Rubrik: Bewegungslernen
Die Vision: Bewegung als selbstverständliches didaktisches Prinzip

Schulpausen mit aufgerichtetem Becken, „Fangis“ mit vitalen Füssen und Turnstunden mit koordinierten Beinachsen. Die Schule kann während elf Jahren an Bewegungsqualität arbeiten. Eine Vision, die zur Selbstverständlichkeit werden muss.
Pädagogen, Ärzte, und Wissenschaftler sind alarmiert: Mangelnde Bewegung, einseitige Ernährung, zu viel Medienkonsum – die WHO bestätigt in Studien, dass zwei Drittel aller Kinder weltweit zu wenig aktiv sind. Zu wenig Bewegungserfahrung bedeutet mangelnde Reize für die gesunde körperliche, geistige und soziale Entwicklung.
Eine aktive Kindheit und eine bewegte, gesundheitsfördernde Schule sind gefragt. Durch Projekte wie „Aktive Kindheit – gesund durchs Leben“, „Bildung braucht Bewegung“ oder „Begreifen braucht Bewegung“ liegen wertvolle Unterlagen vor, die aufzeigen, wie sich Bewegung als didaktisches Prinzip auf das Kind, seine Gesundheit und Vitalität, aber auch auf sein Lern- und Sozialverhalten auswirkt. Bewegung fördert Gesundheit im weitesten Sinn: “Sie erweitert Wissen, Raumvorstellung und Kreativität, verknüpft Wahrnehmung, Denken und Handeln und schafft so fruchtbaren Boden für schulisches Lernen und Leisten“. (aus „Begreifen braucht Bewegung“)
Durch die Vermittlung der spiraldynamischen Grundprinzipien kann auf diese bestehende Didaktik eine Krone aufgesetzt werden: Die Qualitätskrone. Bewegung und Bewegungsvielfalt erfahren einen Qualitätsgewinn par excellence. Man stelle sich vor, dass bewegte Pausen mit aufgerichtetem Becken, Fangis mit vitalen Füssen und Turnstunden mit koordinierten Beinachsen stattfinden.
Für Lehrpersonen ist es wichtig zu wissen, dass sie sich an der allgemeinen Bewegungsdidaktik und an Bewegung als didaktischem Prinzip orientieren können. Die Spiraldynamik verbessert „nur“ die Qualität, weil sich die Kinder durch ihre erhöhte Körper- und Bewegungswahrnehmung zunehmend anatomisch koordiniert bewegen können. Gelernt wird koordinierte Bewegung durch entdeckendes Lernen, lernen durch Erleben und Erfahren. Die Lehrperson sollte als Vorbild wirken: durch ihr eigenes Auftreten und dadurch, dass sie den Schülerinnen und Schülern kontinuierlich Lernchancen ermöglicht.
Vom Kindergarten bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit hiesse das nicht nur elf Jahre Bewegung, sondern ebenso elf Jahre Bewegungsqualität. Eine Qualität, die sich über diese Anzahl Jahre entwickeln und festigen kann. Wenn das Kindergartenkind sein Bäuchlein also immer noch rausstreckt und die Knie nach hinten durchdrückt, muss sich die Kindergärtnerin wenig Sorgen machen, ihr Ziel nicht erreicht zu haben. Ihre Kollegin der nächsten Schulklasse fährt fort, daran zu arbeiten. Spätestens in der Oberstufe sehen wir einen jungen Menschen, der aufgerichtet mit Rückgrat durchs Leben geht. Meine Vision!
Literatur:
Begreifen braucht Bewegung. Jahresbroschüre 2005/06Beratungsstelle Gesundheit der Päd. Hochschule, Fachhochschule Nordwestschweiz.
Zahner, L., u.a.
Aktive Kindheit – gesund durchs Leben
Handbuch für Fachpersonen . BASPO 2004
SVSS Schweiz
Bildung braucht Bewegung
Education Initiative des SVSS 2005 Verband für Sport in der Schule
Renate Lauper
15. August 2006
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