Aktuelle Informationen zur Spiraldynamik® in Zeiten von Covid-19 »

 
 
Spitzensport: Wenn alles stimmt und nichts mehr geht

MedizinLaut Statistik ereignen sich jährlich 10 000 Schleudertrauma-Unfälle in der Schweiz. 10 Prozent mit chronischen Gesundheitsschäden und hohem Invaliditätsrisiko. Kosten pro Jahr: eine halbe Milliarde Schweizerfranken. In Deutschland müssen diese Zahlen locker verzehnfacht werden.

Genau genommen ist das Schleudertrauma ein Beschleunigungs-Entschleunigungstrauma. Der Unfallmechanismus im Detail: Durch einen Aufprall – beispielsweise einem klassischen Auffahrunfall – wird der Rumpf blitzschnell nach vorne katapultiert. Der Kopf mit seiner schweren Masse reagiert viel langsamer und wird peitschenartig in die Gegenrichtung nach hinten beschleunigt. Die Halsmuskulatur hat zu wenig Zeit, den Kopf wirkungsvoll zu stabilisieren und so die Bewegung abzufangen. Dabei können sämtliche Strukturen der Halswirbelsäule überdehnt werden – von der einfachen Muskelzerrung bis hin zur schweren Rückenmarksverletzung.

Prävention hat Priorität! Mit drei Standardregeln können Sie viel tun, um im Ernstfall möglichst heil davon zu kommen:

Erstens: Einstellung im Cockpit

Stellen Sie die Rückenlehne aufrecht und die Kopfstütze auf Höhe Hinterkopf. Kontrollieren Sie den Abstand zwischen Hinterkopf und Kopfstütze – dieser Abstand sollte Null Zentimeter betragen. Nicht möglich? Dann sind entweder Sitz und Kopfstütze falsch eingestellt, oder Sie haben einen starken und unbeweglichen Rundrücken, der den Kopf nach vorne schiebt und ein aufrechtes Sitzen verunmöglicht. Kaufen Sie sich unbedingt einen „Kopfstützen-Aufsatz“, falls der Abstand zwischen Hinterhaupt und Kopfstütze mehr als faustbreit ist.

Zweitens: der Fahrstil!

Fahren Sie defensiv, fasten your seatbelts und beobachten Sie im Rückspiegel, was hinten passiert.

Drittens: Verhalten im kritischen Momenten

Unmittelbar vor einem erkennbaren Aufprall, Lenkrad stabil fest halten und Vollbremse; Rücken kräftig nach hinten in den Sitz pressen; Hinterkopf ebenfalls nach hingen gegen die Kopfstütze drücken, Halsmuskeln anspannen. Wenn Zeit bleibt, warnen Sie Ihre Mitfahrer und richten Sie den Blick geradeaus! So haben Sie die Möglichkeit, dem Aufprall gut stabilisiert und mit unverdrehter Wirbelsäule zu begegnen.

Sichtbare und unsichtbare Schäden

Nach einem Schleudertrauma können Beschwerden oft erst nach Stunden, Tagen oder gar Wochen bis Monaten auftreten. Bei Nackenbeschwerden nach einem Unfall und im Zweifelsfalle heißt die Devise: Umgehend einen Arzt aufsuchen. Eine gründliche Erstuntersuchung ist das Gebot der Stunde. In der Schweiz gibt es einen einheitlichen Frage- und Untersuchungsbogen, der den Arzt durch alle wichtigen Punkte leitet. Verletzungen sind im Röntgen, MRI oder CT sichtbar und ziehen meist automatisch die richtigen Therapien nach sich. Viel häufiger und schwieriger sind jene Fälle, in denen man „nichts sieht“. Schmerz, Konzentrations- und Gedächtnisstörung, Schwindel und Sehstörungen sind unsichtbar – und trotzdem können sie das Leben radikal verändern. In diesen Fällen sind neurologische und neuropsychologische Untersuchungen manchmal hilfreich.

Der Spiraldynamik-Ansatz

Am Spiraldynamik Med Center Zürich werden wir häufig mit Schleudertraumata konfrontiert – von der Erstuntersuchung bis zur Behandlung chronischer Schmerzsyndrome mit bereits gesprochener Invaliditätsrente. Zwei Ansätze haben sich nach unserer Erfahrung als besonders hilfreich erwiesen. Erstens geht es darum, die Statik der Wirbelsäule zu optimieren. Häufig ist der Kopf durch einen steifen Rundrücken wie bei einem Geier nach vorne geschoben. Der Kopf ist in den Nacken gezogen, der Nacken geknickt, verkürzt und verspannt. Die Dauerverspannung der Muskeln unterhält die chronischen Schmerzen. Rezept: Die Aufrichtung der Brustwirbelsäule und ein Wiedergewinnen der Brustkorb-Beweglichkeit hat schon manches kleinere und größere „Wunder“ vollbracht. Auf den zweiten Blick ist es kein Wunder, sondern schon fast logisch: Mit der Aufrichtung der Brustwirbelsäule kommt die Kopfhaltung wieder ins Lot, die Nackenmuskulatur kann sich entspannen. Das zweite Erfolgsrezept: Die anatomisch korrekte 3D-Kopfwende. Häufig wird der Kopf bei Kopf-Dreh-Bewegungen hinten und seitlich geknickt, was sofort zu Instabilität, Muskelanspannung, Unsicherheitsgefühl und Schmerz führen kann. Durch die gezielte Aktivierung der tiefen Halsmuskulatur können Kopfwendebewegungen muskulär gesichert werden – oftmals ein entscheidender Schritt vorwärts in der Therapie des chronischen Halswirbelsäulen-Schleudertraumas. 

Literatur Tipp - Übungsbuch mit DVD:

Dr. med. Christian Larsen
24. Juni 2006