20 Jahre Spiraldynamik® – Teil 4

20 Jahre Spiraldynamik® – Teil 4

20 jahre Spiraldynamik| Die Spiraldynamik® Akademie. 20 Jahre säen und pflanzen und Landschaften (um)gestalten.

Vor etwas mehr als 20 Jahren, 21 um genau zu sein, trug sich folgende Geschichte zu: In der Physioschule Salzburg lag ein Flyer auf, die Ausschreibung für einen Wochenendkurs zum Thema «Spiraldynamik» – übrigens der allererste solche Kurs, der in Österreich angeboten wurde. Ein 20-jähriger Student aus dem Vorarlbergischen sah diesen Flyer. Aber so spannend das Thema auch gewesen wäre: Der Kurs war für ihn unerschwinglich. Der Zufall - oder sollten wir im Rahmen der Grossen Chronik doch besser von Fügung sprechen? - wollte es, dass die Schule zwei freie Plätze zu vergeben hatte. Der Zufall wollte weiter, dass einer dieser Plätze genau diesem vielversprechenden jungen Physiotherapeuten angeboten wurde. Und der Zufall wollte drittens, dass dieser junge Mann, der seine Wochenenden in der Regel hoch in den Bergen als Bergführer zu verbringen pflegte, ausnahmsweise ein freies Wochenende hatte – und die Chance packte. So kam Christian Heel zur «Spiraldynamik» – und blieb ihr bis heute verbunden.

Chronologisch ist der Rest schnell erzählt: Christian Heel machte studienbegleitend die Spiraldynamik® Ausbildung, wurde Kursassistent und dann selbständiger Dozent im deutschsprachigen Raum. Und das hiess für Heel: 100 Tage pro Jahr auf Achse, und das während 10 Jahren. 2003 – mit dem Umzug des Med Centers in die Restelbergstrasse – erfolgte die organisatorische und räumliche Trennung, Heel wurde Leiter der neuen Spiraldynamik® Akademie AG und damit verantwortlich für den Auf- und Ausbau der Ausbildung. 2007 dann, nach weiteren Wanderjahren von einem zum anderen externen Kursraum, war das Kursvolumen so gross geworden, dass die Akademie ein eigenes zu Hause suchte. In der Privatklinik Hohenegg oberhalb von Meilen am Zürichsee wurde sie fündig, klein aber fein. 2009 verpflanzte die Akademie sich an die grossen, hellen Räume an der Südstrasse 113 in Zürich: Das ideale Quartier war gefunden.

Bewegungslernen lernbar machen
Radikal verkürzt und ultraknapp formuliert: Aus praktischer Perspektive beinhaltet «Spiraldynamik» Bewegungs-Lernen. Es ist das grosse Verdienst der «Spiraldynamik», Grundlagen geschaffen zu haben, die anatomisch sinnvolles Bewegungslernen ermöglichen, um so den Menschen die Globalzusammenhänge der Bewegung von Kopf bis Fuss näher zu bringen. Christian Heel – forschender Lehrer durch und durch – hat massgeblichen Anteil daran, dass dieses Wissen in die «Schulpraxis« umgesetzt werden konnte. Dazu musste ein hochstrukturiertes, modulares Lehr- und Ausbildungskonzept entwickelt werden, das aus allen am Bewegungslernen Interessierten hochqualifizierte Bewegungslehrende macht – und gleichzeitig für Nachwuchs-Lehrkräfte in der «Spiraldynamik» sorgt. Und so präsentieren sich die Früchte dieser Arbeit heute:

Erfolgsprinzip «Inneres Feuer»: das Wachstumsgeheimnis der «Spiraldynamik»
Wie sieht Christian Heel die Entwicklung aus Akademie-Perspektive? In der Anfangszeit verdankte die Spiraldynamik® ihr Wachstum nicht klassischen Marketing- und Werbemassnahmen, sondern einer Netzwerk-Strategie. Heel: «Von wenigen Ausnahmen wie z.B. Wien abgesehen, wo die «Spiraldynamik» im Rahmen des Programms des Fortbildungszentrums des Physiotherapieverbandes Fuss fasste, folgte das stetige Wachstum einem Muster, dass überall sehr ähnlich war: Zuerst musste ein guter lokaler Partner gefunden werden, jemand, der sich für Idee und Inhalt begeistern liess und das «heilige Feuer für die globalen Zusammenhänge im menschlichen Körper» in anderen entfachen konnte. Aus dem Netzwerk dieses Partners rekrutierten sich dann die Interessenten. Diese Partnerschaften ermöglichten gleichzeitig die Verwurzelung vor Ort – auch wenn dieser Ort manchmal ein fensterloser Kellerraum war.» Matchentscheidend war und ist das Innere Feuer. Kein Wunder, das aus diesen professionellen Partnerschaften auch menschliche Verbundenheit wuchs. Und: «Aus tiefen freundschaftlichen Beziehungen entstanden gereifte, eingeschweisste Teams von Therapeuten, die jahrelang zusammenarbeiteten. Das hat uns ausgezeichnet.»

In Zeiten der Veränderung braucht und sucht sich das Innere Feuer, ohne das die «Spiraldynamik» nicht gedeihen kann, neue Wege und Formen; muss immer wieder in neue Prozesse überführt werden – eine stetige Aufgabe und stets wieder Neuland auf organisatorischer und Führungsebene. Denn was für die Anfangszeiten galt, wo die Strukturen noch schwach ausgeprägt und die Gründerfiguren, die Pioniere der ersten Stunde, die Schöpfer des Neuen stets präsent waren, gilt heute nur noch bedingt. Neue Generationen in Lehre und Praxis sind herangewachsen. Heute ist das Spiraldynamik-Wissen um die funktionellen Zusammenhänge selbstverständlicher und im besten Sinne des Wortes alltäglich geworden. Es ist für Therapeuten und Patienten über eine Vielzahl von Büchern und DVDs zugänglich. Einige Titel wie das «Gut zu Fuss» sind sogar Bestseller geworden. «Wir haben für das, was für Therapeuten und Ärzte wesentlich ist, eine Sprache entwickelt und die Lücke zwischen Anatomie und Praxis geschlossen. Und diese Sprache kann man jetzt lernen. So verbreitet sich die Idee der Spiraldynamik® zunehmend von selbst. Zwar nicht rasend schnell – aber mehr und ohne unser Zutun», meint Heel trocken. Auftrag erfüllt, könnte man sagen. Was kommt jetzt?

Das Wort «heilen» liegt in der Luft, fällt aber nicht. Das wäre zu laut. Christian Heel ist auf intensive Art ein stiller Mensch.

Ja, und damit das den Menschen zur Verfügung gestellt werden kann – und nur darum geht es der «Spiraldynamik» – braucht es dann wieder ganz praktische Methoden des Bewegungslernens. «Wenn es akademisch bleibt, ist es wertlos», konstatiert Heel. «Wir führen Menschen kognitiv und ganz praktisch zum Bewegungslernen. Bewegungslernen geschieht durch persönliche Erfahrung.» Sagt’s und geht zum nächsten Termin. Patiententermin.

Michael Egloff
27. Mai 2012