Rubrik: Portait
Interview: Ergodynamik am Beispiel Reichle & De Massari AG
Das Ergodynamik-Angebot von Spiraldynamik setzt um, was rundum lauthals gefordert wird: Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz und Eigenverantwortung. Hohe Mitarbeitermotivation und Nachhaltigkeit inklusive, wie Urs Schneebeli der Reichle & De Massari AG bestätigt.
Das Unternehmen Reichle & De Massari AG (R&M) mit Hauptsitz in Wetzikon beschäftigt weltweit rund 650 Mitarbeitende. R&M ist im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie tätig. Die Arbeitsplätze reichen von Entwicklung, Labor und Office-Job bis Produktion, Lager, Verkauf und Spedition. Seit langem befasst sich der Personalverantwortliche Urs Schneebeli mit der Gesundheit seiner gut 350 in Wetzikon beschäftigten Mitarbeitenden. In diesem Jahr entschied er sich aufgrund der Mitarbeiter-Befragung im Rahmen der firmeninternen Gesundheitswochen für eine Ergodynamik-Weiterbildung gemäss Spiraldynamik-Konzept.
„Eigenverantwortung jedes Einzelnen“ ist die große Pauschalforderung der meisten Mitspieler im Gesundheitswesen. Damit lässt sich die Verantwortung wegdelegieren. Sie gehen andere Wege. Was genau motiviert Sie?
Eine Firma, die Erfolg haben will, muss fit sein. Sie ist es aber nur, wenn es die Mitarbeitenden auch sind. Mitarbeitende, welche sich wohl fühlen – und das bedeutet eine gute körperliche, seelische und soziale Verfassung – sind motivierter, entspannter und dadurch innovativer, leistungsbereiter und denken in der Regel auch besser mit.
Gemäß einer Studie kann ein KMU mittlerer Größe rund 60 000 Franken Arbeitsausfall einsparen, wenn die Krankheitsrate um nur Prozent eingespart wird. Glauben Sie diesen Zahlen aus eigener Erfahrung?
Meiner Meinung nach sind sie untertrieben: Solche Zahlen werden gerne von Versicherungen herangezogen. Rechnerisch kommt es darauf an, ob für die Ausfalltage andere Arbeitskräfte eingesetzt werden müssen oder ob die Arbeit der ausfallenden Mitarbeitenden kurzfristig auf die übrige Belegschaft verteilt werden kann. Ich bin sicher, dass die Einsparungen noch wesentlich höher, wenn nicht gar bei einem Vielfachen der oben genannten Summe liegen. Der Wert für ein Unternehmen liegt in gut motivierten, leistungsorientierten und mitdenkenden Mitarbeitenden.
Welche konkreten Beobachtungen haben Sie in Ihrer Firma gemacht, um in Sachen Betrieblicher Gesundheitsförderung aktiv zu werden?
Gesundheit ist kein Geschenk; wir müssen etwas dafür tun! Und hierfür ist jeder für sich selbst verantwortlich. R&M setzt einerseits auf diese Eigenverantwortung, anderseits unterstützen wir unsere Mitarbeitenden mit Aktionen wie Ergodynamik. Wir wollen unsere Leute auf das Thema sensibilisieren und ihnen Wege aufzeigen, wie man das eigene Wohlbefinden verbessern bzw. erhalten kann.
Also primär Know-how vermitteln, statt teure Möbel kaufen?
Genau. Selbstverständlich müssen wir optimale Voraussetzungen für eine entsprechende Aufgabenerfüllung schaffen. Doch die besten Einrichtungen nützen nichts, wenn Haltung oder Bewegungsablauf nicht stimmt. Wir gehen nicht von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz und richten den Stuhl oder die Bildschirmhöhe für die Mitarbeitenden optimal ein. Entscheidend ist, dass sie das selbst erkennen. Hier hat das Spiraldynamikkonzept „Ergodynamik am Arbeitsplatz“ den Mitarbeitenden sehr viel Erkenntnis gebracht.
Haben Sie persönlich auch profitiert?
Sicher! Ich weiss jetzt weshalb ich Verspannungen im Nacken habe. Und vor allem weiss ich jetzt auch, was ich dagegen unternehmen kann. Und ich bin nicht allein mit meinem Problem: Dank der Teambesprechung nach der Analyse können mich meine Arbeitskollegen gelegentlich wieder auf ungünstige Haltungen aufmerksam machen und mich so dabei unterstützen, wirklich etwas zu verändern.
Wie haben Sie Ihre Mitarbeiter zum Mitmachen motiviert?
Im Team XUND wurden aus jedem Unternehmensbereich die Anliegen der Mitarbeitenden zusammengetragen. Das Ergodynamik-Programm wurde also aufgrund einer bedürfnisklärenden Studie beschlossen und in die jährlich stattfindende Gesundheitswoche eingeplant. Die Mitarbeitenden fanden einen Teil ihrer eigenen Anliegen wieder. Das entsprechende Interesse war damit geweckt.
Was hat es konkret gebracht?
Viele unserer Mitarbeitenden waren positiv davon überrascht, dass relativ einfache Maßnahmen und Verhaltensänderungen schon sehr viel bewirken können. Wesentlich dabei ist, dass man es wissen muss. Das allgemeine Feedback aus Mitarbeiterkreisen war durchwegs positiv, eine typische Rückmeldung war: „Es wurde diesmal mit der „Ergodynamischen Überprüfung am Arbeitsplatz“ in der Gesundheitswoche etwas gemacht, das allen Mitarbeitenden gleichermaßen gedient hat“.
Wie erlebten Sie die Stimmung zwischen den Spiraldynamik-Fachleuten und Ihren Mitarbeitenden? Immerhin: Wer lässt sich denn schon gerne schulmeistern - und erst noch im sehr persönlichen Bereich der individuellen Bewegung, des Körpers, der Gewohnheiten.
Man muss vorausschicken, dass R&M ein fortschrittlicher Familienbetrieb ist und wir eine sehr offene, ehrliche und direkte Umgangskultur pflegen. Die Spiraldynamik-Fachleute haben sich rasch in den Teams zurechtgefunden. Das Kick off-Referat im Vorfeld vermittelte das Grundwissen. Das war bereits der Eisbrecher. Während der Analyse am Arbeitsplatz und der Teambesprechung wurde aufmerksam und interessiert zugehört, Fragen gestellt, Vorschläge gemacht, gelacht, anerkannt und auf absolut kollegialer Basis mit den Fachleuten von Spiraldynamik über Möglichkeiten und praktische Umsetzung diskutiert. Ein fachmännischer Besuch, der kaum jemand unberührt gelassen hat.
Zauberwort Nachhaltigkeit: Können Sie da schon etwas sagen?
Einige Leute haben ihren Arbeitsplatz umgestellt, andere nehmen vermehrt an firmenorganisierten Treffs wie Nordic Walking teil oder bewegen sich bewusster im Sinne einer besseren Körperhaltung. Die 10-teilige Spiraldynamik DVD- und Buchserie „Schmerzfrei & beweglich ein Leben lang“ geben wir bei Interesse unseren Mitarbeitenden im Videothek-System zum Studium ab. In unserer Firmenzeitschrift, die auch von den Familienangehörigen gelesen wird, werden wir alle Themen noch einmal ansprechen. Das trägt das Interesse in die Familien weiter. Im ersten Halbjahr 2008 ist zudem ein Refresher geplant: Die Spiraldynamik-Fachkräfte werden noch einmal durch den Betrieb gehen, Anregungen geben und Fragen beantworten.
Ihr Gesamturteil?
Diese Fortbildung hat gemessen am zeitlichen und finanziellen Aufwand bereits sehr viel gebracht. Ich konzentriere mich aber nicht nur auf Veränderungen im ergodynamischen Verhalten der Mitarbeitenden bezüglich unserer Kosten- Nutzen-Rechnung. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt liegt in der Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden, welche durch solche Aktionen zum Ausdruck gebracht wird. Nicht die Einzelaktion, sondern die Gesamtheit aller Anstrengungen einer Unternehmung zur Unterstützung der Mitarbeitergesundheit und -Zufriedenheit ist relevant. Die gelebte Kultur im ganzheitlichen Sinne ist entscheidend.
Link: Ergodynamik Konzept und Angebot >>
Urs Schneebeli, Bea Miescher
23. Oktober 2007