Spiraldynamik ist die Kunst und Wissenschaft der anatomisch richtigen Bewegung
  News Übersicht »    Artikel Drucken »
Rubik: Medizin


Der zuständige Bundesrat streicht fünf Therapie-Methoden aus der Krankenkassen-Grundversicherung. Der Entscheid löst heftige Reaktionen an allen Fronten aus. Dr. med. Christian Larsen nimmt Stellung zum brandaktuellen Politikum.

3. Juni 2005: Bundesrat Couchepin kippt Homöopathie, Phytotherapie, traditionelle chinesische Medizin, Neuraltherapie und anthroposophische Medizin aus dem Grundversicherungskatalog. Begründung: Zu wenig wirksam, zu wenig wirtschaftlich. Vor fünf Jahren wurden die fünf Methoden versuchsweise in den Pflichtleistungskatalog aufgenommen, jetzt werden sie wieder gekippt. Verständlicher Ärger auf Seiten der Patienten – sie müssen jetzt eine Zusatzversicherung abschliessen oder gleich selber in die Tasche greifen. Verständlicher Ärger auf Seiten der komplementär-medizinischen Leistungsanbieter, die klammheimlich vom einkommenssichernden Finanzstrom der Krankenkassen ausgeklammert wurden.

Die wissenschaftliche Sichtweise: Die Versuchsphase wurde wissenschaftlich begleitet, die Methoden getestet. Das Programm Evaluation Komplementärmedizin (PEK) hat stolze sechs Millionen Franken verschlungen und – erwartungsgemäss – keine schlüssigen Resultate geliefert. Der leidenschaftliche Streit entflammt bei der Interpretation der erhobenen Daten. Komplementär-Mediziner führen die erwiesene Patientenzufriedenheit zu ihren Gunsten ins Feld, Schulmediziner pochen auf Wirksamkeitsnachweis durch objektive Fakten. Der Konflikt ist programmiert. Der Streit um die WZW-Kriterien – Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit – bleibt mit Sicherheit ein Dauerbrenner.

Die finanzielle Sichtweise: Die Gesundheitskosten in der Schweiz betragen rund 50 Milliarden Franken pro Jahr. 50'000 mal eine Million – eine gewaltige Summe. Der Kostenanteil für Medikamente liegt mit 5’000 Millionen Franken bei 10 Prozent der Gesamtkosten. Der Kostenanteil für die fünf komplementär-medizinischen Methoden liegt mit 50 Millionen unter 0.2 Prozent - die Kosten für weggeworfene Medikamente sind um ein vielfaches höher! Das potenzielle Sparpotenzial des bundesrätlichen In-den-Katalog-rein-und-wieder-raus-Manövers ist gering.

Die gesellschaftspolitische Sichtweise: Früher war der Arzt in erster Linie Arzt. Patienten hofften, Versicherungsleistungen möglichst nie in Anspruch nehmen zu müssen. Die Krankenkasse waren primär Solidaritätsgemeinschaften. Heute sieht alles anders aus. Der Arzt mutiert zum medizinisch geschulten Bürokraten im angestellten-ähnlichen Verhältnis. Patienten spekulieren, wie sie mit Hilfe von Zusatzversicherungen kostengünstig ein Fitness-Abo, eine Massage-Serie oder eine Lebensberatung bekommen. Bei den Kassen werden im Gegenzug Shareholder Values statt Careholder Values hochgehalten. Ärzte leben von der Krankheit, Spitäler überleben dank Operationen. Fazit: Vom heutigen Modell – vom Gesundheitsmarkt als Supermarkt – gilt es Abschied zu nehmen. Die Gesellschaft – das sind wir, jeder Einzelne – wird sich der Frage stellen müssen, wer wann welche Leistung warum und zu welchem Preis auf Kosten der Solidargemeinschaft beziehen darf, beziehungsweise was selbst bezahlt werden muss.

 

Meine persönliche Sichtweise: Es war unklug, die komplementären Methoden damals in den Pflichtleistungskatalog aufzunehmen. Und phantasielos, sie heute wieder rauszukippen. Das Sparpotenzial ist minimal, die Grundprobleme bleiben ausgeklammert. Die Zusatzversicherungen werden mit Sicherheit Hochkonjunktur haben. Dabei werden die Kassen gnadenlos eine profitable Risikoselektion betreiben: Wer bereits eine Diagnose wie „Rückenschmerz“ gefasst hat, zu alt ist oder sonst was hat, wird von der Zusatzversicherung automatisch ausgeschlossen. Erwünscht sind gesunde Prämienzahler ohne Leistungsansprüche. Die Prämien der Zusatzversicherungen werden steigen. Und es wird Listen geben – Listen für Spitäler, Ärzte, Methoden, Therapeuten, Fitness-Zentren usw. Regulierungsdichte und Komplexität werden zunehmen. Die Qualität des Gesundheitswesen hingegen kaum.

Die Spiraldynamik Sichtweise: Gut, dass Entscheide gefällt werden – schlecht, dass sie auf Reduktion beruhen anstatt auf Entwicklung. Auf Detailkosmetik anstatt auf Grundlagenveränderung. Durch den bundesrätlichen Entscheid ändert sich für die Spiraldynamik nichts. Im Gegenteil, wir werden durch den Entscheid und durch die sich abzeichnenden Entwicklungen in unserer bisherigen Strategie bestärkt: Konsequente Nutzenorientiertheit und Kostentransparenz, Eigenverantwortung und Partnerschaft. Wir erbringen ärztliche und therapeutische Pflichtleistungen zu den gesetzlich festgelegten Tarifen. Darüber hinausgehende Leistungen unterliegen grundsätzlich dem Selbstzahlerprinzip. Wir fördern und fordern Eigenverantwortung und Veränderungsbereitschaft, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt, zwischen Therapie und Selbsthilfe. Unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf dem Gebiet der modernen Bewegungsmedizin kommt direkt unseren Kunden und Patienten zu gut.

Christian Larsen

20. Juni 2005


  News Übersicht »    Artikel Drucken »