Rubrik: Portrait
Sabine Poetsch: „Entwicklungsprozesse dauern!“
Spiraldynamik feiert in diesem Jahr das 15-jährige Bestehen. Das Unternehmen steht vor einem Quantensprung – die familiären Zeiten sind vorbei. Neben Dr. Christian Larsen und Christian Heel führt Sabine Poetsch Spiraldynamik unternehmerisch in die Zukunft, professionell und mitarbeiterorientiert.
Die neue Leiterin der Spiraldynamik Akademie heißt Sabine Poetsch. Die gebürtige Hamburgerin absolvierte nach ihrem Abitur 1978 ein Sprach- und Übersetzungsstudium für Englisch und Französisch. Aus einer Wirtschaftsfamilie stammend scheinen ihr die „Ökonomie-Gene“ in die Wiege gelegt worden zu sein. In Paris arbeitete sie für die Firma Henkel, in Deutschland bei einer Tochtergesellschaft von Marquart und Bahls, einem weltweit tätigen Mineralöl-Handelskonzern. Sprachgewandtheit, kommunikatives Flair und ein offenes Herz für Menschen führte sie zur internationalen Plattenfirma Polydor – und von da an ging das Abenteuer Leben erst richtig los!
Sabine Poetsch – die Zeit bei Polydor scheint eine ganz spannende Zeit gewesen zu sein!
„Das ist eine große Untertreibung! Ich hatte die Gelegenheit bei Polydor im Plattenvertrieb zu arbeiten – von der Produktion bis zur Marktstrategie weltweit von A bis Z. Ich lernte so ziemlich alles kennen, was in den Siebziger- und Achtzigerjahren Rang und Namen hatte.“
Da möchten wir Konkreteres hören!
"Auf den Punkt gebracht: Kaffee mit Elton John, Lunch mit Brian Ferry und abends in der Kneipe mit den Stones – es war eine wilde und herrliche Zeit.“
Warum blieben Sie nicht?
"Von meinem Charakter und meinem familiären Background her bin ich ein Mensch, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und ein Flair für Hintergründe und leise Töne hat. Bei allem Highlife wusste ich, dass diese Jetsetterei mein Spaß, aber nicht meine Erfüllung war."
Aber international blieben Sie:
"Ja, und das möchte ich auch bleiben. Bei aller Extrovertiertheit begannen mich auf der anderen Seite interne Prozesse zu interessieren. Warum sind gewisse Menschen erfolgreich, andere mit derselben Begabung nicht? Warum sieht man das bei Firmen eins zu eins? Gutes Produkt, gute Leute – kein Erfolg? Was steckt dahinter?"
Das war der Schritt zur Unternehmensberatung?
"Genau. Mein Betriebswirtschaftstudium gab mir die Grundlagen – im Fokus standen für mich aber immer die Menschen – sie sind das Human Capital wie man in der Wirtschaft sagt, also neben der Finanzkraft das Wichtigste eines Unternehmens. So ist sogar ein Betrieb mit viel monetärem Kapital aber schlecht motivierten Mitarbeitern langfristig nicht überlebensfähig."
Deshalb das NLP-Studium?
„Ja, ich absolvierte die dreijährige Ausbildung und studierte gleichzeitig zwei Semester Arbeits- und Organisationspsychologie an der Fernuniversität Hagen. Später kamen noch zwei Coaching-Ausbildungen dazu.“
Wie ums Himmels Willen brachten Sie das unter einen Hut?
„Es hängt alles zusammen. Es sind nicht einzelne, isolierte Studien, sondern eher Puzzleteile, die sich immer rascher ineinander fügten. Ich wurde überschwemmt von AHA-Erlebnissen – auf allen Ebenen. Und immer war und bleibt der Fokus beim Erfolgsfaktor Mensch."
Welches ist Ihre entscheidende Erkenntnis bezüglich Unternehmensführung und Mitarbeitercoaching?
"Der Erfolg eines Unternehmens hängt fast immer von der Potential-Entfaltung der Mitarbeiter ab: Das widerspiegelt sich 1:1 in den Firmenzahlen. Das Controlling wird meist falsch verstanden: Controlling heißt nicht, Zahlen, Mitarbeiter und ihre Arbeit zu kontrollieren. Controlling ist das Steuerungsinstrument, um eine Firma langfristig auf Kurs zu halten."
Was bedeutet das konkret für Spiraldynamik?
"Das Unternehmen Spiraldynamik steht an einem Wendepunkt: In den ersten Jahren agierte die Firma wie eine große Familie. Jeder kannte jeden, jeder wusste, worum es geht, jeder war begeistert von der Idee. Forschung und interner Austausch standen im Mittelpunkt. Nun ist es an der Zeit, den großen Schritt in die internationale Öffentlichkeit zu wagen."
Welche Strategie haben Sie?
"Ein großer Schritt ist mit den zahlreichen Laien- und Fachpublikationen bereits getan: Die Absatzzahlen sind durchaus beeindruckend. Der nächste Meilenstein wird der Kongress im kommenden November sein. Auch hier trennen wir uns erstmals von der spiraldynamischen „Familienatmosphäre“ – die interessierte Öffentlichkeit ist eingeladen. Er symbolisiert sozusagen die Firmenstrategie der Öffnung in den kommenden Jahren."
Wo sind die Knackpunkte für Sie als Geschäftsleiterin?
"Ich musste mich sehr schnell in das riesige Gebiet einarbeiten und die innere und äußere Struktur samt den notwendigen strategischen Schritten erkennen. Dr. Christian Larsen und Christian Heel, die großes Vertrauen in mich setzen, waren und sind hierbei eine sehr große Hilfe für mich."
Bedeutet das größere Umstellungen für die Mitarbeiter?
"Teilweise schon – aber im positiven Sinn: Wie bei fast allen Unternehmen ist auch für Spiraldynamik wichtig, dass ausnahmslos alle Mitarbeitenden hinter der Firmenphilosophie stehen und die Strategie kennen und unterstützen. Das gelingt, wenn jeder Mitarbeiter seine Aufgabe kennt, sich dieser gewachsen fühlt und – sozusagen als Krönung des Ganzen – seine Arbeit gut und gerne macht."
Ist Ihnen das gelungen?
"Wir stehen ganz am Anfang! Die Seele eines Konzerns herauszukitzeln, jeden Mitarbeiter in seinem Potential zu fördern und das Kerngeschäft optimal zu erfüllen ist ein steter Entwicklungsprozess. Und Entwicklungsprozesse dauern!"
Bea Miescher
23. April 2007
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