Hüftimpingement: Mechanischer Konflikt im Hüftgelenk

Spiraldynamik® Therapie: Vorstufe der Hüftarthrose erkennen und behandeln...

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Das Problem: Vorstufe der Hüftarthrose
Beim so genannten Hüft-Impingement - eine Vorstufe der Hüftarthrose - handelt es sich um einen mechanischen Engpass zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne. Das Fachwort lautet: Femuro-Azetabuläres Impingement oder kurz FAI. Dabei kommt es zum schmerzhaften knöchernen Anschlag zwischen Schenkelhalsknochen und Hüftpfanne: Durch Beugung der Hüfte und Drehung des Beines nach innen kommt es zu einschießenden Leistenschmerzen und erheblicher Einschränkung im Alltag. Genau betrachtet liegt die Ursache dieser Schmerzen im mechanischen Konflikt zwischen dem vorderen Pfannenrand mit seiner zirkulären knorpligen Gelenklippe und dem vorderen Anteil des Oberschenkelhalsknochens.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Typen: Das Hüftimpingement vom Pincer-Typ und jenes vom Cam-Typ. Beim Pincer-Typ liegt der Kugelkopf sozusagen "zu tief" in der Pfanne - bedingt durch eine „Rückwärtskippung“ (Retrotorsion) der Hüftpfanne oder durch eine zu stark ausgeprägte Überdachung des Oberschenkelkopfs.  Beim Hüftimpingement vom Cam-Typ ist der Oberschenkelhals durch knöcherne Anlagerungen und Vorsprünge "zu dick" geworden, es kommt so zum mechanischen Konflikt mit der Gelenkspfanne. Reine Pincer- oder reine Cam-Typen sind selten, in den meisten Fällen tritt eine Kombination der beiden Typen auf.

Hueftimpingement: Spiraldynamik® Therapie: Vorstufe der Hueftarthrose erkennen und behandeln...

Abb. 1 a-b Zwei Formen des Hüftimpingement: a) Das Pincer- oder Beisszangen Impingement - der Hüftkopf sitzt in einer zu tiefen Pfanne, was zur Traumatisierung des Pfannenrandes führt; b) Cam- oder Nockenwellen-Impingement mit verdickter Taille des Oberschenkelhalses. . Zeichnung Sandra Felsner, © Spiraldynamik Med Center AG

Beschwerden: Leistenschmerz und Einschränkung
Typisch sind der tiefe Leistenschmerz: Ein durchdringender Schmerz bei der Hüftbeugung, stechende Schmerzen bei langem Sitzen. Hinzu kommen Einschränkungen der Hüftbeugung bei sportlicher und tänzerischer Betätigung. Oben auf der Problemliste stehen Sportarten, die mit starker Hüftbeugung verbunden sind - wie Fußball, Eishockey, Unihockey, Triathlon, Rennrad, Leichtathletik, klassisches Ballett.  Der Schmerz wird spezifisch ausgelöst durch rasche Hüftbeugung kombiniert mit Adduktion (Überkreuzen der Beine) und gleichzeitiger Innenrotation im Hüftgelenk - beispielsweise bei Sprints mit Richtungswechsel oder auf dem Rennrad.

Der mechanische Konflikt hat mit der Zeit negative Konsequenzen: Durch das Anschlagen des Hüftkopfes an die Pfanne entstehen Verletzungen am knorpeligen Pfannenrand, es kommt zu Rissen mit Einblutungen an Knorpel, an den Bändern oder an der Gelenklippe. Langfristig kommt es so zu einem chronischen Reizzustand, zu irreparablen Gelenkschädigungen und mit der Zeit unweigerlich Hüftarthrose. Von der vorzeitigen und fortschreitenden Abnutzung des Hüftgelenks sind oft auch jüngere Patienten betroffen.

Fachärztliche Abklärungen: Klinik und Bildgebung
Wegweisend für die Diagnostik sind die typische Vorgeschichte und die orthopädisch-funktionelle Untersuchung durch den Arzt. Anders als bei der Hüftarthrose verschwindet der Provokation- und Innenrotationsschmerz bei Abspreizung des Beines wieder. Gesichert wird die Diagnose durch eine gezielte Bildgebung:

  • Röntgen:
  • Missverhältnis zwischen Hüftgelenk Kugelkopf und Überdachung
  • Knöcherne Anlagerungen am Schenkelhals, entrundeter Kugelkopf

Arthrose Entstehung: Schonverhalten, nicht Trainingsfaulheit
In den letzten zehn Jahren hat sich das Verständnis für die Entstehung  der Hüftarthrose grundlegend gewandelt: Hüftarthrosen entstehen aufgrund von Knochenanlagerungen am Schenkelhals beziehungsweise aufgrund  leichter Fehlstellungen der Hüftgelenkspfanne. Die Verdickungen am Schenkelhals entstehen bereits während dem Wachstumsschub in der Pubertät, begünstigt durch Wiederholungsbelastungen beim Sport. Durch die Knochenanlagerungen verändern der Schenkelhals und der Hüftkopf ihre Form. Die ursprüngliche Kugelform mutiert zum Ei – der Hüftkopf passt nicht mehr richtig in die Pfanne. So kommt es bei bestimmten Bewegungen zu diskreten Einklemm-Phänomenen - dem Hüft-Impingement im Anfangsstadium. Die Betroffenen spüren meistens (noch) nicht sehr viel, allenfalls fällt eine verminderte Beweglichkeit bei Beugung und Innendrehung auf. Leider wird ein entsprechendes unbewusstes Schonverhalten viel zu oft – besonders von einigen Fußballtrainern – als Trainingsfaulheit ihrer Schützlinge abgetan. „Du dehnst einfach zu wenig, deshalb bist du zu unbeweglich“, heißt es dann. Später, wenn Leistenschmerzen hinzukommen, folgen oft Fehldiagnosen in Richtung "Leistenbruch" oder "Adduktorenzerrung". Manchmal dauert es Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Quintessenz: Im Zweifelsfalle früh zum Facharzt
Wer in den Hüften „immer schon“ unbeweglich war und nach körperlicher Belastung Beschwerden in der Leiste hat, die durch Physiotherapie nicht zurückgehen, sollte sich fachärztlich untersuchen lassen. Untersuchung, positiver Provokationstest und Bildgebung schaffen Klarheit. Erfasst man das Problem in Frühstadium, ist der Knorpelüberzug im Hüftgelenk noch intakt, die Beschwerden können durch eine gezielte Haltungs- und Bewegungsoptimierung minimiert werden. 

Operation: Arthroskopie oder offene Hüftluxation?
In bestimmten Fällen kann eine operative Korrektur den Knorpel retten. So kommt heute die minimalinvasive Hüftchirurgie (Hüftarthroskopie) favorisiert zum Einsatz. Hierbei wird kameragestützt der ein- oder abgerissene knorpelige Pfannenrand mit Hilfe von Nähten wieder am Knochen befestigt. Begleitend kann man ein sogenanntes Schenkelhals- und Pfannenrandtrimming durchführen, also ein "Abfräsen" von knöchernen Anbauten, die die Bewegung im Sinne des CAM-Impingements limitieren.

In Einzelfällen kann es jedoch nach wie vor nötig sein, eine sogenannte chirurgische Hüftluxation, also einen relativ grossen Eingriff an der Hüfte durchzuführen, um langfristige Folgeschäden zu verhindern. Dies ist dann nötig, wenn anhand der radiologischen Untersuchungen zu erwarten ist, dass man mittels arthroskopischem Verfahren  nicht den gesamten Schaden wird beheben können, oder knöcherne Anbauten so "ungünstig" lokalisiert sind, dass man diese mittels Arthroskopie nicht erreichen kann.

Bei der chirurgischen Hüftluxation wird durch einen offen-chirurgischen Zugang zur Hüfte der Schenkelhals durchsägt, damit man möglichst optimalen Zugang  sowohl an die Gelenkspfanne, wie auch an allenfalls verdickte Schenkelhalsanteile bekommt.

Der Oberschenkelknochen wird dann wieder mittels Schrauben fixiert.

Arthroskopische Behandlung des Hüftimpingements

Abb 2 a-b Arthroskopische Behandlung des Hüftimpingements: a) Trimmen von überstehenden Pfannenrandanteilen mit einem Meissel  und b) Trimmen des Schenkelhalses mit einem Meissel. Zeichnung Sandra Felsner, © Spiraldynamik Med Center AG

Prognostisch sind beide Operationsverfahren gut und wirkungsvoll, wenn sie zeitgerecht durchgeführt werden.  Wird die Diagnose erst im Spätstadium gestellt, führen die Einklemmmechanismen langsam aber sicher zum stetigen Abrieb oder gar zur Ablösung des Knorpels. Die Entwicklung einer Arthrose und die Notwendigkeit einer Hüftprothese sind programmiert.

Auch wenn eine chirurgische Intervention nötig sein sollte: Es lohnt sich vor und nach der Operation, die "funktionelle" Feinheiten und  Bewegungsabläufe zu optimieren, um ein neuerliches Auftreten des Impingements zu verhindern.

Spiraldynamik® Therapie: Ein sicheres Dach über dem Kopf
Stabile Kraftübertragung durch selektives 3D-Beweglichkeitstraining - so "organisiert" das Spiralprinzip das Hüftgelenk in der Standbeinphase. Was kompliziert klingt, ist auf den zweiten Blick schon fast logisch: Es geht um die gezielte Optimierung der Bewegungen von Beckenschaufel  und Oberschenkel im Hüftgelenk. Belastet wird das Hüftgelenk beim Gehen in der Standbeinphase, während das Bein in der Spielbeinphase unbelastet ist. Und genau in diesem kritischen Moment Standbeinphase ist der Hüftkopf darauf angewiesen, dass er von der  Hüftpfanne gut überdacht wird. Mit anderen Worten: Das Becken muss sich so drehen und bewegen, dass die Pfanne den Hüftkopf bedeckt und nicht seitlich abrutscht. Treppensteigen im Alltag ist eine perfekte Übungssituation: Linkes Bein voran, eine Stufe rauf! In diesem Moment muss sich das linke Becken "aufwärts & vorwärts" bewegen, damit es auf der anderen, auf der rechten Seite, der Standbeinseite sich zeitgleich "abwärts & rückwärts" bewegen kann. Nur so rollt die Hüftpfanne ordnungsgemäss über den Hüftkopf und gewährt ihm ein sicheres Dach über dem Kopf.

Knorpel-Ernährung: richtige Bewegung ist die beste Medizin
Der Hüftgelenksknorpel erfährt beim Gehen Schritt für Schritt im rhythmischen Wechsel Druck und Entlastung. Das ist seine Ernährung! Der Gelenkknorpel selbst besitzt keine Blutgefässe, Flüssigkeit und Nährstoffe müssen durch Bewegung hineingepumpt werden. Gehen ist die beste Medizin, das wusste bereits Hippokrates. Dies gilt insbesondere für das kritische Hüftgelenk. Durch das  Wechselspiel der Beckenschaufel beim Gehen - mal nach hinten-unten-außen, dann nach vorne-oben-innen - werden Bänder, Muskulatur und Gelenkknorpel in 3D-Perfektion beansprucht - vorausgesetzt die Beckenbewegung stimmt. Die Hüftgelenkmuskeln - Hüftbeuger und Hüftstrecker - sind ein total aufeinander eingespieltes Team:

Spiraldynamik® Therapie: Konflikt meiden
Im dritten Teil der Therapie geht es darum, den mechanischen Konflikt zwischen Pfannenrand und Schenkelhals - den Impingementschmerz - gezielt zu vermeiden. Aufzupassen gilt es bei jeder starken und raschen Hüftbeugung. Egal ob Fuss- Volley- oder Basketball, Sprint oder Karate-Kick, Ballett oder ganz einfach beim Schuhe binden oder Strümpfe anziehen - die Kombination Hüftbeugung plus Innenrotation ist kritisch. Diese Situation gilt es intuitiv und im voraus zu erfassen und den Bewegungsablauf so anzupassen, dass Pfannenrand und Schenkelhals nicht aneinander geraten. Der Iliopsoas Muskel ist der Hauptakteur der Hüftbeugung. Richtig eingesetzt beugt er die Hüfte und dreht dabei den Oberschenkel samt Knie in die perfekte Position - leicht nach außen. Die volle Hüftbeugung entsteht gemäß dem Spiralprinzip durch "maximale und gegensinnige 3D-Verschraubung von Hüftkopf und Hüftpfanne". So lässt sich der mechanisch Konflikt gezielt vermieden - und genau darauf kommt es im Alltag und im Sport an.

Theres Binggeli | Dr. med. Christian Gauss
1. April 2013