Aktuelle Informationen zur Spiraldynamik® in Zeiten von Covid-19 »

 
 
Beckenschiefstand: Zentrum mit Schräglage


Medizin
Das Becken ist das Zentrum des Menschen. Steht es schräg, steht sozusagen alles schräg: die Wirbelsäule muss sich durch Seitkrümmung anpassen, die Hüftgelenkpfannen stehen schief in der Luft, alle beteiligten Muskeln werden in typischer Weise verzogen.

Die gute Nachricht: In den meisten Fällen ist alles halb so wild. Es gibt allerdings drei Situationen, in denen ein Beckenschiefstand zum Problem wird: Starke körperliche Beanspruchung. Das Ausmaß des Beckenschiefstands übersteigt 1-2 cm. Und: Je präziser das Körpergefühl, umso störender kann es werden.

Ursachen

1. Meistens liegt eine Wirbelsäulenverkrümmung vor. Die Lendenwirbelsäule verläuft seitlich gekrümmt und zieht auf der konkaven Seite das Becken hoch. Die Beine sind perfekt gleich lang, aber die Wirbelsäule ist krumm. Es versteht sich von selbst, daß Einlagen zum Beinlängenausgleich hier keinen Sinn machen.

2 . Die echte Beinlängendifferenz ist viel seltener und schwierig zu bestimmen. Von blossem Auge im Stehen die Beinlänge beurteilen zu wollen, ist unmöglich. Es gibt einen Trick, um zu einer annähernd korrekten klinischen Beurteilung der Beinlänge zu kommen: In der tiefen Hocke, mit dem Rücken zur Wand, die Füße genau parallel, zeigt sich die echte Beinlängendifferenz häufig als Asymmetrie der Knie: Ist ein Knie höher, spricht dies für eine Längendifferenz der Unterschenkel; Steht ein Knie weiter vor, für eine der Oberschenkel.

Diagnose

Typischerweise wird das Becken von hinten im Stehen betrachtet, Beckenkamm und Darmbeinstachel werden links-rechts miteinander verglichen. Entweder sie stehen horizontal gerade oder eben schräg. Bei der Untersuchung gilt es drei Besonderheiten zu beachten:

1 . Weicht das Becken zur Seite aus, kann es im Stehen gerade erscheinen, obschon es in Wirklichkeit schräg steht. Deshalb: Becken vor der Beurteilung mit Hilfe eines Senkbleis exakt über der Standfläche einmitten.

2. Nicht selten ist das Becken in sich verdreht. Von hinten betrachtet steht die rechte Seite höher, von vorne betrachtet die linke – was beweisend für eine dreidimensionale Beckentorsion ist. Gesamthaft gesehen steht das Becken „gerade“, ist aber in sich verdreht.

3. Beurteilungen im Liegen beziehungsweise via Röntgenbild sind problematisch. Der Befund weicht oft von der Statik ab. Wer es exakt wissen will oder muss, wird eine Skelett-Computertomographie machen, dort können die Beinlängen Millimeter genau vermessen werden.

Therapie

1. Bei der echten Beinlängendifferenz macht ein Längenausgleich mittels Absatzerhöhung oder Fußsohlenerhöhung grundsätzlich Sinn. Beim Sitzen spielt die Beinlängendifferenz eine untergeordnete Rolle. Es ist dem Becken egal, wie lange die Beine sind. Auch beim Gehen sind geringe Differenzen nicht so entscheidend – die meiste Zeit ist ein Bein in der Luft. Bei Stehberufen – im Coiffure-Salon, im Verkauf, am Bank-Schalter – addiert sich die Schräglage zu einer chronisch-statischen Fehlbelastung. Hier ist die Indikation zum Längenausgleich großzügig zu stellen.

2. Bei der 3D-Beckentorsion und der Wirbelsäulenverkrümmung macht ein Längenausgleich wenig Sinn. Hier gilt es, den Ausgleich durch Bewegung zu erwirken – ein Spezialgebiet der Spiraldynamik: Bei jedem Schritt kommt es zu einem „funktionellen Tiefstand des Beckens auf der Standbeinseite“. Genau dies wird im Alltag, beim Gehen, beim Laufen und Treppensteigen gezielt ausgenutzt. So werden die Weichen neu gestellt: Der Beckenschiefstand wird jetzt durch die richtige Funktion korrigiert anstatt verstärkt. Dieser funktionelle Ausgleich durch richtige Bewegung ist auch bei echter Beinlängendifferenz wichtig, um die eingeschliffenen Muster zu lösen.

3. Bei massiven Beinlängendifferenzen greifen wir auf die moderne Chirurgie zurück: Der Knochen wird künstlich gebrochen und während der danach einsetzenden Knochenheilung kontinuierlich auseinandergezogen. Das kürzere Bein kann so bis zu zehn Zentimetern verlängert werden. Oder umgekehrt: Bei Großwuchs können die Wachstumsfugen gezielt frühzeitig mittels Klammerung geschlossen werden, was zu einer Verkürzung des längeren Beines führt.

Christian Larsen
28. Oktober 2006