Differenzielles Lernen: Erfahrungsbericht einer Premiere

Spiraldynamik: Differenzielles Lernen

ausprobiert Wem beim Lesen des Interviews mit Prof. Schöllhorn der Schädel brummt, steht nicht allein. Die neue Lernform klingt kompliziert, macht aber viel Spass, wie der Erfahrungsbericht zeigt.

Lernen und spielen wie die Kinder - das Gleiche noch einmal aber ganz anders und dann noch mit Anlauf, und rückwärts und selbstverständlich mit geschlossenen Augen: So spielten und tobten wir als Kinder. An der Spiraldynamik-Dozenten-Weiterbildung hetzte Prof. Dr. Wolfgang Schöllhorn unsere Spiraldynamik-Profis durch die Halle, dass es eine Freude war! Ekkehard Hager, ehemaliger Leistungssportler, Tänzer, Sportlehrer und Spiraldynamik-Dozent berichtet über die Lernerfahrung der differenziellen Art.

Wenn Dozenten Fangen spielen
Fangerles spielen ist kinderleicht und es fiel auch uns Dozenten nicht schwer - dachten wir: Einer ist der Fänger und los geht's. Wen es erwischt, wird zum Fänger, der Jäger zum Gejagten. Nun gibt es weitere Vorgaben. Es wird nicht einfach gerannt, sondern eine neue Gangart entwickelt: Wir hüpfen und springen, vorwärts, rückwärts, rollen über alle möglichen Körperteile, taumeln, hinken, kriechen was das Zeug hält. Eine kuriose Bewegungsart jagt die nächste, zudem wird das Spielfeld ständig vergrößert und als Krönung muss ein Körperteil ganz still gehalten werden, wie eingefroren. Kontrolliert wird nicht: Unser professoraler Instruktor beobachtet - und lacht mit. Immer ungestümer wird die Hetzjagd, Gelächter, Schalk und Gepruste steigern sich, und irgendwann wird das Spiel abgebrochen, bevor wir uns selbst gegenseitig bis zur Erschöpfung jagen.

Der Zweck der Übung

Konkrete Vorgaben, ein klarer Rahmen und ein bekanntes Spiel scheinen keine großen Herausforderungen zu sein. Der Schein trügt: Hinter dem Spiel steckt präzise Vorbereitung mit unvorhergesehenen Variablen, denn wir konnten selber unsere "Gangarten" bestimmen. Wir hätten uns auf einfaches Gehen und Laufen einigen können. Taten wir aber nicht. Kein einziges Mal wurde eine Fortbewegungsart wiederholt, zu groß war der Spaß am differenziellen Lernen und Ausprobieren. immer einfallsreicher wurden die Kombinationen, ein scheinbar nicht versiegender Pool an Ideen und Spielspaß. Die raschen Änderungen, das differenzieren der Bewegung und das Blockieren eines Körperteils - und das alles auf der Flucht vor dem fiesen Fänger, bringt die Bewegungsintelligenz auf Hochtouren.

Fehler bekommen ein gutes Image
Zusammengefasst: Nichts wird wiederholt, aber alles immer wieder neu kombiniert. Darin liegt der große Unterschied. Nicht linear zuerst A üben und festigen, danach B und schließlich C, sondern immer neue Variationen und Kombinationen: A und B, C und A, B und B. Das klappt nicht auf Anhieb: Stimmen kann es, muss es aber nicht, vielleicht funktioniert's in der nächsten Variation? Das sind die Lernschritte. Fehler gehören zum System, verlieren den Stress, das Gehirn spielt mit und lernt auf Hochtouren. Die meisten von uns Bewegungspädagogen haben diese Art der Spielführung in ihrem Repertoire. Aber wer hat sich wann zum letzten mal selbst so kreativ ausgetobt? Freude empfinden, Neues ausprobieren, Bewegung fließen lassen - die besten Voraussetzungen für intelligentes Lernen.

Ekkehard Hager, Bea Miescher
26. Juni 2010