „Benita, du arbeitest am Zukunftsleib der Menschheit.“ Genau das ist gefragt und das geht nicht auf die Schnelle.

Was hat Spiraldynamik mit Cantienica zu tun? Wer oder was hat Ihren Erfolg beflügelt?

„Was wäre, wenn du die Skoliose nicht hast, sondern machst?“ Diesen entscheidenden Satz sagte Christian Larsen, als ich ihm vor Jahren meinen Rücken und meine Füße vorführte: Dieser Satz hat mein Leben verändert:  Haltungsdeformitäten sind keine Strafe Gottes, sondern ein Missverständnis in meiner Körperintelligenz.

Das klingt eher philosophisch als medizinisch!
Es war der richtige Satz zur richtigen Zeit. In meinem Kopf legte sich ein Schalter um: Wenn ich mein Rückenproblem selber durch Falschhaltung machte, so konnte ich sie durch Guthaltung korrigieren. Das ist sehr wohl medizinisch. Tatsache ist, dass ich heute entgegen aller ärztlicher Prognosen keine Skoliose, keine Arthrose, keine Schmerzen mehr habe – und immer noch alle meine eigenen Gelenke. Die Begegnung mit Christian Larsen war tatsächlich lebensverändernd, darüber erzähle ich auch im jüngsten Buch „New Faceforming“.

Machten Sie die Spiraldynamik-Ausbildung?

Nein, ich durfte reinschnuppern und entschied, dass ich „Anatomie für Laien“ machen wollte, weil ich mich da sicher fühlte. Ich hätte mir in meinen Anfängen nicht mal träumen lassen, dass ich anatomische Profis weiterbilde. Feministischer Trotz war wahrscheinlich auch mit im Spiel, ich wollte meinen Weg alleine gehen, nicht im Kielwasser des männlichen Akademikers.

Sie haben aber mit Christian Larsen zusammengearbeitet?

Ja. Ich habe bei seinem ersten Buch „Die 12 Graden der Freiheit“ eng mit ihm zusammengearbeitet. Das war wertvoll, das hat mich beeinflusst. Beeinflusst haben mich aber auch  Kurse bei Maharishi Yogi in den Siebzigern oder meine Arbeit mit Moshe Feldenkrais. Ich wollte mich nicht festlegen, oder wenn schon, dann nur auf mich.

Sie und Larsen sind beide Pioniere. Erschwert das die Zusammenarbeit?

Bestimmt. Die Pionierarbeit, denke ich, die kann man immer nur alleine machen.

Die Ziele klingen so ähnlich. Macht da Zusammenarbeit nicht doppelt Sinn?

Klar. Aber das brauchte seine Entwicklungszeit. Jetzt bin ich sicher, konsolidiert, erprobt und bereit für Kooperation; so wie ich sie mit Maja Storch und Gerald Hüther pflege – und vielleicht auch mit Spiraldynamik. Meine Methode und das Spiraldynamik Konzept vertragen sich vorzüglich, es kommen auch immer mehr Spiraldynamiker in die Cantienica–Ausbildungen. Die Einladung aufs Kongresspodium ist ein idealer Grundstein für Fusion statt Spaltung

Bea Miescher
25. August 2007