»Spiraldynamik« die ersten 20 Jahre - Teil 1

Spiraldynamik® – die ersten 20 Jahre

jubilÄumseventAus Anlass des Jubiläums wollen wir die Spuren der »Spiraldynamik« nachzeichnen. In neun Folgen beleuchtet Michael Egloff Geschichte, Gegenwart und Zukunft der »Spiraldynamik« – und das, was sie im Innersten zusammenhält.

Bern, 27. April 1992: Der angehende Basler Kinderarzt Christian Larsen gründet zusammen mit der Pariser Physiotherapeutin Yolande Deswarte und drei Freunden die Spiraldynamik AG. Das damalige Leitbild hält zum Unternehmenszweck fest: »Spiraldynamik« setzt sich für eine naturgerechte Haltung und Haltungs- und Bewegungskoordination des modernen Menschen in allen persönlichen und professionellen Bereichen ein. Der Laie findet unmittelbare Lebenshilfe für den Umgang mit dem eigenen Körper im Alltag. Den Profis werden zielgruppenspezifische Ausbildungskurse angeboten, um das Konzept in der Berufspraxis zu integrieren.»Spiraldynamik«: Ausser ein paar Eingeweihten hatte damals niemand eine Ahnung, was mit diesem so ganz und gar unmedizinischen Begriff gemeint sein könnte – und schon gar nicht, was für ein revolutionäres Erkenntnis- und Therapiekonzept der menschlichen Bewegung sich damit ankündigte.

Heute ist das anders. In den vergangenen 20 Jahren sind schätzungsweise 2-3 Millionen Menschen durch Ausbildung, Vorträge, Lektüre oder Therapie mit dem Konzept »Spiraldynamik« in Berührung gekommen. Wenn heute der Ausdruck »Spiraldynamik« in den Raum geworfen wird, dann haben die Meisten zumindest das Gefühl, schon einmal etwas davon gehört zu haben. 20 Jahre »Spiraldynamik«, das bedeutet 20 Jahre der Forschung, des Aufbaus und der Weiterentwicklung dieses ebenso wissenschaftlichen wie lebenspraktischen Konzepts. Das bedeutet auch 20 Jahre erfolgreiche Ausbildung von mehr als 4000 Therapeutinnen und Therapeuten. Und es bedeutet ebenso: 20 Jahre konkrete therapeutische Hilfe für Zehntausende von Patientinnen und Patienten.

Aus Anlass des Jubiläums wollen wir die Spuren der Entwicklung der »Spiraldynamik« nachzeichnen. In 9 Folgen wollen wir Geschichte, Gegenwart und Zukunft der »Spiraldynamik« beleuchten – und das, was sie im Innersten zusammenhält. Wir tun das aus einer zweifachen Perspektive: Zum einen gilt unser Augenmerk der Entwicklung des Unternehmens Spiraldynamik AG; zum anderen der Entwicklung der Idee, des Forschungsprojekts »Spiraldynamik« und seinen lebenspraktischen Umsetzungen.

Michael Egloff
1. März 2012

20 Jahre »Spiraldynamik«– Teil 1

Wie kommt etwas Neues in die Welt?
Die Gründungsjahre der »Spiraldynamik«

»Spiraldynamik« ist ein Stoff, der laufend neu gewebt wird, dem fortwährend neue Fäden hinzugefügt werden, und der von vielen Menschen um neue Muster und Formen ergänzt wird. Die Ketten jedoch, die den Fäden Halt und dem Gewebe Struktur geben, wurden in den Anfangszeiten geknüpft. Wir müssen also den Kettenfäden nachgehen, um zu verstehen, wie es zur »Spiraldynamik« kam. Und da die Entwicklung der »Spiraldynamik« unabdingbar mit der Biografie von Christian Larsen verknüpft ist, suchen wir die Stränge, die sich zur Spirale formten, in den Linien seines Lebens. Motivation, Vision und Seelenruf von Christian Larsen zu verstehen, wird uns wiederum helfen, eine tiefere Ahnung vom inneren Feuer der »Spiraldynamik« zu bekommen. Dass dieses Gewebe mindestens dreidimensional ist – wen wundert‘s? Schauen wir uns die Kettenfäden an.

Faden 1: Menschenliebe

Schon von Kindesbeinen an will Christian Larsen Arzt werden. Motivation: die grosse Liebe zu Menschen – und der Wunsch, gut zu den Menschen sein, etwas Nützliches und Wesentliches für die Menschen zu tun. Als es dann darum geht, eine Studienrichtung zu wählen, ist Medizin gesetzt – mit dem Ziel allerdings, »Familienversorger« zu werden – also nicht bloss Fachmann für irgendein Spezialgebiet, sondern jemand, der seinen Dienst in ein grösseres Ganzen über einen lebenslangen Zeitraum stellt. Pädiater, also Kinderarzt, kommt diesem Ziel am nächsten; und doch klopft da schon, enttäuschungsgeboren, das Thema »Bewegungsmedizin« an: das Versprechen, am meisten für viele bewirken zu können, indem ein anderer, gesünderer und bewussterer Umgang mit dem eigenen Körper in der Natur gelehrt und erlebbar gemacht wird.

Faden 2: Bewegungsdrang

Sein extremer Bewegungsdrang führt Christian Larsen zum Aikido – einer japanischen »Kampfsportart«, in der Koordination und Entwicklung von Körper und Seele wichtig sind. Aikido ist mehr als bloss eine Sportart. Hier geht es über Körperübungen um die Entwicklung des ganzen Menschen, um die Übereinstimmung von äusserlicher Bewegung und innerer Haltung. Und wenn jemand das während Jahrzehnten 15 Stunden pro Woche praktiziert, dann verrät das zumindest etwas über seine Ausdauer.

Faden 3: Neugier

Vor Aufnahme des Hauptstudiums führt die Neugier auf Gebiete wie Meditation und Traditionelle Chinesische Medizin Christian Larsen in den asiatischen Raum. In Japan trifft er auf einen der höchstgraduierten nicht-japanischen Aikido-Praktizierenden, Gérard Blaize. Wir schreiben das Jahr 1979.

Faden 4: Kreative Unzufriedenheit

Warum beugt der Ellbogen den Unterarm nach vorn, aber das Knie den Unterschenkel nach hinten? Was für ein Bauplan liegt dem zugrunde? Wenn jemand Mediziner wird und – auch um eigener gesundheitlicher Ziele willen – gleichzeitig eine komplexe Bewegungslehre trainiert, dann stellt sich eine grosse Unzufriedenheit ein, wenn das universitäre Fach Anatomie keine befriedigende Auskunft über die Funktionalität von Körperbewegungen geben kann. Die fehlenden Erklärungskonzepte für den menschlichen »Bewegungsapparat« – auch als Grundlage der Therapie von Bewegungs- und Haltungsschäden – machen Christian Larsen selbst zum Forschenden. 

Faden 5: Der glückliche Zufall

Zurück in Europa, nimmt Christian sein Studium wieder auf und trainiert bei Gérard Blaize in Clermond-Ferrand. Dort lernt er dessen Ehefrau kennen: eine erfahrene Pariser Physiotherapeutin, die enorm viel von Bewegungsabläufen versteht und ein Erklärungskonzept für viele der offengebliebenen Fragen hat. Ihr Name: Yolande Deswarte. Yolande arbeitet als Forscherin mit Susanne Piret und Marie-Madeleine Béziers zusammen, die mit »La coordinatiion motrice« ein Standardwerk der modernen Bewegungslehre verfasst haben. Ein Jahr später wird sie Christians Lehrmeisterin in Sachen Bewegung. Daraus entsteht in den frühen 80er Jahren eine fruchtbare Forschungszusammenarbeit, in der der Rahmen für die heutige »Spiraldynamik« gebaut wird.

Faden 6: Systematischer Forscherdrang

Symmetrie; das Prinzip der Verschraubung, also eine Achsensymmetrie; die Helix, das Spiralprinzip: Nach und nach – und wunderbar ergänzt durch Christians Arbeit als Assistent in der Abteilung Neonatologie des Frauenspital der Universität Bern – wird die Theorie, die einmal »Spiraldynamik« heissen wird, jetzt aber noch unter dem Arbeitstitel »fonction motrice« figuriert, systematisch auf- und ausgebaut. — 1996 sagte Christian Larsen in einem Interview: »Yolande ist die Seele, die Mutter, ich bin der Visionär. Sie hat neben ihrer physiotherapeutischen Kompetenz eine wunderbare Einfühlung, Intuition, Inspiration. Ich bin der Wissenschaftler, der Forscher, mich interessiert das Wie, die praktische Umsetzung. Wir treffen uns jeden Monat zweimal, und nach 15 Jahren ist die Zusammenarbeit so befruchtend und inspirierend wie am ersten Tag.« Es sind spannende, atemlose und anstrengende Jahre. Christian führt ein dreifaches Leben: Tagsüber das volle Engagement als Arzt; abends und übers Wochenende Kurse, Kurse, Kurse, in der die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis erprobt und gelehrt werden; und in den Ferien die Forschung mit Yolande. Auf die Dauer kann das nicht weitergehen. Eine Entscheidung steht an: Weitere Karriere als Kinderarzt? Oder leben für das Forschungsgebiet »Bewegungsmedizin«, das jetzt bereits kein Neuland mehr ist, sondern wohlerforschtes Territorium?

Faden 7: Unternehmergeist

Ein Teil von Christians Seele ist bereits weitergereist, vom »äusseren« Leben zur Fragestellung: Wie funktioniert das Innenleben eines Menschen? Ein neuer 10-Jahresplan kündigt sich an. Doch Kettenfaden 1 machte sich bemerkbar und verlangt nach Verwirklichung. Christian Larsen entschliesst sich, sein Leben voll in den Dienst der Bewegungsmedizin zu stellen und dafür ein eigenes Unternehmen zu gründen. Wie jeder Schritt ins Ungewisse ein mutiger Entscheid. Doch wie soll diese Lehre, wie soll das Angebot, wie soll das Unternehmen heissen? Erfolgreich kann das Unterfangen nur werden, wenn auch im Geschäftlichen professionell vorgegangen wird. Nach vielem Abwägen wird der Name Spiraldynamik® gefunden, eine attraktive Wort-Neuschöpfung die präzise und programmatisch ausdrückt, worum es der Lehre und dem Unternehmen geht – und das erst noch markenrechtlich schützbar ist. Am 27. April 1992 lassen Christian Larsen und Yolande Deswarte zusammen mit drei überzeugten Freunden die Spiraldynamik AG beim Berner Handelsregisteramt als Firma eintragen. Die »Spiraldynamik« ist geboren. 

Michael Egloff
1. März 2012

Hinweis: Spiraldynamik® ist eine international registrierte Marke