Rubrik: Event
Kongress 2008: Ein Bekenntnis von Dr. med. Christian Larsen
600 Teilnehmer ließen sich am letztjährigen Kongress begeistern. Kritik kam vor allem aus den Spiraldynamik-Reihen: „Was haben denn Bio-Roboter auf unserem Kongress zu suchen?“ Meine Antwort ist leidenschaftliches Bekenntnis und Vision zugleich.
Die Vision zielt auf eine offene, lernende Spiraldynamik Gemeinschaft und richtet sich gegen jede Art von kollektiver Nabelschau und Festhalten aus Gewohnheit. Scholastiker der Antike und unbelehrbare Gelehrte aller Zeiten haben etwas gemeinsam: Sie sind nicht wirklich offen für Neues. Yolande Deswarte und ich haben traditionelles anatomisches Wissen hinterfragt, Disziplinen über deren Grenzen vernetzt und neue Ideen erdacht. Forschungswille und Mut zum Querdenken haben damals zur Spiraldynamik geführt und garantieren heute deren Weiterentwicklung.
Was haben Roboter mit der Spiraldynamik zu tun?
Die Anatomie des Menschen wurde während Jahrhunderten mechanistisch als Knochen-Gelenk-Muskel-Konstrukt gesehen, das sich nur dank raffinierter Steuerung im Gehirn bewegen kann. Spiraldynamik hat gezeigt: Die Konstruktion ist intelligent und hat einen roten Faden – das Spiralprinzip. Jetzt entwickelt Professor Pfeifer eine Alternative zum Zentralrechner gesteuerten Roboter: Er „bastelt“ aus einfachen Dingen und mit minimaler Rechenleistung schwimmende Fische, hüpfende Frösche und springende Hunde; verlagert die Bewegungsintelligenz in die Peripherie und spricht vom „Outsourcing von Rechenleistungen in den Körper“.
Ein transdisziplinäres Déja-vu!
Dieses neue Verständnis in der Robotik entspricht analog genau dem, was Yolande und ich zwanzig Jahre zuvor entdeckt haben! Das lässt mein Herz höher schlagen, ist mir eine persönliche Bestätigung für die Richtigkeit des Ansatzes und präzisiert mein funktionelles Verständnis. Ein Mitarbeiter von Prof. Pfeifer beispielsweise ist dabei, einen menschlichen Tanz-Roboter zu bauen. Die Komplexbewegung im oberen und unteren Sprunggelenk hat er mit nur einem Gelenk und zwei Seilen gemeistert. Damit steht der Tanz-Roboter dank seiner „Achillessehne“ schon ganz ordentlich auf seinem Fersenbein – ganz ohne die für uns so wichtigen hinteren und vorderen Schienbeinmuskeln. Interessant und sehr spiraldynamisch!
Freigeister halten uns den Spiegel vor!
Während der letzten zwei Jahre hatte ich die Chance, mich wiederholt und vertieft mit Dr. med. Gunter Frank, Udo Pollmer und Dr. med. Alois Wechsler auseinanderzusetzen. Dabei wurde mir klar, wie vielen Irrtümern ich selbst aufgesessen bin. Meist sind es Dinge, die ich als Student mal gelernt und seither nie mehr hinterfragt habe. Dinge die ich so oft gehört habe, dass ich sie ohne Prüfung des Wahrheitsgehaltes verinnerlicht habe. Ehrlich gesagt, ich war ziemlich schockiert über mich selbst! Ich begann, mich umzusehen – bei Ärzten, Therapeuten und Spiraldynamik Fachkräften. Ich war gleich noch einmal schockiert: Achtzig Prozent der gängigsten Irrtümer, Fehler und Vorurteile werden von der Mehrheit der Fachleute geteilt. Ich bin also nicht der Einzige und habe mich entschlossen, der Spiraldynamik Akademie dieses Thema als Kongressthema vorzuschlagen.
Seien Sie vorgewarnt oder denken Sie quer!
Um es gleich vorweg zu nehmen: Querdenken fällt nicht leicht, auch mir nicht! Zu bequem und sicher ist das Fahrwasser der gewohnten Gedanken und Abläufe. Ich kenne kaum jemand, der sich mit tiefgreifender Veränderung wirklich leicht tut. Wer gibt schon freiwillig lieb gewonnene Gewohnheiten auf? Die harte Schale der kollektiven Vorurteile muss zunächst geknackt werden, damit neue Erkenntnisse dämmern können. Hinter dem Kongressthema „Die Neuen Irrtümer“ steckt ein leidenschaftliches Bekenntnis für Offenheit und Querdenken. Am diesjährigen Kongress lernen Sie Referenten kennen, die polarisieren, gern Geglaubtes hinterfragen, Mythen entzaubern, Gewohnheiten ablegen und Neues wagen. Das braucht starke Nerven – sagen Sie bitte nachher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!
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Christian Larsen
16. Juni 2008
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