20 Jahre Spiraldynamik® – Teil 6

20 Jahre Spiraldynamik® – Teil 6

20 jahre Spiraldynamik| Die Jahre der Expansion 2009 - 2010. Erste Erntezeit für die «Spiraldynamik» – und doch bitteres Brot...

Eine Vision zu haben bedeutet...
Wer ein Ziel hat, verfügt über einen grossen Vorteil: Er schaut automatisch in die Richtung, die er für gut und richtig befindet. Eine Vision zu haben bedeutet noch mehr: Man macht sich wie von Magneten gezogen auf den Weg! Die Ursprungsvision der Spiraldynamik® war und ist: Wir wollen Menschen damit vertraut machen, gut mit ihrem Körper umzugehen. Und der «geografische» Raum dieser Vision stand auch schon 1992 fest: Alle Menschen im deutschsprachigen Europa!

Vom Ziel quasi angezogen zu werden bedeutet aber noch nicht zwingend, den sicheren oder auch nur den gangbaren Weg zu haben. Die Lehr- und Wanderjahre 1992 bis 1997 waren enorm lebendig – aber auch aufwendig und turbulent. Viele Menschen kamen mit den Ideen und Praktiken der Spiraldynamik® in Berührung. Viele gaben sie auch weiter – Menschen aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Der eine war eher an der Mechanik des Körpers interessiert, die andere fasziniert von den psychologischen Zusammenhängen; wieder andere interpretierten die Ideen und Praktiken auf eine Weise, die eher esoterisch zu nennen ist. Und da die Art der Wiedergabe, des Lehrens und Therapierens enorm vom einzelnen Menschen abhängt, schufen die unterschiedlichen Resonanzen eine bunte Vielfalt von Melodien – mit einem grossen Handicap: Oft war die Substanz der Spiraldynamik® darin nicht mehr wiederzuerkennen.

Rückblickend wird klar: Der Spiraldynamik® fehlte damals eine verbindliche  Vermittlungsgrundlage, die eine gewisse Unabhängigkeit vom beruflichen Hintergrund und eine hinreichende Schutzwirkung vor allzu freien Interpretationen bot. Kurz: Es fehlten definierte und damit überprüfbare Standards für die medizinisch-therapeutische bzw. pädagogische Praxis.

Dazu kam: Auch wenn die Spiraldynamik® vielerorts Wurzeln geschlagen hatte, kam es doch nirgends zu einem lebensfähigen Modell, wo Arzt und Therapeut unter dem gleichen Dach tatsächlich zusammen arbeiteten – die Kernidee der "Spiraldynamik". So gesehen war die Gründung des Med Centers Zürich eine weitere Pionierarbeit: In Zürich kam das Pilotprojekt zum Fliegen. Zum ersten Mal arbeiteten hier Ärzte, Therapeutinnen und Bewegungspädagogen unter einem gemeinsamen Dach transdisziplinär und fruchtbar zusammen. Und es bewährte sich.

2009 dann, nach einem zehnjährigen Reifeprozess, war die Zeit für die Multiplikation gekommen. Die Spiraldynamik® war bereit für die Expansion.

Voraussetzungen für eine Wachstumsstrategie

Eine klare Vision und ein reifes Produkt respektive Dienstleistungsangebot allein aber reichen noch nicht aus, um erfolgreich wachsen zu können. Es braucht einen Plan, wie der Weg zum Ziel beschritten werden soll; also eine Wachstums- bzw. Expansionsstrategie. Es braucht auch strukturelle und organisatorische Vorbereitungen, denn eine Expansion ist zeit- und arbeitsintensiv und neben dem Tagesgeschäft nicht zu machen. Es braucht also Verstärkungen in der Führung und im Management. Aber zuerst brauchte es den Grundsatzentscheid, Abschied zu nehmen vom inhabergeführten Betrieb, um ein professionell geleitetes Unternehmen zu werden. Solche Grundsatzentscheide haben weitreichende Konsequenzen für die Unternehmenskultur. Die gewohnte Art und Weise des Zusammenarbeitens wird nachhaltig verändert. Entscheidend aber: Ohne beachtliche finanzielle Mittel kann eine Expansion nicht gestemmt werden. Die Spiraldynamik® hatte noch nicht genügend Eigenmittel erwirtschaftet, musste also eine Fremdfinanzierung finden – ein schwieriges Unterfangen. Produkt und Plan und neue Führungsstrukturen waren insofern unabdingbare Voraussetzungen, um einen Investor zu finden.

Konkret hiess das: Christian Larsen gab die Führung des Unternehmens ab und konzentrierte sich auf seine ärztliche Tätigkeit einerseits und auf die Forschung und Weiterentwicklung der "Spiraldynamik" andererseits.
In Suzanne und Thomas Schmidheiny konnte ein "Investorenpaar" gefunden werden, welches das «Produkt» Spiraldynamik® verstand, sich die "Hilfe zur Selbsthilfe" auf die Fahnen geschrieben hatte und für ein langfristiges Engagement bereit war. Für das Präsidium des unabhängigen Verwaltungsrats als oberstem Führungsgremium wurde der erfahrene Bruno Simma gewonnen. Und als Expansionslokomotive mit Marketing-Drive wurde Peter Burri im November 2009 als Geschäftsführer eingestellt. Jetzt konnte es losgehen.

Die Expansionsziele
Die konkretisierte Vision drückte sich 2009 in folgenden Zielvorgaben aus:
- Aufbau von 5 Med Centers in der Schweiz, je eines in Zürich, Bern, Basel, Luzern und St. Gallen.
- Dazu die Etablierung von 12 «Satelliten», also aus den Med Centers ausgelagerte Therapie-Praxen.
- Im deutschsprachigen Ausland der Aufbau von 1 bis 3 Med Centers als Pilotprojekte für Deutschland und Österreich.

Die Umsetzung
2010 machte Bern – die ursprüngliche Heimatbasis der "Spiraldynamik" – den Anfang. Hier war der Boden quasi schon vorbereitet. Theres Binggeli, Leiterin der Physiotherapie im Salem Spital, stellte ein Team aus erfahrenen Physiotherapeutinnen und -therapeuten zusammen. Nach einer Übergangslösung konnte mit dem Orthopäden Dr. med. Christian Gauss ein geeigneter Arzt gefunden werden. Das Med Center Bern hatte einen Raketenstart und arbeitet bis heute auf solider Basis.

Im gleichen Jahr – und sogar noch etwas früher im Ziel als Bern – wurde das Med Center Basel gegründet. Angebunden wurde es an die Infrastruktur des renommierten Bethesda-Spitals. Treibende Kraft hier war die Physiotherapeutin Marianne Artz. Als ärztlicher Leiter konnte der Dr. med. Jörg Eiserbeck, ebenfalls Facharzt für Orthopädie, gewonnen werden, der dem Aufbau anfänglich einen Tag pro Woche widmete. Viel zu wenig, wie sich herausstellte. Nach raschem und erfolgreichem Start geriet das Projekt ins Stocken. Erst mit der Vollzeit-Anstellung von Peter Hende, auch er Facharzt für Orthopädie, auf den 1. Januar 2012, konnte die zweite Stufe gezündet werden.

In Deutschland wurden einige vielversprechenden (Vor-) Projekte gestartet: in Hamburg mit Andrea Bubos; in Köln mit Andrea Soppart; in Düsseldorf mit Dr. Hanjo Petersohn und Klaus Peter Gerlach; in Freiburg mit Dr. med Paul Ridder und Sybille Flaig. Aber keines dieser Projekte kam so richtig ins Fliegen. Das Haupthindernis: die im Vergleich zu Schweiz ganz andere und juristisch komplexe Situation.

Fazit: Die Lehren aus der ersten Expansion
Basel war insofern speziell, als hier im Vergleich zu Bern ein unvergleichlich höherer Marketingaufwand betrieben wurde, viel teure Medienarbeit mit dem Lokalfernsehen zum Beispiel. Basel zeigte aber auch, dass der Aufbau eines neuen Med Centers nur bedingt forciert werden kann.

Die Ergebnisse nach 2 Jahren Expansionsanstrengungen – 3 Med Centers, 4 Satelliten und kein Pilotprojekt in Deutschland. Ende 2010 waren die für die Expansion zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht, die Strategie war nur teilweise  aufgegangen – auf den fulminanten Start folgte ein Notlandung ...

Es waren einige bittere Lehren zu ziehen, auf allen unternehmerischen Ebenen. Eine wichtige Erkenntnis für die Zukunft: Expansion braucht Zeit. Medizin und Therapie sind Vertrauenssache. Der Aufbau des Vertrauens zwischen Arzt und Patient, zwischen Therapeut und Patient braucht Zeit. Genauso der Aufbau von tragfähigen Beziehungsnetzen. Und Expansion braucht die richtigen Menschen – etwas, das wir bereits mehrfach festgehalten haben: Die Spiraldynamik® - der Umgang des Menschen mit seinem eigenen Körper - ist etwas sehr Anspruchsvolles, weil grundlegend und persönlich; sie ist kein beliebig multiplizierbares Produkt. Die Spiraldynamik® steht und fällt mit dem Engagement der «vermittelnden» Menschen. Und das ist gut so!

Michael Egloff
28. August 2012