Steve Bass: vom "Sitzling" zum Dynamiker

Steve Bass: Patientenportrait

patientenportraitEr ist ein Hüne von Gestalt und seit Kindheit durch und durch Bewegungsmensch, bis ihn der Computer buchstäblich fesselte und mit Sitzschäden peinigte. Sein Weg zurück zur Bewegung.

Steve Bass wuchs neben dem Schulhaus auf: Der Pausenplatz war sein Treffpunkt mit Freunden. Fußball, Weitsprung, die Kletterstange hoch und runter - danach ab in den Wald. Steve Bass war draußen zuhause. Er war bei den Pfadfindern, im Turnverein, im Sommer am Schwimmen, im Winter auf dem Eis - Hauptsache Bewegung.

Amiga wurde Amigo
Als Sohn einer Lehrerin und eines Arztes war die glänzende Schulkarriere natürlich vorgezeichnet. Oder doch nicht? "Das dachten alle, aber das Gegenteil war der Fall," erinnert sich Steve Bass. "Ich ging gerne zur Schule, weil da meine Kollegen waren und natürlich der Sportplatz - alles andere fand ich eher mühsam." Doch Anfang der Achtzigerjahre kam etwas ganz Spannendes dazu: Der Computer. Der gute alte Commodore Amiga - damals brand neu - fesselte den damals 15-Jährigen total. Spiele wie Kings Quest erreichten Kultstatus, aber auch die Technik an sich faszinierte den jungen Mann. Plötzlich stiegen die Schulnoten in Mathe an, Bewegung dagegen nahm proportional ab, mit den bekannten Folgen wie Gewichtszunahme. Mit einem erneuten Wachstumsschub gedieh Steve Bass zum Football-Spieler mit Gardemaßen: Er spielte erfolgreich als Linespieler beim American Football-Club Bülach Giants, bis der knallharte Sport seinen Tribut forderte: Meniskusriss. Die folgende Phase eingeschränkter Bewegungsfreiheit kam zeitgleich mit der Ausbildung zum Pädagogen. Sitzen war wieder angesagt, und da schlichen sich unerkannt Haltungsfehler ein. Bei einem Hünen wie Steve Bass die klassische "Schildkrötenhaltung" vor dem PC mit Rundrücken, vorverlagertem Kopf und gestauchtem Nacken. Dazu kam der 2 x 90 Grad Knick in Knien und Hüften. Nicht schlimm, aber konstant Verschleiß fördernd. Der junge Mann saß sich die Probleme buchstäblich an.

Der große Autsch beim Mini-Golf
Steve Bass, inzwischen Medienpädagoge und Leiter einer Wing Tsun Kung Fu-Schule, gründete eine Familie und zog ins Elternhaus mit genügend Platz für die drei Kinder. Als er mit ihnen erstmals zum Minigolf ging, zeigte er ihnen die korrekte Schlagtechnik nach Tiger Woods - und erstarrte vor Schmerz. Der Bandscheibenvorfall legte ihn tagelang lahm. Innerlich wühlte er ihn auf: Wie konnte es sein, dass er sich mit knapp 40 Jahren steinalt fühlte? Knieprobleme, Rückenschmerzen, starke Schulter- und Nackenverspannungen, Konzentrationsmangel. Musste er akzeptieren, dass die zweite Lebenshälfte durch Schmerzen eingeschränkt wurde? Die Vorstellung schlug aufs Gemüt und Steve Bass begann nach neuen Wegen zu suchen:

Endlich ein verständliches Konzept
An einem Mittagessen bei seiner Schwester, die Ärztin ist, lernte er ihren Berufskollegen Christian Larsen, den Begründer der Spiraldynamik kennen. Guter Rat war ausnahmsweise nicht teuer, denn der Bewegungsmensch Steve Bass begriff von der ersten Minute an, worum es bei Spiraldynamik geht: "Endlich konnte ich etwas aktiv für mich tun. Bisher wurde ich behandelt, hatte aber wenig Ahnung, was dahintersteckte." Nach dem ärztlichen Check-up folgte die maßgeschneiderte Physiotherapie am Spiraldynamik Med Center bei Anne Kathrin Kirsche, einer erfahrenen Physiotherapeutin und Spiraldynamikfachfrau. "Vom Tag eins der Therapie an ging es besser," sagt Steve Bass. Das Team Physiotherapeutin-Patient funktionierte perfekt. "Frau Kirsche sprach von Rotation, von Dynamik und klar definierten Drehrichtungen. Das kannte ich aus dem Kung Fu Training - es schien sich ein Kreis zu schließen." Erstmals nach der Odyssee durch zahlreiche Therapieformen konnte er aktiv etwas gegen seine multiplen Beschwerden tun. "Und das Idealste: Ich musste nicht täglich isolierte Übungen machen: 24 Stunden richtig bewegen, ohne Sonderaufwand - das ist genau das, was ich suchte."

Die Kunst intelligent zu sitzen
Heute ist Steve Bass weitgehend schmerzfrei: Der Alltag ist sein Trainingsfeld. Sitzen ist immer noch oft angesagt - aber clever. Bewusst und aktiv sitzen ist für den Medienpädagogen zur guten Angewohnheit geworden. Als Dozent steht und geht er viel, achtet auf die Koordination des gesamten Körpers. Am Computer schaltet er Bewegungssequenzen ein, entspannt die Schultern in die Breite, was nota bene nicht nur gesund ist, es sieht auch unverschämt gut aus: Mehrwert und Selbstbewusstsein auf der ganzen Linie. Verspannungsschmerzen sind für Steve Bass allenfalls das Signal, um aktiv zu werden: Aufrichten, Rotationsbewegungen einschalten, Sitzposition variieren, überall und immer findet er die Möglichkeit zu Bewegungs- und Haltungsqualität. Alles parallel zur Arbeit und bereichernd, da der bewegte Körper den Geist durchlüftet. Kung Fu hat eine neue Bedeutung und neue Bewegungsdimensionen erhalten. Herumtollen mit den Kindern geht wieder schmerzfrei und ausgelassen. Steve Bass schaffte die Rückeroberung der eigenen Dynamik in allen Facetten.

Bea Miescher
30.März 2011