Spiraldynamik ist die Kunst und Wissenschaft der anatomisch richtigen Bewegung
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Rubrik: Portrait


Robert Riener: Beherzte Hightech für motivierte Patienten



Robert Riener erfindet intelligente Geräte für behinderte Menschen. Was er mit seinen Teams ausheckt, ist die wohl kreativste Form von Hightech. Robert Riener ist am Spiraldynamik-Kongress am 10. November zu hören.

Er ist noch keine vierzig Lenze und hat neben dem Doktortitel bereits zwei Professuren. In Sachen  Therapierobotik und Orthetik gehört er zu den Top-Wissenschaftlern weltweit. Er bringt Gelähmte wieder zum gehen. Ein Mensch der höheren Sphären? Sein Palmares lässt es vermuten, ein Gespräch mit Prof. Dr. Robert Riener verrät, dass er neben dem Forscher und Wissenschaftler vor allem ein begnadeter Motivator ist:

Professor Riener, Sie nennen das Therapiegerät für am Arm gelähmte Patienten liebevoll ARMin. Der Lokomat für Gehbehinderte funktioniert schon erstaunlich. Warum sieht man die künstlichen „Laufwerke“ noch nicht unterwegs?
Es mag erstaunen, aber das wollen wir nicht primär: Der Lokomat ist eine Laufbandtherapie, die nur in der Klinik durchgeführt wird. Das Ziel ist, einen gewissen Heilungserfolg zu erzielen.

Also konkret Lähmungen „rückgängig“ zu machen?
Etwas einfach gesagt, ja. Der Patient, beispielsweise ein inkompletter Paraplegiker oder ein Schlaganfallpatient, soll nach der Therapie mit dem Lokomat wieder möglichst frei Laufen können.

Künstliche Gehhilfen, Prothesen, die eigenständig losmarschieren, sind also noch kein Thema?
Mittel- und Langfristig gesehen ist das sogar ein Hauptthema. Mobile Versionen dieser Geräte sind aber bisher technisch schwer zu realisieren, insbesondere weil die mobile Energieversorgung immer noch nicht richtig gelöst ist. Der Patient müsste mit einem schweren Batterierucksack herumlaufen und die Batterien wären nach nur zwei bis drei Stunden leer. Weitere Herausforderungen sind einfache Bedienbarkeit und Sicherheitskriterien.

Also die Schwierigkeiten beim „Zusammenfügen“ von menschlichem Willen und maschinellem Verstehen? Wie kann ich mit
einem Wimpernschlag den Mechanismus sicher und präzise ansteuern?
Genau. Diese Herausforderung muss eigentlich für sehr viele technische Geräte, die mit dem Menschen interagieren sollen, gelöst werden. Das gilt nicht nur für den Lokomat, sondern auch für eine Armprothese, einen motorisierten Rollstuhl oder für Geräte aus dem Alltag wie Videorekorder, Navigationssysteme im Auto und ähnlichem.

Zurück zum Machbaren: Welches sind die Highlights der letzen fünf Jahre?
Sicher ARMin, die Therapiemaschine für den gelähmten Arm: Wir haben es geschafft, einen Roboter zu entwickeln, der die Therapie kooperativ mit dem Patienten begleitet. Dabei unterstützt er den Patienten nicht maximal, sondern minimal.

Minimal? Und darauf sind Sie stolz??
Genau, denn der Weg zum Erfolg führt hier über das Minimale: Er unterstützt so viel wie nötig, so wenig wie möglich. So wird der Eigenanteil der Patientenaktivität und damit der Übungserfolg maximiert. An einzelnen Schlaganfallpatienten konnten wir bereits zeigen, dass sich die Mobilität und Funktion des gelähmten Armes signifikant verbessern.

Wie motivieren Sie die Patienten für diese Schwerarbeit?
Das ist immer die entscheidende Frage, denn die Motivation des Patienten ist schließlich der Schlüssel zum Erfolg: Wir haben virtuelle Trainingsszenarien entwickelt, die es dem Patienten erlauben, in eine virtuelle Welt mit virtuellen Aufgaben zu tauchen. So kann er gefahrlos und ohne Leistungsdruck ausprobieren und seine Grenzen ausloten. Diese Szenarien erhöhen nachweislich die Motivation des Patienten.

Wissenschaftlich gesehen: Ist Motivation mit harten Kriterien überhaupt messbar?
Das ist unser anvisiertes Ziel. Wir wollen Motivationsgefühl und Intention des Patienten messtechnisch erfassen, damit wir dessen Engagement beeinflussen und optimieren können. Dies wiederum dient dazu, die Therapie effizienter zu gestalten. Durch Messung der Bewegungsintensität sowie der Herz- und Hirnaktivität sind wir in der Lage, Motivation und Intention des Patienten abzuschätzen. Solche Ansätze haben nicht nur bei der Bewegungstherapie von Paraplegikern und Schlaganfallpatienten, sondern auch bei der Behandlung von Wachkomapatienten viel versprechende Chancen.

Was bringen die nächsten fünf Jahre?
Wir wollen spezielle Versionen von ARMin und Lokomat entwickeln, die im Kernspintomographen funktionieren sollen. Damit werden wir dann – zusammen mit unseren Kollegen aus der Neuroradiologie und Neuropsychologie – zeigen können, welche regenerativen Vorgänge in Hirn und Rückenmark bei der Therapie der Patienten stattfinden. Diese Erkenntnisse können uns dann helfen, die roboterunterstützen Therapien weiter zu verbessern.

Wo sehen Sie – abgesehen von Ihrer Intelligenz - die Initialzündung für Ihr unsägliches Leistungs- und Motivationspotential?
Nun, ich glaube nicht, dass mein IQ deutlich höher ist als bei anderen Menschen. Was es zum Erfolg braucht, sind vor allem Spaß an der Arbeit, eine gewisse Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit wie auch Offenheit und Neugierde. Das sind alles recht „natürliche“ Eigenschaften, die allerdings von vielen Menschen nicht so konsequent gehandhabt werden.

Was treibt Sie persönlich an?
Die Lust, neue Ideen zu kreieren und in die Praxis umzusetzen; Ideen, mit denen man Menschen helfen kann und Ideen, die Spaß machen.


>> Mehr zu Robert Riener und seiner Arbeit  http://www.lsr.ei.tum.de
>> Lokomat http://www.ethlife.ethz.ch
>> ARMin http://www.ethlife.ethz.ch
 
Bea Miescher
22. Juni 2007


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