Ein Fuß, der schwimmt wie ein Fisch

Spiraldynamik® Patientenportrait: Gretchen Bernard-Newburger

patientenportrait | Ein Sprung war der Anfang vom Ende ihrer erfolgreichen Karriere als Primaballerina: Gretchen Bernard-Newburger leitet heute mit lädiertem Fuß zwar, aber mit Liebe und Leidenschaft das  „Atelier Rainbow Tanzkunst ART“ in Rüschlikon bei Zürich.

Flankiert von ihren beiden englischen Settern kommt Gretchen Bernard-Newburger oder „Madame Gretchen“, wie sie von ihren Schülerinnen und Schülern genannt wird, ins Studio an der Nidelbadstrasse in Rüschlikon. Und sprudelt gleich los: „Nach der Operation war mein linker Fuß instabil wie ein schwimmender Fisch.“ Was die quirlige Gretchen so bildhaft beschreibt, nennt Tanzmediziner Dr. med. Christian Larsen, Leitender Arzt des Med Center Spiraldynamik® Zürich, eine schwere Sprunggelenk-Arthrose. „Eigentlich dürfte sie gar nicht mehr laufen können“, meint er. Dank einer Spiraldynamik®-Therapie und mit Hilfe ihres starken Willens könne seine Patientin sich heute wieder (fast) normal bewegen.

Bänderriss nach Sprung
Gretchen Bernard-Newburger, geboren in New Orleans, entdeckte ihre Leidenschaft für das Tanzen bereits als Vierjährige. 1979 wurde sie in der Junior Division von Amerikas erstem internationalem Ballettwettbewerb mit Bronze ausgezeichnet. Ihr Weg führte sie über das National Ballet of Canada und das London Festival Ballet 1987 in die Schweiz, zum Zürcher Ballett unter Direktor Uwe Scholz. Während ihrer erfolgreichen Karriere hatte Gretchen als Solistin die Ehre, mit vielen Großen der Tanzkunst zusammen zu arbeiten und von ihnen gefördert zu werden. Zu nennen sind u.a. Marcia Haydée, Natalia Makarova und Rudolf Nureyev.

Das Verhängnis begann 1996: Nach einem Sprung landete sie auf der Fuß-Innenseite: Ihre Sprunggelenk-Bänder waren gerissen. Ohne einen Arzt zu konsultieren, reiste Gretchen nach Sarajewo, wo sie ein Gastspiel gab. „Halb lahm“ sei sie zurückgekommen, um endlich einen Spezialisten in Zug aufzusuchen. Dieser riet ihr, „mit dem Tanzen aufzuhören und noch mehr Kinder zu gebären.“ Gretchen war damals mit einem Schweizer verheiratet, aus dieser Ehe hat sie einen Sohn.

1997 gründete Gretchen Bernard-Newburger das „Atelier Rainbow Tanzkunst ART“ in Rüschlikon. Ihre Vision war, eine Tanz-Werkstatt zu schaffen, in der – dem Farbspiel des Regenbogens gleich – Tanz und Körperwahrnehmung als fortwährendes Spektrum organischer Bewegungen in Kreisen, Bögen und Spiralen gelehrt und erfahren werden. Heute besuchen rund 450 Studierende das ART. Sie werden von zahlreichen professionellen Lehrpersonen unterrichtet.

Ende einer Tanzkarriere
Die Spätfolgen ihrer Sprunggelenksverletzung wurden – wie Gretchen Bernard nachträglich feststellen musste – mit einer „falschen Operation behandelt.“ An einer Zürcher Klinik wurden ihr mittels Gelenkspiegelung Osteophyten, höckerartige Knochenneubildungen, entfernt. Nach dem Eingriff verlor Gretchen gänzlich die Stabilität im linken Fuß. Sie musste wieder gehen lernen. „Es war eine schwierige Zeit.“ 2007 wurde zudem eine Knochennekrose diagnostiziert. Sie unterzog sich einer strengen Entsäuerungskur und konnte so die Nekrose stoppen. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste sie, dass sie nie mehr würde tanzen können. Mit einem von ihr selbst erfundenen Spezialschuh überbrückte sie ihr Handicap, und war dank ihrer Willenskraft in der Lage, ihr Tanzstudio wie gewohnt weiterzuführen. 

Obwohl Gretchen bereits vor ihrem Karriere-Ende mit dem Prinzip von Spiraldynamik® vertraut war, begann sie erst 2009 mit einer Therapie. „Das bedaure ich sehr, denn hätte ich früher damit angefangen, wäre vielleicht alles anders gekommen“, sagt sie. Immerhin kann die über 50Jährige heute dank eines im Balletttanz antrainierten Schmerzmanagements ohne Medikamente unterrichten und den Kindern und Jugendlichen viel von ihrer großen Leidenschaft fürs Tanzen und von der ungebrochenen Freude „an der Kunst und allem Schönen“ weitergeben.

Eva Mackert
1. Dezember 2013