20 Jahre Spiraldynamik® – Teil 7

Spiraldynamik®: Aufschwung statt Krise

20 jahre Spiraldynamik| Das Unternehmen Spiraldynamik organisiert sich neu - das Krisenjahr 2011

Krise und Konsolidierung
Krise und Konsolidierung – zwei Wörter wie Unfall und Genesung. Oder Krankheit und Heilung. Krise ist, laut Duden, eine schwierige Situation oder Zeit, die den Höhe- und –wenn alles gut geht – den Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt.

In eine Krise war das Unternehmen Spiraldynamik Ende 2010 tatsächlich geraten. Im September 2010 erkannten die Verantwortlichen, dass sie das Expansionsprojekt rabiat stoppen mussten. Böses Erwachen: Das Geld, das für 5 Jahre hätte reichen müssen, war bereits nach einem Jahr verbraucht, die Mengenziele aber nur zur Hälfte erreicht (wir haben im letzten Newsletter darüber berichtet). Die Ausgaben galoppierten davon – es waren viele neue Mitarbeitende eingestellt worden. Die Umsätze dagegen – die Zahl der behandelten Patientinnen und Patienten – konnten nicht schnell genug mitwachsen. Der Verwaltungsrat reagierte spät, aber entschieden. Das Steuer wurde herumgerissen. Die Konsequenzen waren einschneidend.

Als erstes musste der operativ Verantwortliche gehen. Es wurde ein sofortiger Investitionsstopp erlassen. Alle nicht lebensnotwendigen Anschaffungen wurden gestrichen. Aber das allein genügte noch nicht. Um das finanzielle Überleben zu ermöglichen, musste auch die Produktivität erhöht werden, wie der Ausdruck so unschuldig lautet. Es musste also mehr «produziert» werden- und das heisst bei einem medizinisch-therapeutischen Dienstleistungsunternehmen wie der "Spiraldynamik": Mehr verrechenbare Patienten-Zeit und weniger Zeit für Admin, Meeting und Projekte. Schwierig, das in kürzester Frist zu erreichen. Gleichzeitig mussten die Produktionskosten gesenkt werden. In der personalintensiven Expansionsphase betrugen die Lohnkosten 72% des Bruttoumsatzes. Klartext: Es führte kein Weg daran vorbei, Mitarbeitende zu entlassen oder zu deutlich tieferen Löhnen neu einzustellen. Der Grossteil der Kündigungen, die ausgesprochen wurden, waren denn auch Änderungskündigungen: Die Mitarbeitenden, die bleiben wollten, mussten auf bis zu einem Drittel ihres Gehalts verzichten – vor allem auf den oberen Stufen hiess es "Gürtel enger schnallen", medizinische Leitung miteingeschlossen. Das war nicht allen möglich. «In zwei Wellen mussten wir Menschen entlassen», berichtet Christian Larsen, «und die Kündigung traf nicht nur die Neuen, sondern auch langjährige Mitarbeitende, die viel zum Aufbau des Spiraldynamik Med Center beigetragen hatten und uns ans Herz gewachsen waren. Das war hart für beide Seiten, und bitter für mich. Ich bedaure es noch heute.» Aber wirtschaftlich war es notwendig.

Wie kam es zur Krise – oder über den schmalen Grat zwischen Erfolg und Misserfolg
Warum gelingt oder misslingt etwas bei gleichen Ausgangsbedingungen? Die Expansion war sorgfältig und verantwortungsvoll vorbereitet worden. Die Risiken, die eingegangen wurden, waren kalkuliert. Was beim Misserfolg klar wird, beim Erfolg aber oft übersehen oder für selbstverständlich genommen wird: Es braucht immer auch ein Portion Glück, damit etwas gelingt. Hier eine zufällige Begegnung, dort ein optimaler Zeitpunkt – das sogenannte «unverhoffte Glück» hilft dem Tüchtigen nicht nur, es macht ihn erst dazu!

Bei der missglückten Expansionsstrategie zeigt sich im Rückblick die übliche Kette unglücklicher Umstände – und wie fast immer hiess das schwächste Kettenglied «menschliches Versagen». Der CEO wollte zu schnell wachsen und hatte zu viel Geld gesprochen. Der für die Kontrolle zuständige Finanzverantwortliche wurde in dieser Zeit gleich zweimal gewechselt – mit dem absolut desaströsen Umstand, dass viel zu lange keine aktuellen Zahlen zur Verfügung standen. Auf die frühzeitigen Warnungen des externen Finanzexperten wurde nicht gehört. Der Verwaltungsrat reagierte 3 Monate zu spät.

Hinzu kam, dass das Berner Salem Spital dem Spiraldynamik Med Center Bern wegen eines Kommunikationsfehlers die Partnerschaft kündigte, was die erhofften Synergien schmälerte.

Dass angesichts dieser Umstände nicht nur die Zahlen, sondern auch die Stimmung der Mitarbeitenden in Akademie und Med Centers in den Keller fiel, wen wundert's. Mit der implodierten Expansionsdynamik war auch die Aufbruchstimmung in sich zusammengebrochen. Und es gibt nichts Traurigeres als zerfetzte Ballone.

Fazit Christian Larsen: «Ich musste oft an das denken, was Prof. Wolfgang Schöllhorn am Jahreskongress 2010 zum Bewegungslernen ausgeführt hatte. <Differenzielles Lernen> geht nicht ohne Fehler. Fehler sind quasi konzentrische Schwankungen auf dem Weg zu einem klar definierten Ziel. Sie sollen im Gegenteil bewusst eingesetzt werden. Wenn wir uns im Verwaltungsrat einen Vorwurf machen müssen, dann den, die Leitplanken, Parameter und Kriterien für die erfolgreiche Expansion nicht bewusst und klar genug gesetzt zu haben. Für dieses Nichtwissen, für diesen Mangel an einem überprüfbaren Lernkonzept tragen wir selbst die Verantwortung.»

Konsolidierung: Weiterarbeit auf neuer Grundlage
In der Medizin versteht man unter der Begriff «Konsolidierung» die Heilung von Verletzungen – zumindest aber das Nichtfortschreiten von Erkrankungen! Dank der Anstrengung vieler gewann die "Spiraldynamik" bald wieder festen Boden unter den Füssen – buchstäblicher kann man Konsolidierung kaum übersetzen.

«Zwei Menschen gebührt hier besonderer Dank», sagt Christian Larsen. «Sie haben in zeitintensiver Fronarbeit entscheidend dazu beigetragen, dass der Karren aus dem Dreck gezogen werden konnte: Florian Binzer in Verwaltung und Marketing und Beat Kräuchi in den Finanzen. Ende August 2011 hatten wir die Zahlen wieder im Griff. Das Geschäftsjahr 2011 endete mit einer schwarzen Null.»

Massgeblich zum Übergang in eine ruhigere Fahrrinne hat auch das besonnene und stets unterstützende Verhalten des Hauptinvestors Thomas und Suzanne Schmidheiny beigetragen.

Florian Binzer und Beat Kräuchi bilden heute zusammen mit Christian Larsen und Christian Heel, den beiden Leitern der operativen Gesellschaften Med Center AG respektive Spiraldynamik® Akademie AG, die Gruppenleitung. Die starre Top-Down-Struktur wurde rückgängig gemacht – sie passte nicht zur Unternehmenskultur. Bei wichtigen Entscheiden werden heute alle Führungsverantwortlichen an allen Standorten miteinbezogen. Zentral werden nur noch die Finanzen, das Personalwesen, das Erscheinungsbild und Teile des Marketings verwaltet. Alle anderen Entscheidungen fallen dezentral und im Einvernehmen aller Leitungsverantwortlichen. Die leitenden Ärzte und Therapeutinnen der Med Center treffen sich dreimal pro Jahr, um mit einfachem Mehr über wichtige Fragen (aber mit Vetorecht der Gruppenleitung) zu entscheiden und fungieren so als erweiterte Geschäftsleitung. Analog werden in der Akademie die Dozenten und Experten in die Entscheidungsfindung miteinbezogen.

Krise und Konsolidierung – sie spielten sich im Inneren des Unternehmens "Spiraldynamik" ab. Nach aussen nahm alles seinen mehr oder weniger gewohnten Gang. «Unsere Patientinnen und Patienten merkten von den grossen Sorgen und Turbulenzen wenig - höchstens, dass sie eines Tages auf einen lieb und vertraut gewordenen Therapeuten verzichten mussten.»

Bern verzeichnete in der ersten Hälfte des Krisenjahres 2011 übrigens Gewinn; dann brach auch dort der Umsatz ein. Basel war in der schwierigen Lage, ohne leitenden Arzt auskommen zu müssen. «Dort blieben wir konsequent und geduldig: Lieber warten als den falschen Arzt einstellen.» Mit ärztlicher Stellvertretung aus Zürich konnte das Gröbste in gute Bahnen gelenkt und der befürchtete Schliessungsentscheid vermieden werden.

Wo stand die Spiraldynamik Ende 2011?
Am Ende des Jahres des grossen Wundenleckens können wir festhalten: Das Unternehmen Spiraldynamik hat wieder festen Boden unter den Füssen. Die Liquidität ist gesichert. Ein zuverlässiges Reporting aufgebaut. Neue Führungsstrukturen eingeführt, ebenso das neue Organisations- und Qualitäts-Handbuch. Die Arbeitsmoral ist wieder von Zuversicht geprägt.

2011 war auch Erfreuliches zu verzeichnen. In Thun konnte ein Satellit eröffnet werden. Der Spiraldynamik-Jahreskongress fand in neuem Rahmen statt, erneut zum Thema «Intelligent Learning» aber mit dem Schwerpunkt der praktischen Umsetzung und trotz «low budget» mit neuer praktischer Reichhaltigkeit.

Interessante Publikationen erschienen: Renate Lauper und Sabine Senn publizierten «10 x 10 Körpererfahrungen», ein Praxisbuch für Vorschule, Grundschule, Therapie- und Seniorenturnen. Jacqueline Huber und ihre Koautorinnen gaben ein spannendes Lehrmittel für den Sportunterricht in der Mittelstufe heraus: «Clever fit von Kopf bis Fuss» (Poster, Karten, Loseblattordner). Und Karin Rosmann-Reif schrieb zusammen mit Christian Larsen das Buch «Skoliose: Hilfe durch Bewegung».

Christian Larsen: «Und worauf ich als Chef des Qualitätsmanagements besonders stolz bin: Unser Qualitätsmanagement an den drei Med Centern Basel, Bern und Zürich wurde am Swiss Quality Award 2011 als sehr gut bewertet».

Und die Moral von der Geschichte?
«Man sagt oft, dass man gestärkt aus solchen Krisen rauskommt», sagt Christian Larsen, «aber ich empfinde nicht so. Der Erfolg hätte uns gestärkt. So aber haben wir Schwung, Kapital und Mitarbeitende verloren, jetzt sind wir einfach um viele Erfahrungen reicher – und würden die gleichen Fehler sicher nicht mehr machen.»

Die Vision eines organischen Wachstums besteht nach wie vor. Patienten in der Schweiz sollen die Erkenntnis der Spiraldynamik® und das Angebot zu Selbsthilfe und Selbstoptimierung nutzen können. Damit sie langfristig Bestand haben kann, muss die "Spiraldynamik" von vielen Menschen getragen und genutzt werden. Dann ist auch Raum für zusätzliche Forschung da. Dann können Innovationen rascher umgesetzt werden. Ein schweizweit flächendeckendes Netz ist auch ein starkes Argument für die Anerkennung durch die Krankenkassen – ein zusätzlicher Vorteil für die Patienten. Klar ist für den Verwaltungsrat aber: «Wir werden die zukünftige Expansion mit Eigenmitteln vorantreiben. Med Centers wird es nur in der Schweiz geben. In Deutschland und Österreich arbeiten wir mit zertifizierten Lizenznehmern.»

Michael Egloff
29. September 2012