Barla-Maria Venzin: Unter keinen Umständen operieren!


PatientenbeispieleWird der Schmerz unerträglich, wehren sich die meisten Patienten nicht mehr gegen eine OP. Nicht so Barla-Maria Venzin: Sie wehrte sich mit Händen, Füßen und Erfolg. Aber warum?

Es hätte ein gemütlicher Sonntag mit den Kindern werden sollen. Der Tisch war gedeckt, das Essen duftete verführerisch - da schoss der Schmerz ein. Wer einen akuten Bandscheibenvorfall erlitten hat, kennt es: Ein Blitz aus heiter hellem Himmel - meist im unteren Rücken mit gleißender Ausstrahlung in die Beine, lähmend, atemberaubend, Panik steigt auf. Irgendwie schaffte es Barla-Maria Venzin mit Hilfe ihrer Kinder aufs Sofa. Dort versucht sie den Schmerz in den Griff zu bekommen, der Lage Herr zu werden, irgendwie zu atmen, um nicht das Bewusstsein zu verlieren. Die 13-jährige Tochter Lorena holt Schmerzmittel, die vierjährige Victoria das Telefon.

Per Zufall zu Spiraldynamik

Die Auskunft der diensthabenden Notfallärztin ist so entwarnend wie frustrierend: Sehr wahrscheinlich Bandscheibenvorfall. Da kann man nichts tun als liegen, Schmerzmittel einnehmen und abwarten, dass es bessert oder dann operieren. Pflichtbewusst und wie sie ist und unter starken Schmerzmitteln schleppte sie sich am folgenden Tag zur Arbeit. Bereits die erste Patientin empfahl ihr Spiraldynamik: Schicksal? Zufall? Oder die Art, wie das Leben eben spielt? Sie bekam einen Notfalltermin am Med Center Zürich und bekam sofort eine erste Physiotherapie. Operieren wollte sie unter gar keinen Umständen:

Barla-Maria Venzin, woher kam dieses dezidierte Nein zu einer Operation?
Ich habe zwei Kinder, ein Haus und einen Beruf: Operieren ist immer mit Risiken verbunden, dazu kommt die Rekonvaleszenz. Das war f ür mich ein absolutes no-go!

Trotz der zermürbenden Schmerzen?
Die konnte ich schon gar nicht akzeptieren: Das war doch nicht ich! Seit ich denken kann bin ich aktiv, sportlich, ich ernähre mich gesund - wie kann mir so etwas mit gerade mal 44 Jahren passieren? Ich fühlte mich wie im falschen Film. Nach den ersten Stunden des Schreckens und der Schmerzen begann ich nachzudenken, was das bedeuten soll.

Eine esoterische Bedeutung?
Das hat nichts mit Esoterik zu tun: Schauen Sie, ich gehe mit Volldampf durchs Leben. Das ist meine Art, mein Charakter. Ich gehe auch schon mal mit dem Kopf durch die Wand und ich verlange viel von mir selbst. Nun hatte der Körper genug von dieser Kopflastigkeit und zog die Notbremse. Schmerzhaft und unüberschaubar deutlich!

Und was sagte er im Klartext?
"Barla-Maria, wenn du so weitermachst, kommt das schief." Volldampf ja, aber mit Erholungsphasen und vor allem mit neuem Körper-Bewusstsein.

Hatten Sie das vorher nicht?
Ganz anders: Vorher regierte der Kopf, der Körper hatte zu kuschen. Ich ernährte und trainierte ihn vernünftig - dachte ich. Bis ich in der Spiraldynamik-Therapie ein Aha-Erlebnis nach dem anderen hatte. Ich entwickelte ein völlig neues Körpergefühl, ein neues Verständnis für den armen Kerl mit seinen Bedürfnissen; zum Beispiel beim Gehen.

Muss er jetzt nicht mehr kuschen, ihr Körper?
Es gibt immer noch Momente, wo er das muss. Zum Beispiel bei der Arbeit: Ich kann und will weder meine Patienten noch meinen Arbeitgeber hängen lassen. Da muss der Körper eben durchhalten.

Verzeiht er das?
Mein Körper ist vom Untertan zum Verhandlungspartner avanciert: Ich habe gelernt, auf ihn zu hören, und er hat gelernt, moderat zu reagieren. Wenn ich es so bedenke - mein Körper und ich - wir sind ein eingespieltes Team!


Bea Miescher
10. Januar 2009