Musikermedizin: Die Zwölftonmusik für den Körper



Medizin Der erste europäische Lehrgang „Musikermedizin für Physiotherapeuten und Ärzte“ begann in diesem Herbst in Freiburg im Breisgau. Er beinhaltet 12 Module und erstreckt sich über 3 Jahre. Teilnehmerinnen sind auch zwei Spiraldynamik-Bewegungsspezialistinnen: Dr. med. Verena Stemmler und die Physiotherapeutin Milena Daniel.

Die meisten Musikprofis haben nicht nur ein, sondern statistisch drei bis vier verschiedene ernste Körperprobleme. Gesprochen wird wenig darüber, denn man bewegt sich schließlich in den schönen Künsten– da sind Probleme wie körperliche Schmerzen fehl am Platz. Sie werden ignoriert oder als normale Begleiterscheinungen des Musikerberufs hingenommen, denn Leistungs- und Konkurrenzdruck sind hoch: Bis zu sechs Übungsstunden Instrumentalspiel pro Tag - manchmal sogar mehr – sind Schwerstarbeit für den Körper. Die Konzertsituationen bergen weitere enorme Belastungen für die Musiker.

Der Arbeitsplatz Orchestergraben zeigt treffend die Arbeitsbedingungen professioneller Musiker: Auf engem Raum in künstlich-gedämpftem Licht werden Höchstleistungen erwartet: Hohe Konzentration, absolute Präzision und perfekte Integration – unter zeitweise extremer Lärmbelastung. Denn auch das beste Forte ist eben das, was es sein soll - laut! Zu diesen äußeren Bedingungen gesellen sich zahlreiche Anforderungen an die körperlichen Fähigkeiten der Musiker. Dazu Dr.med. Verena Stemmler, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin mit Schwerpunkt Musikermedizin am Spiraldynamik Med Center in Zürich:


"Eine stabile Körperhaltung während oft andauerndem Musizieren erfordert eine gut funktionierende, kräftige Haltemuskulatur. Überlastete Muskulatur verspannt sich und bereitet Schmerzen. Dies bedarf einer differenzierten und komplexen Bewegungsschulung. Muskuläre Funktionsstörungen wie Verspannungen oder Abschwächungen - insbesondere in Verbindung mit Schmerzen - beeinträchtigen Musikerinnen und Musiker in ihrer Berufsausübung auf Dauer erheblich. Eine Verbesserung ihrer Bewegungssituation beginnt mit der Weiterentwicklung der Eigenwahrnehmung und Eigenverantwortung. Dies sind die Kernkompetenzen der Spiraldynamik. Ein wichtiger Bestandteil in Diagnostik und anschließender Therapie ist die sorgfältige Analyse von Körperhaltung und Bewegung am jeweiligen Instrument. Die besonderen Musikerpersönlichkeiten in ihrer hohen Sensibilität, Differenziertheit und Motivation erfordern Fingerspitzengefühl, Achtung und guten partnerschaftlichen Kontakt im medizinischen Umgang mit ihnen. So können Musiker, Instrumentalisten und Sänger mit der Optimierung von Haltung und Bewegungen den hohen musikalischen Anforderungen gerecht werden. Langfristig und eigenverantwortlich."

Dr. med. Verena Stemmler
20. November 2006