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Kinderfüße: Verloren zwischen Scanner und Vernunft

Medizin Das Thema Kinderschuhe – Kinderfüße beschäftigt die Medien. Die auflagenstarke Schweizer Illustrierte hat gleich Anfangs Januar dem Thema Spiraldynamik Kinderfuß-Schule drei Seiten gewidmet. Aus gutem Grund: Die Lage im Kinderschuh spitzt sich zu! Neues aus Forschung, Industrie und Elternschaft.

Die Zürcher Studie der Klinik Balgrist hat es im Klartext gezeigt: Jeder dritte Kinderfuß wird in zu kleine oder zu große Kinderschuhe gezwängt. Kinderfüße sind wie aus Gummi, lassen sich spielend verformen. Das ist meist unbequem, aber nicht schmerzhaft. Die betroffenen Kinderfüße leiden stumm. Jetzt folgen die aktuellen Zahlen aus Deutschland und Österreich: Forscher der Uni Tübingen fanden heraus, über 50% der Kinder tragen falsche Schuhgrößen. In Wien sind gar dreiviertel aller untersuchten Kinder betroffen. Die Folgen sind dramatisch und automatisch: Es kommt zu irreversiblen Wachstumsstörungen des Fußskeletts mit vielfältigen Fußbeschwerden im Jugend- und Erwachsenenalter. 

Die Schuhindustrie verspricht Abhilfe. Hersteller Cangurino hat die Schuhgrößen von Nummern auf Millimeter umgestellt: Jetzt heißt es neu 155 Millimeter statt Schuhgröße 24. Wer die Fußlänge misst, kennt die Schuhgröße. Toll! Schuhkette Reno entwickelt einen Fuß-Scanner der die tatsächliche Fußgröße misst. Auch toll! Druckmessplatten und 3D-Footscanner werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Noch einen Schritt weiter gehen Forscher der Technischen Universität München: Sie befassen sich schon heute mit der 3D-Fußbelastung in der Dynamik. Ganz toll!

Die entscheidende Frage ist, ob die wissenschaftlichen Erkenntnisse und industriellen Bemühungen fruchten werden: Ob so die proklamierte Freiheit für Kinderfüße erreicht werden kann? Ich habe meine Zweifel und kann diese begründen. Es ist schon richtig: Über das Schicksal vieler Kinderfüße wird im Schuhgeschäft entschieden. Besiegelt aber wird es zu Hause. Selbst die perfekteste Passform leistet dies nur für eine bestimmte Zeit – meist eine relativ kurze Zeit! Kinderfüße können monatlich mehrere Millimeter wachsen.

Gestern in meiner Sprechstunde erzählte mir eine junge Mutter– differenziert, intelligent, engagiert und mit schlechtem Gewissen – ihr Junge habe plötzlich deformierte Zehen und Füße bekommen. Ob das wohl an den Schuhen liege, obschon sie diese immer im Fachgeschäft gekauft habe? Na klar doch, woran denn sonst!

Das Drama gequälter Kinderfüße wäre rasch aus der Welt zu schaffen: Kinderschuhe im Fachgeschäft kaufen; Kinderfüße zu Hause messen. Schwören Sie der Schnäppchenjagd aufs billige Leder ab, lassen Sie sich im Fachgeschäft kompetent beraten. Und messen Sie zu Hause die Fußlänge Ihrer Kinder: Stellen Sie das Kind auf ein Stück Papier, markieren Sie die Ferse hinten und die Großzehe vorne und messen Sie die die Fußlänge. Millimetergenau. Abschließend ein erprobter Vorschlag zur Güte für die moderne Familie: Die Mutter misst den Ölstand des Autos, der Vater die Länge der Kinderfüße - oder umgekehrt. Aber einmal pro Monat!

Dr. med. Christian Larsen
30. Januar 2007