Rubrik: Bewegungslernen
Embodiment: Hirnlos und doch so klug
Rolf Pfeifer, Professor am Departement of Informatics der Universität Zürich stellte die gängigen Roboter-Bilder kurzerhand auf den Kopf. Sozusagen mit hirnloser Intelligenz – paradox und zur Freude der Spiraldynamiker!
Pfeifer löste beim Publikum mit seinen Robotern schon fast kindliche Begeisterung aus: Er entwickelt Roboter, die nahezu ohne Programmierung auskommen. Die handelsübliche Vorstellung von Robotern stand schon mal Kopf: Über Jahrzehnte waren wir der Ansicht, dass clever programmierte Roboter uns dereinst die Arbeit abnehmen würden – doch Pfeifers Arbeit geht genau in die andere Richtung – und das ist echt spiraldynamisch: Möglichst wenig zentrale Steuerung, dafür ein Körper, der sich absolut clever und zielführend bewegt. Embodiment nennt Pfeifer die perfekte Organisation dieser selbsttätigen Dinger. Dabei schaut er der Natur auf die Finger – genau wie die Spiraldynamiker: Es kann nicht sein, dass Ameisen derart geniale Baumeister sind, solche Lasten tragen können und den Weg ins Nest immer wieder finden, nur weil sie IQ-mäßig so schlau sind. Also wenn sie’s nicht im Kopf haben, wo haben sie’s dann? Die Antworten liegen in der fortlaufenden Optimierung während Jahr Millionen, in der Reduktion aufs Wesentliche, in jeder Zelle, in jedem Gelenkswinkel. Daran orientiert sich Pfeifer. Er baut hundeähnliche Roboter – auch wieder ohne Programm, lediglich anatomisch klug und mit einem kleinen Motor als Antrieb. Die Koordination der Bewegung wird durch die „anatomische Konstruktion“, durch das Embodiment selbst erzeugt. Resultat: Die Bewegungen sind einfach tierisch gut und putzig!
Für die Spiraldynamik-Therapie spricht das Bände!
Wer schon mal in einer Spiraldynamik Therapie war, kennt das Phänomen: Nach einer Stunde Gangschulung weiss der Patient oft nicht mehr, wie viele Füße er hat und wie er gehen soll: „Jetzt weiss ich rein gar nichts mehr!“. Kein Wunder: Das Stammhirn wurde durch archaische Bewegungsmuster neu aktiviert – zusammen mit dem Kleinhirn, das für die raum-zeitliche Feinabstimmung beim Gehen mitzuständig ist. Das sind komplexe neurologische Lernschritte, und die können ganz schön verwirren! Doch hinter dieser Erfahrung steckt riesiges Potential: Die Wiederentdeckung und Neunutzung angeborener Bewegungsintelligenz.
Die Realität holt die Vision ein – zum Glück!
Professor Pfeifer gelingt es, durch clevere Konstruktion der Mechanik die notwendigen zentralen Steuerungsprozesse möglichst gering zu halten. Das ist perfektes „Outsourcing“ von zentraler Rechenleistung, also des Gehirns, an die periphere Mechanik, den Körper. Das clevere und einfache Design spart gewaltige Speicher- und Rechenkapazitäten im Gehirn, die so für andere Dinger frei zur Verfügung stehen. Genau das tun wir in der Spiraldynamik-Therapie: Wir optimieren 3D-Bewegungsabläufe, wir arbeiten gezielt an Beweglichkeit und Stabilität, am Timing und an der Bewegungsökonomie. Was Prof. Pfeifer heute als einer der weltweit führenden Entwickler künstlicher Intelligenz herausfindet, ist uns aus der spiraldynamischen Praxis vertraut: Bewegungsqualität entsteht durch Interaktion kognitiver, emotionaler und körperlicher Intelligenz.
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ehr zu Prof. Dr. Rolf Pfeifer:
http://www.spiraldynamik.com/ns0070_portrait_200707_profpfeiffer.htm
Bea Miescher
20. November 2007
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