20 Jahre Spiraldynamik® - Teil 2

20 Jahre Spiraldynamik®

20 jahre Spiraldynamik| Die »Spiraldynamik® Welle« breitet sich aus. Die Berner Jahre 1992-1996. Bild: Ekke Hager, Christian Larsen |Köniz |1992

Wie eine auf ihrer Startbasis zusammengedrückte Metallfeder beim Loslassen explosiv wegschnellt, so entwickelte sich die »Spiraldynamik« nach ihrer unternehmerischen Verankerung. Mit anderen Worten: Die Spiraldynamik AG hatte einen Raketenstart.

Menschenliebe, Bewegungsdrang, Neugier, kreative Unzufriedenheit, glückliche Zufälle, systematischer Forschungsdrang und Unternehmergeist: diese sieben Kettenfäden und Entwicklungsmotoren durchwirkten die »Spiraldynamik« auch in den Jahren nach der Unternehmensgründung. Die Menschenliebe in Ausbildung und Therapie; der geografisch expansive Bewegungsdrang; ansteckende Neugier und kreative Unzufriedenheit, die viele, die mit den Ideen der Gründer in Berührung kamen, befruchtete und noch weiter in die Tiefe, in neue Zusammenhänge und Synergien vorstiessen liess; der glückliche Zufall in Begegnungen mit Menschen, die persönlich und professionell zu Verbündeten und Freunden wurden – von denen viele den Kernanliegen auch heute noch tief verbunden sind und weiter am Gewebe mitwirken; der systematische Forschungsdrang, der sich jetzt in Unterrichtsmaterialien und in einem grossartigen Buch niederschlug; das alles getragen und verstärkt durch einen wachen und durchaus abenteuerlichen Unternehmergeist, so dass sich die Spiraldynamik AG bald einmal Spiraldynamik International nennen sollte – aber gehen wir den Reihe nach.

Köniz bei Bern, die Heimbasis
1992 galt es erst einmal, geeignete Geschäftsräumlichkeiten zu finden. Und das hiess in diesem Fall: einen Raum, in dem praktiziert, geforscht und Kurse abgehalten werden konnten. Christian Larsen wurde nach intensiven städtischen Velotouren fündig. In Köniz konnte zu akzeptablen Konditionen ein ganzer Dachboden gemietet werden: ein Raum mit Potenzial zum Riesen-Dojo – der allerdings für diesen Zweck erst noch ausgebaut und ausstaffiert werden musste. Das hiess: Fronarbeit. In diesem 400 m2 grossen Raum, der zweckmässig unterteilt werden konnte, fanden dann abends und übers Wochenende die Trainings und Kurse statt. Mund-zu-Mund-Propaganda füllte die Veranstaltungen. Das Interesse für die »Spiraldynamik« war gross. Was diese neu in die Welt brachte, das war ein tiefes Verständnis für die lebendige funktionelle Anatomie: dreidimensionale Anatomie in Bewegung. Die ersten, die »Blut leckten«, waren die Tänzer. Und dann alle weiteren, die sich von Berufs wegen mit bewegten Körpern beschäftigen: Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, mit der Zeit sogar Ärzte. Ziel der "Spiraldynamik" war ja – und ist es noch heute –, nicht nur therapeutisch von Nutzen zu sein, sondern dieses anatomisch begründete Konzept in die Grundausbildung aller Disziplinen zu integrieren, die sich professionell mit der menschlichen Haltungs- und Bewegungskoordination auseinandersetzen. In den Kursen erfuhren auch die Ärzte etwas über die Funktion der Anatomie. Und das Spannende und Neuartige an dieser Erfahrung: Hier konnten Ärztinnen und Ärzte von Physiotherapeuten lernen.

Professionalisieren und spezialisieren: Die Spiraldynamik® wächst
Yolande Deswarte und Christian Larsen entwickelten ein Ausbildungskonzept und unterrichteten am Anfang noch zusammen. Aber dann wurde der Andrang zu gross. Aufteilung wurde nötig, um das Pensum zu bewältigen. Und schon rasch wurde klar: Das Unternehmen brauchte qualifizierten Nachwuchs, damit die Nachfrage befriedigt werden konnte.

Das Verteilen der Arbeit auf mehrere Schultern bedingte zweierlei: Es mussten Menschen gefunden werden, die den Enthusiasmus und die Professionalität der Gründer teilten. Und es mussten Lehrmaterialien geschaffen werden, die die Einheitlichkeit und Qualität der Lehre sicherstellten.

Es wurde rasch klar, dass das junge Unternehmen nur gedeihen und dem Geist der »Spiraldynamik« nur entsprochen werden konnte, wenn Intensität und Forschergeist auch in der nächsten Generation ebenbürtigen Ausdruck fand; eine Spezialisierung die den Angebots- und Marktsegmenten entsprach und gleichzeitig personal tief verankert waren, also auf den Kernkompetenzen hochqualifizierter Fachkräfte aufbaute, die mit dem Ausbau betraut wurden. So übernahm Christian Heel die physiotherapeutische Ausbildung, Renate Lauper Kinder und Schule, Willi Schneider die Massage, Barbara Eichenberger und Barbara Rust den Tanz, während Milena Daniel sich an an den Aufbau dessen machte, was später MedCenter Zürich heissen sollte. Aus der Perspektive des Unternehmens Spiraldynamik AG war diese fachliche Vertiefung und Weiterentwicklung gleichbedeutend mit zukunftsweisender Organisationsentwicklung.

Verbündete und Freunde: Die Wurzeln für die zukünftige Entwicklung oder "Spiraldynamik® on the road"
Die Spiraldynamik AGhatte zwar ihr Zentrum in Bern, war aber von Beginn weg auf Expansionskurs, sprich: Das Interesse war auch andernorts gross. Christian Larsen war 120 bis 140 Tage pro Jahr auswärts tätig, unterwegs vor allem in Deutschland und Österreich, um an Kongressen Vorträge zu halten und Einführungskurse zu geben. Ein Mordspensum. Montag bis Freitag beispielsweise Kurse in München. Am Wochenende Kurs in Salzburg. Oder Wien. Dann Hamburg und Dresden… Das Interesse war gross. Und wie in Bern kamen verschiedenartige Bewegungsarbeiter aus Lehre und Praxis zu den Einführungskursen: Tänzerinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Ärzte. In diesen Lehr- und Wanderjahren wurden auch zahlreiche Verbündete und Mitstreiterinnen gewonnen, die sich für die »Spiraldynamik« einsetzten und sie lokal verankerten, Freundschaften entstanden, die bis in die Gegenwart reichen: Ekkehard Hager in Salzburg, wo bald auch Eva Forstenlechner dazukommen sollte; Evelyn Gavenda in Wien; Andrea Bubos in Hamburg, Lilli Rosinski in Dresden und viele viele mehr. Alle seien hier in Dankbarkeit gepriesen und vergegenwärtigt. Ihr Engagement und ihre Begeisterung übertrug sich auch auf die lokalen Medien. Die Spiraldynamik® erfuhr in zahlreichen Artikeln und Meldungen eine erstaunlich grosse Unterstützung.

Kommunizieren, publizieren: Die Spiraldynamik® zur Sprache, in Bilder und an die Öffentlichkeit bringen
»Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist«, sagte der grosse Victor Hugo einmal. Ideen müssen transportiert werden - das gilt heute mehr denn je. Kommunikativ war die Spiraldynamik® praktisch ein Selbstläufer. Am Anfang wurden die Kurse zwar mit Flyern beworben. Bald waren die ausgebuchten Einführungs- und Ausbildungskurse selbst das beste Progandamittel. Aber kein Erfolg ohne Fundament. Die Qualitätssicherung in Lehre und Forschung war der Spiraldynamik AG von Beginn weg ein Anliegen und fand ihren Niederschlag in einem dreistufigen Ausbildungskonzept. Mit dem Videofilm »Füsse« wurden sowohl Patienten als auch Therapeuten angesprochen: Durch die Augen zweier Kinder lernt der Zuschauer die Prinzipien koordinierter Füsse spielerisch und praktisch kennen. Überhaupt war das Jahr 1996 ein Jahr intensiver Kommunikation nach aussen. Zuerst erschien das erste Heft von »Spiraldynamik«, Untertitel: Zeitschrift für Kunst und Wissenschaft menschlicher Bewegungskoordination. Vom visionären Grafiker Lorenzo Conti aufwendig gestaltet, vermittelte es ein spannendes »Portrait« – so der Titel – der »Spiraldynamik« in ihrer ganzen Breite und Tiefe. Chefredaktorin war eine Frau, die noch viele weitere Jahre die Kommunikation der Spiraldynamik® prägen würde: Bea Miescher. Der Integration der »Spiraldynamik Gemeinde« diente das ebenfalls 1996 zum ersten Mal publizierte Magazin »Insider« für die Fachkräfte der Spiraldynamik®.

Ein Jahr später erschien dann die »Bibel« der »Spiraldynamik« , das opus magnum: Christian Larsens in vielen Jahren erarbeitetes und in vielen Durchgängen gereiftes Grundlagenwerk »Die zwölf Grade der Freiheit: Kunst und Wissenschaft menschlicher Bewegungskoordination«. Gewidmet war es allen Neugeborenen, denn »sie verkörpern die Zukunft der Menschheit«. In diesem reich bebilderten Buch wird der Schritt von der Anatomie zur Raum-Zeit-Geometrie des Körpers in einer Vielzahl von Dimensionen erläutert und begründet. Das Prinzip der Verschraubung, das Helixprinzip, wird als Strukturprinzip in seiner ganzen evolutionsgeschichtlichen und multidisziplinären Vielfalt vorgeführt und, ja, anders kann man es nicht sagen: gefeiert. »Die zwölf Grade der Freiheit« haben auch in der 2007 im Vianova-Verlag erschienenen 3. Auflage nichts von ihrer Attraktivität und Aktualität eingebüsst. Stichwort Vianova-Verlag, Kettenfaden glückliche Zufälle: Nach langer und ergebnisloser Verlagssuche – in welches Programm passt ein solches Werk schon rein? – kam Dr. Werner Vogel, Gründer und Leiter des deutschen Verlags »Via Nova« – seines Zeichens katholischer Priester und Yogalehrer mit grossem Engagement für spirituelle Fragestellungen – auf Christian Larsen zu und anerbot sich, dieses Werk zu verlegen – mit allen gestalterischen Freiheiten für den Autor. Entstanden ist so ein wissenschaftliches Kunstbuch.

Die Kinder und Jugendjahre der Spiraldynamik®: ein persönliches Resümee
Wie hat Christian Larsen die Berner Jahre in Erinnerung? »Es war eine fantastische Zeit. Enorm vielseitig und enorm bereichernd. Enorm anstrengend und dabei enorm frei. Ich war nicht nur Arzt, ich wurde in dieser Zeit vom Forschenden zum Lehrenden. Neben den Einführungs- und Ausbildungskursen habe ich zahlreiche Vorträge gehalten - ein toller Austausch mit vielen aussergewöhnlichen Forschern und Wissenschaftlern der damaligen Zeit. Gleichzeitig wurde ich Autor. Hier verdanke ich der intensiven Begegnung und Zusammenarbeit mit Benita Cantieni den entscheidenden Ritterschlag. Sie hat mich schreiben gelehrt. Überhaupt denke ich mit Freude und Dankbarkeit an die vielen Begegnungen mit Menschen aus den Bereichen Tanz, Sport, Yoga und Therapie. Und an alle Mitarbeitenden in Ausbildung und Administration - sie haben mir und dem Unternehmen Spiraldynamik AG enorm viel geschenkt.

Ja, und auch im privaten Bereich waren es immer wieder Begegnungen, die Weichenstellungen brachten, mir neue Richtungen wiesen. Im Jahr 1994 lernte ich die Zürcherin Claudia Vuille kennen. Der Anfang einer grossen Liebe, einer grossen Unterstützung. Ihr Heimweh nach Zürich sollte dazu führen, dass die Spiraldynamik® ihre Basis wenige Jahre später dorthin verlegen würde.

Ja, die Berner Zeit war grossartig. Das Gewebe der »Spiraldynamik« ist gross, stark und bunt geworden. Auch wenn die »Spiraldynamik« ohne Kunden nicht hätte überleben können: Wir waren nie kundenorientiert. Wir waren und sind menschenorientiert. Vielleicht hatten wir deshalb das Glück des Erfolgs.«

Michael Egloff
23. März 2012