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Rubrik: Medizin


Einheitskasse: Kommunismus im Hosentaschenformat?



Die Eidgenossen stimmen über eine „Einheitskasse“ ab. Der Arzt Christian Larsen – Mitbegründer der Spiraldynamik – nimmt Stellung und führt drei Argumente ins Feld: Ein sehr polemisches, ein überaus praktisches und ein ganz persönliches.

Die Schweiz gab im letzten Jahr fünfzig Milliarden für das Gesundheitswesen aus – das zweit teuerste Gesundheitswesen der Welt, 11.6 Prozent des Bruttoinlandprodukts. In Deutschland sind es 10.9 Prozent. In der Schweiz sind dies theoretisch 10'000 Schweizerfranken pro Person und pro Jahr. Teenager zahlen 200 Franken, Senioren bis 1000 Franken Monatsprämie. Der Staat subventioniert den Differenzbetrag mit Steuergeldern. Die Prämien explodieren, das Volk stöhnt, Spitäler fahren hohe Defizite ein, 87 Krankenkassen betreiben Risikoselektion, die Ärzte ertrinken in Vorschriften und Papierfluten.

Das ambulante Gesundheitswesen der Schweiz weist zwei Besonderheiten auf, die in dieser Kombination weltweit einzigartig sind. Erstens besteht ein Versicherungsobligatorium – alle sind versichert. Und zweitens gibt es im ambulanten Bereich nur ein einziges Grundversicherungspaket – alle sind gleich versichert. Gesetzliche und private Kassen wie in Deutschland oder Zuschlagszahlungen wie in Österreich gibt es im Ambulatorium Schweiz nicht! Wird die Initiative vom 11. März 07 angenommen, bedeutet dies eine „vom Staat verordnete und vom Staat geführte Einheitsversicherung“. Auf den Punkt gebracht entstünde ein kommunistisch anmutendes Versicherungskonstrukt in einem bekennenden kapitalistischen Land. Ob das wohl gut geht?

Jetzt zum Praktischen: Die Qualität des medizinisch-ambulanten Angebots würde mit Sicherheit leiden. Die erhoffte Kostensenkung ist nur zum Preis eines Qualitätsverlustes zu haben. Einschneidende Nachteile für Patienten sind: der Verlust der Wahlfreiheit, längere Wartezeiten und eine Kürzung des Leistungskatalogs. Hand aufs Herz: Glauben Sie wirklich, dass eine staatliche Einheitskasse Ihr Anliegen als Patient besser vertreten würde? Staatliche Monopolbetriebe sind weder für Herzlichkeit, Effektivität noch für Innovationsgeist berühmt. Wehe den Patienten, die weder den Arzt noch die Kasse wechseln können. Übrigens: Auch die Schweizerische Stiftung für Konsumentenschutz empfiehlt ein klares Nein.

Zum Schluss meine ganz persönliches Perspektive: Ich bin Arzt und liebe meinen Beruf. Und ich möchte, dass es so bleibt, auch in Zukunft. Ich möchte primär Menschen dienen. Die Perspektive, am 11. März zum Staatsdiener zwangsbefördert zu werden, ist wenig erbaulich.

Dr. med. Christian Larsen
20. Februar 2007


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