Rubrik: Portrait
Ralph Wilms: Die Türe des Bewusstseins öffnet sich nach innen
Er ist Psychologe und Berater für Unternehmen und Führungskräfte. Klingt nach Wirtschafts-Theoretiker – Ralf Wilms Schwerpunkte könnten konkreter und bewegender kaum sein. Seine Bewegung fließt nach innen: Sicht- und erlebbar wird sie durch seinen Partner Shi Yan Bao, Mönch der 34. Generation des Shaolin Klosters in China, Kung Fu Kämpfer und Trainer.
Ralph Wilms selbst verfügt über 20-jährige Erfahrung in der Anwendung fernöstlicher Meditations- und Entspannungstechniken aus unterschiedlichen Traditionen und deren Umsetzung in den persönlichen und beruflichen Alltag. Er ist gleichzeitig Gründer und Präsident der Care Group AG Schweiz, einer auf Ethik und Nachhaltigkeit spezialisierten Investmentfirma.
Ralf Wilms, am Spiraldynamik Kongress treten Sie zusammen mit Shi Yan Bao auf: Ein seltsames Team, wie mir scheint. Womit haben wir bei seiner Präsentation zu rechnen?
Mit einem sanften Tiger, anmutig und kraftvoll in seinen Bewegungen. Das schönste Chi Gong, das man sich vorstellen kann - verbunden mit außergewöhnlichen Darstellungen, zu was ein Mensch fähig sein kann, wenn er - wie Yan Bao - das Chi (Energie) dort hin lenken kann, wo er es braucht.
Wie kamen Sie und Yan Bao zusammen?
Ich wurde vom ZfU (Zentrum für Unternehmensführung in Thalwil) angefragt, ob ich in ein gemeinsames Projekt einsteigen würde mit einem Shaolin Mönch zum Thema „Kraft des Denkens“. Schon nach einem ersten Workshop mit Yan Bao wurde deutlich, dass wir uns gut ergänzen und gerne zusammen arbeiten. Seitdem hat sich unsere Zusammenarbeit und Freundschaft sehr intensiviert.
Wie ums Himmels Willen bringen Sie den sanften Tiger und die coolen, materiell orientierten Manager zusammen?
Unter den von Ihnen genannten Attributen der Manager schläft wie in jedem Wesen eine Seele, und je größer die Entfremdung von der eigenen inneren Natur ist, umso stärker wird die Sehnsucht nach etwas, das tiefer geht als der materielle Ramsch, den uns die Gesellschaft als Verheißung des Lebens verkauft.
Und die kommen freiwillig, weil sie das fühlen?
Ja, oder weil sie neugierig sind. Auch das ist eine gute Voraussetzung. Die meisten von ihnen haben schon das 9. Führungs- oder das 23. Strategieseminar absolviert, absolute Profis auf ihrem Gebiet. Und sie sind auf der Suche nach substantielleren Inhalten.
Dann leiden Ihre Kunden vor allem auch am Vorurteil „herzloser Manager“?
Oft, ja. Das Bild des Managers, der per se materialistisch, oberflächlich, narzisstisch und körperfeindlich ist, ist falsch. Für die meisten von ihnen sind die subtilen, philosophischen und spirituellen Existenzebenen durchaus relevant. Jeder Mensch möchte den Geschmack seiner eigenen Essenz wahrnehmen, der Seele Flügel verleihen und die subtilen Energien des eigenen Körpers spüren können.
Die meisten von uns leben in zwei Welten – der inneren und der äußeren, kennen den Zwiespalt.
Genau diese Verbindung vermittelt Yan Bao. Das Leben, das uns allen bekannt ist, bewegt sich auf der Oberfläche der Erscheinungen und überdeckt eine tiefere Realität. In der tieferen Realität ist jeder von uns Teil eines Ganzen und mit allem verbunden. Wir leben nicht in einer Welt, sondern in zwei Welten gleichzeitig. In der einen Welt gibt es Gebäude, Menschen, Berge, Autos, Lebensmittel und andere Dinge. In der anderen Welt gibt es Gedanken, Hoffnung, Glaube, Glück oder Gefühle, die man im Supermarkt nicht kaufen kann. Diese offensichtliche Grundlage unserer Existenz übersehen wir meistens.
Ist das Ziel eine Aufwertung der emotionalen gegenüber der materiellen Welt?
Ja. Normalerweise sind wir zufrieden, wenn wir bekommen, was wir wollen, aber wir können auch zufrieden sein unabhängig davon, ob unsere Wünsche befriedigt werden oder nicht. Diese Unabhängigkeit, in der der innere Zustand der Zufriedenheit nicht mehr von den äußeren Gegebenheiten beeinflusst wird, wird das Thema des Workshops sein.
Auf dass alle den Workshop glücklich verlassen?
Genau da liegt eine der Kernbotschaften: Es ist unmöglich, die äußere Realität so zu gestalten, dass man ständig glücklich oder zufrieden ist. Stress und Enttäuschungen sind ein integraler Bestandteil der Realität. Die innere Welt wird von subtilen Prozessen beherrscht, die ebenso gesetzmäßig sind wie die der äußeren Welt.
Wie passt das geläuterte, hoch entwickelte Bewusstsein des sanften Shaolin Mönchs zusammen mit der brachialen Kämpfer-Erscheinung des Kung Fu-Meisters?
Die hohe Kunst der Kampftechniken zumindest in der Shaolin Tradition - aber auch in anderen Kampftechniken wie Aikido - ist es, den Kampf zu vermeiden. Außerdem ist der Kämpfer idealerweise in einem Zustand des Flow, der Selbstvergessenheit, in dem er nicht mehr für sich handelt, sondern im Sinne des Tao, des Ganzen. Diese innere Zentrierung, die Verankerung in der eigenen Essenz ist Voraussetzung, um die höchste Stufe des Shaolin Kung Fu zu erreichen.
Mehr zu Ralph Wilms >> http://www.teamcoaching.ch
Bea Miescher
29. Juni 2007