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Rubrik: Ausprobiert MBT: Renn-Traben statt Stress-Laufen Der Masai-Barfuß-Technologie Schuh - kurz MBT - erobert die Schuhregale, sorgt für Schlagzeilen und soll ein völlig neues Laufgefühl vermitteln. Bei der Konstruktion standen die Stroh-Sandalen Koreanischer Reisbauern Pate. Die obligaten Instruktionen orientieren sich am Laufstil der Massai. Das Fazit aus Spiraldynamik-Sicht: Konstruktion clever, Instruktion weniger. Massai Krieger sind berühmt für ihre stundenlange Ausdauerläufe durch endlose Savannen. Im lockeren Laufstil verfolgten sie Antilopen, bis diese vor Erschöpfung umfallen. Hüftiere müssen immer zwischen Trab und Galopp wechseln, der ständige Wechsel zwischen Beschleunigung und Abbremsen verbraucht kostbare Energiereserven. Der Mensch hat’s da besser, er kann sein Lauftempo stufenlos regulieren und damit viel ökonomischer laufen. Mit den Massai Kriegern hat der MBT-Schuh – obschon namensgebend – allerdings herzlich wenig zu tun. Die Idee zum „Schuh ohne Absatz“ entstand am anderen Ende der Welt, in Korea. Einfache Sandalen aus Reisstroh brachten den Schweizer Karl Müller vor Jahren auf die Idee, Schuhe zu einem Trainingsinstrument für natürliches Lauftraining umzunutzen. Das Ausdauertraben der Massai
unterscheidet sich radikal vom Fortbewegungsstil moderner Großstadtmenschen.
Wichtigstes Merkmal: Die Steppenböden sind uneben. Unebenheiten,
wohin das Auge schaut, wohin die Füße treten. So werden die
Fuß- und Unterschenkelmuskeln ständig, dreidimensional und
intensiv trainiert. Genau dieses Training fehlt modernen Großstadtfüßen.
Es gibt keine Unebenheiten mehr! Alle Böden sind planiert. Teppich,
Rasen, Asphalt, Rennbahn – alles superflach. Richtig, man kann
dem modernen Menschen keine Wurzeln, Steine und andere Dinge in den
Weg legen, damit seine Füße wieder lernen, richtig zu gehen.
Aber umkehren lässt sich das Prinzip. Genau dies ist die clevere
Erfindung von Karl Müller: Statt „flache Schuhe auf unebenen
Böden“ heißt es jetzt „unebene Schuhe auf flachen
Böden“. Dem Erstmodell fehlte hinten einfach der Absatz –
wie abgesägt. Die Folgemodelle hatten hinten anstelle des klassischen
Fersenpolsters ein Luft gefülltes Gummipolster. Die Gummi-, Luft
und Wackelfersen simuliert jetzt eine unebene Fläche und zwingen
den Körper zu einer Reihe von Anpassungen. Der Fuß muss sein
Gleichgewicht in jedem Moment neu finden und aktiv stabilisieren –
Schritt für Schritt. Savanneneffekt auf Betonboden. Ganz schön
clever. Dr. med. Christian Larsen
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